[Frauen mit Biss –] Gemeinsam fischen statt allein
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02 | 03 | 2026 DiversesText: Daniela Misteli 0143
02 | 03 | 2026 Diverses
Text: Daniela Misteli 0 143

Frauen mit Biss – Gemeinsam fischen statt allein

Frauen, die fischen, vernetzen sich, geben sich gegenseitig Sicherheit und schaffen Raum für Respekt und Austausch. Eine Geschichte über Gemeinschaft, Mut und das Bedürfnis, am Wasser einfach sich selbst sein zu dürfen.


Anja kommt aus Leipzig, ist 50 Jahre alt und fischt, seit sie denken kann. Für sie ist das Fischen ein Ort der Ruhe, der Natur und der Freiheit. Jahrelang war sie gemeinsam mit ihrem Mann am Wasser. Seit er gestorben ist, steht sie plötzlich allein da – und geht fortan auch allein fischen.

Doch als Frau allein ans Wasser zu gehen, ist nicht immer entspannt. Abgelegene Plätze empfindet Anja oft als beängstigend, weshalb sie aus Vorsicht lieber dort fischt, wo auch andere Menschen unterwegs sind. Kaum ist die Rute ausgepackt, wird sie häufig angesprochen. Sie muss sich anhören, dass früher alles besser gewesen sei, dass moderne Technik das Fischen kaputt mache – und vieles mehr.

«Während man selbst einfach entspannen will, reden manche ungefragt stundenlang weiter. Man ist gefangen in Gesprächen, die man nie wollte», sagt Anja.

 Anja macht sich auf die Suche nach Fischerkolleginnen und wird nach einem harzigen Start fündig, und wie!

Anja macht sich auf die Suche nach Fischerkolleginnen und wird nach einem harzigen Start fündig, und wie!

Über ein Fischerforum sucht sie gezielt nach Fischerinnen und lernt Maria kennen. Immer öfter gehen die beiden gemeinsam ans Wasser. Einmal kommt eine weitere Freundin dazu – zu dritt fühlen sie sich sicher und haben vor allem eines: Spass am Fischen. Als zwei Fischer auf die drei Frauen treffen und sehen, dass der Platz bereits besetzt ist, wollen sie gleich weiterziehen. Doch die Frauen rücken zusammen und machen Platz, damit alle fischen können.

Anja beginnt sich zu fragen, ob Frauen am Wasser anders miteinander umgehen. Gibt es mehr Rücksicht, mehr Miteinander?

Noch am selben Abend gründet sie eine WhatsApp-Gruppe für Fischerinnen. Doch sie kennt nur vier Frauen – mehr werden es zunächst nicht. Also folgt der nächste Schritt: eine Facebook-Gruppe. Vielleicht gibt es ja noch mehr Frauen, die lieber gemeinsam mit anderen Frauen fischen gehen möchten.

Der Start ist holprig; wieder sind es nur vier Teilnehmerinnen. Anja beginnt, in anderen Gruppen und auf Seiten Werbung zu machen, doch die Beiträge werden oft rasch gelöscht. Vielleicht aus Angst, Mitglieder zu verlieren? Doch Nancy sieht einen dieser Beiträge gerade noch rechtzeitig und meldet sich bei Anja. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, reden stundenlang, planen gemeinsame Ausflüge und gehen zusammen fischen.

Nancy schreibt Fischerei-Verbände an, Anja macht weiter Werbung auf Facebook. Was dann passiert, überrascht alle: Aus neun Mitgliedern werden innerhalb von vier Wochen über 500 Fischerinnen.

«Wir haben etwas geschaffen, das Frauen offenbar dringend brauchen – oder unbewusst gesucht haben», sagt Anja. Aktuell sind es noch nicht ganz tausend Mitglieder, sie werden es wohl aber bald sein. Täglich sind es mehrere neue Beiträge und es wird fleissig diskutiert.

 Bald tausend Fischerinnen­ haben sich bereits einge­tragen und zeigen eindrücklich: Es gibt viele von uns!

Bald tausend Fischerinnen­ haben sich bereits einge­tragen und zeigen eindrücklich: Es gibt viele von uns!


Warum diese Gruppe so wichtig ist

Die Gründe, warum Frauen sich anmelden, sind vielfältig – und doch ähnlich:

«Ich gehe nicht gern allein an abgelegene Spots.»

«Ich traue mich nicht, allein im Zelt zu übernachten.»

«In gemischten Gruppen bekomme ich private Nachrichten von Männern, die ich nicht lesen will.»

«Ich werde ständig belehrt und nicht ernst genommen.»

«Ich möchte Frauen kennenlernen, die so sind wie ich.»

Die Umsetzung der Idee ist so einfach wie genial: Eine grosse Karte des deutschsprachigen Raums – Deutschland, Österreich und die Schweiz – zeigt, wo Fischerinnen unterwegs sind. Jede kann einen Pin setzen, ihren Namen und die bevorzugte Fischereimethode hinterlegen und so ganz unkompliziert Anschluss in der Nähe finden.

Neue Mitglieder stellen sich zudem kurz in der Gruppe vor. Oft entstehen Kontakte bereits dort. Der Umgangston ist freundlich, unterstützend und respektvoll. Auch in der Schweiz ist schon ein Pin gesetzt, ebenso im nahen Ausland. Interessierte können sich direkt in der Facebook-Gruppe anmelden und ihren Pin setzen. Männer sind konsequent ausgeschlossen – unabhängig davon, ob sie einem Verband oder Verein angehören oder in einem­ Fischerladen arbeiten.


Und wie geht es weiter?

Auf die Zukunft angesprochen, sagt Anja nur: «Gross – sehr gross!» Geplant sind regionale Treffen, grössere Fischer-Events, ein Podcast sowie Kooperationen mit Verbänden. Wie weit diese Reise führen wird, weiss noch niemand. Doch eines ist sicher: Sie hat gerade erst begonnen.

Als Beispiel treffen sich Claudia und Louisa auf der Facebook-Seite – bereits bei der Vorstellung schreiben sie sich an und vereinbaren gleich das erste Treffen. Zusammen geht es trotz tiefen Temperaturen zum Fischen an den Forellenteich; die zwei geniessen die Zeit unter Frauen am Wasser.

 Auch Claudia und Louisa finden sich über die Facebook-Gruppe und geniessen nun das gemeinsame Fischen.

Auch Claudia und Louisa finden sich über die Facebook-Gruppe und geniessen nun das gemeinsame Fischen.

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