Eine feine Sache
22 | 01 | 2013 PraxisText: Daniel Luther 01185
22 | 01 | 2013 Praxis
Text: Daniel Luther 0 1185

Eine feine Sache

Das Felchenfischen mit der Hegene gehört zu den beliebtesten Seefischer-Techniken. Für viele Petrijünger gibt es nichts Schöneres als die feinste Art des Vertikalfischens. Unsere kleine Einführung macht Sie vertraut mit den Grundzügen einer faszinierenden Technik, die noch gar nicht so alt ist.

Bis in die 1950er-Jahre galten Felchen als Zufallsfänge. Nur in einigen Seen wurde mit kleinen Löffeln auf grosse Schwebfelchen geschleppt.

Wer damals die zündende Idee für die Nymphenfischerei auf Schweizer Felchen hatte, ist leider nicht überliefert. Aber danke!

Das Grundprinzip wurde allerdings nicht im Alpenraum entdeckt. Schon lange vor der ersten Hegene wurden Felchen vertikal mit kleinen Insektenimitationen gefangen, nämlich beim Eisfischen im hohen Norden.


Ein weiter Weg

Die Hegenen-Pioniere hatten etliche Hürden zu meistern, insbesondere die Bisserkennung war mit damaligen Ruten gelinde formuliert eine Herausforderung. Ein wichtiger Durchbruch kam in den 1980er-Jahren mit der Verfügbarkeit von Kohlefaser. Damit liessen sich feine und doch stabile Spitzen bauen, die auch die zartesten Bisse der Felchen erkennen liessen. Heute ist das Gerät so ausgereift und hochwertig, wie es die ersten Spezialisten wohl nie zu träumen wagten.

Das Hegenenfischen mit der Nymphe ermöglicht es die wichtigste Nahrung der Felchen überzeugend zu imitieren. In den meisten Seen sind das die Larven und Puppen der Zuckmücken und sowie der Eintags- und Köcherfliegen. Auch der Bachflohkrebs gehört in diese Aufzählung.


Erfolgreiche Führung

Durch das vertikale Auf ahmt man das Aufsteigen der schlüpfbereiten Puppen nach, das Ab imitiert die Bewegungen der Larven. Die fängigste Präsentation ist ein langsames Heben und Senken der Rute. Wer einen Experten genau beobachtet, wird feststellen, dass er oft Pausen einbaut, das Tempo ändert und zeitweise auch kleine Zupfer und Zitterbewegungen einsetzt, um den Felchen ihre natürliche Beute vorzugaukeln.

Lässt sich ein Fisch zum Einsaugen der Nymphe «überreden», gilt es diesen Moment zu erkennen und sofort mit einem Anhieb zu reagieren. Denn so schnell, wie der Haken eingesaugt wurde, so schnell wird er auch wieder ausgespuckt, sobald die Felche die Täuschung mit ihrem Geschmacks- und Tastsinn erkennt.

Oft fühlt man nur einen kurzen Zupfer, manchmal nicht einmal das, sondern nur eine Entlastung der Spitze. Die Felchen greifen sich nämlich die Nymphe gerne von unten und machen damit eine Aufwärtsbewegung. Sitzt der Haken, folgt oft ein heftiger Drill, denn Felchen sind schnelle Schwimmer und sie haben Temperament!


Spezialisiertes Gerät

Für das Fischen mit der Hegene kommen deshalb kurze, leichte Ruten mit feinen und weichen Spitzen zum Einsatz. Viele Bisse können nur mit einer sensiblen Spitze erkannt werden. Deshalb empfehlen sich mindestens semi-parabolische Aktionen.

In den Anfangsjahren bauten sich die Spezialisten solche Ruten aus den leichtesten erhältlichen Fliegenrutenblanks. Heute haben viele Rutenhersteller ausgereifte Felchenruten samt Ersatzspitzen für relativ wenig Geld im Programm. Je nach Vorliebe und Hegenenlänge messen sie zwischen 180 und 240 Zentimeter.

Die Laufrolle ist für Felchenexperten die logische Wahl. Erstens: Durch ihre Konstruktion ist sie enorm leicht. Im Drill ist der Kontakt zum Fisch direkt und «das weltbeste Bremssystem» steht zur Verfügung: der Zeigfinger! Damit lässt sich der Druck auf den Fisch perfekt dosieren und variieren. Selbst kapitale Seeforellen und Hechte wurden so am eigentlich viel zu feinen Gerät schon gelandet.

Nicht wenige Seefischer verwenden trotzdem lieber Stationärrollen. Auch sie sollen möglichst leicht sein, um die Aktion der feinen Rute nicht zu beeinträchtigen. Einen Nachteil nimmt man mit kleinen Rollen aber in Kauf: Die entsprechend kleinen Bremsscheiben bewegen sich beim Drill einer kapitalen Felche zumindest am Limit.

Gefüllt werden die Felchenrollen heute mit dünnen, dehnungsfreien Geflechtsschnüren, die jede Bewegung aus der Tiefe ins Handgelenk übertragen. Häufig kommen Ausführungen mit Farbcodierungen zum Einsatz. Sie bestehen aus etwa zehn verschieden eingefärbten Abschnitten à fünf Meter. Damit hat man die Anbietetiefe optisch im Griff und kann in Zusammenspiel mit dem Echolot die Felchen sogar gezielt im Freiwasser befischen.


Nymphen & Hegenen

Die Auswahl an Nymphen und fertig gebundenen Hegenen ist ebenfalls mit der Beliebtheit der Technik gewachsen. Einsteiger sollten sich von erfahrenen Kollegen und ihrem Fachhändler beraten lassen über die «gängigen» Muster am See ihrer Wahl.

Gebräuchlich sind die drei Hakengrössen Nr. 12, 14 und 16, brüniert oder vergoldet. Die wichtigsten Köderfarben sind Schwarz, Rot, Braun, Violett und Blau mit einem kontrastierenden Köpfchen. Es gehört zur Faszination dieser Methode, dass die Felchen oft ganz spezifisch eine bestimmte Farbe, Form oder Grösse bevorzugen.

Die Nymphen werden in einer kleinen Schlaufe angeknotet, die das Köderspiel klar verbessert. Je nach Vorschrift hat eine Hegene drei, vier, fünf und in Ausnahmefällen noch mehr Seitenzweige. Der Abstand der Seitenzweige variiert zwischen etwa 20 und 80 Zentimeter in Abhängigkeit des Tiefenbereichs, den man abdecken möchte. Ein Blei von 5 bis 15 Gramm Gewicht am Ende der Schnur zieht die ganze Montage in die Tiefe.

Ein besonderer Vorteil der Hegene liegt darin, dass man damit verschiedene Tiefen relativ rasch abfischen kann. Vor allem, wenn sich die Fische im Freiwasser bewegen, lassen sie sich so Erfolg versprechender suchen und fangen. Als Faustregel sollte die Hegene nicht länger als die verwendete Rute sein, da man sonst erhebliche Probleme bei der Landung der Beute bekommen kann.


Vorsichtig drillen

Drei Dinge sind unverzichtbar auf einem Felchenboot: Ein guter Anker mit genügend Ankerseil, eine Kühlbox zur Lagerung des empfindlichen Felchenfleisches und ein Felchenfeumer.

Früher waren die hakenabweisenden Maschen aus Metallgeflecht, heute ist es einfädiges Nylon. Ein weiteres wichtiges Detail ist der Spreizring. Das Ziel: Die Hegene soll sich bei der Landung möglichst nicht im Netz verhaken oder verwickeln. Das spart viel Zeit fürs Fischen.

Eine Landung ohne Feumer ist bei den meist knapp gehakten und quicklebendigen Felchen zu riskant. Oft wehren sie sich mit vehementen, ja rasanten Fluchten. Dank ihrer grossen Schwanzflosse können sie beeindruckend beschleunigen. Besonders schwere Fische lassen sich am Anfang des Drills kaum vom Grund weg bewegen. Nur durch geduldiges und gefühlvolles Drillen vermeidet man einen Verlust.

Eine grössere Felche muss sich auch unbedingt bereits im Freiwasser ausgetobt haben, bevor man sie in Bootsnähe führt. Wenn sie hier nämlich noch einmal zu
einem heftigen Lauf ansetzt, ist die Gefahr gross, dass sie sich ins Ankerseil flüchtet oder der Haken aus dem feinen Maul ausreisst.


Wie man Felchen findet

Das einfachste Mittel um die Felchen zu finden ist, sich den Bootversammlungen der anderen Fischer anzuschliessen. An den meisten Seen gibt es bekannte Felchenplätze, wo die Mehrzahl der Fischer hinfährt.

Da die Felchen auf der Suche nach Nahrung aber oft weitläufig umherziehen, gibt es viel mehr gute Plätze als diese «Fischerboot-Treffen» vermuten lassen. Das zeigt sich, wenn man ein Gewässer mit einem Echolot erkundet: Eine empfehlenswerte Anschaffung für einen Hegenenfischer, besonders wenn die Fische nicht in Grundnähe, sondern im Freiwasser fressen.

Aussichtsreiche Stellen sind Buchten mit schlammigem oder sandigem Untergrund. Hier findet man riesige Kolonien von Mückenlarven. Ein viel versprechender Hinweis sind natürlich schlüpfende Mücken an der Oberfläche.


Wann beissen sie denn?

An vielen Seen fängt man die Felchen am besten in den Wintermonaten. Sie konzentrieren sich dann in Grundnähe und das Wasser ist in der Regel klarer, so dass die Felchen unser Angebot besser sehen können. Im Winter stehen die Felchen recht tief, nicht selten tiefer als 20 Meter, im Frühling und Sommer stossen sie zuweilen in flaches Wasser vor.

Genug graue Theorie! Das Felchenfischen lernt man am besten mit der Rute in den Fingern auf dem See. Ankern Sie an einem Plätzchen, das Ihnen gefällt, lassen Sie die Hegene langsam zum Grund und beginnen mit dem langsamen Heben und Senken. Seien Sie bereit, jederzeit kann der zaghafte Biss kommen und dann geht der Spass los!

 

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