Maifliegen[ – Nun tanzen sie wieder]
07 | 06 | 2017 PraxisText & Fotos: Harald Bayler 01385
07 | 06 | 2017 Praxis
Text & Fotos: Harald Bayler 0 1385

Maifliegen – Nun tanzen sie wieder

Besonders die Fliegenfischer verdanken der schönen Eintagsfliege wunderbare Stunden am Wasser und eine spannende Fischerei. Auch wenn ihr Name etwas anderes suggeriert – bei uns ist es meist Juni, wenn der alljährliche Tanz der Maifliegen stattfindet.

Unglaublich, was sich für Szenen am Wasser abspielen, wenn das grosse Schlüpfen der Maifliege beginnt! Jetzt sind die Fische verrückt nach den gelben Proteinbomben, nutzen das grosse Nahrungsangebot und fressen sich mal so richtig satt. Besonders in den ersten Tagen der Maifliegenzeit sind die Fische extrem gierig.
Die Larven der Ephemera danica verbringen den Grossteil ihres Lebens geschützt im schlammigen Gewässergrund. Verborgen im Sediment verweilen die Larven ein ganzes Jahr und wachsen zu einer beachtlichen Grösse heran: Körperlängen von vier Zentimetern sind keine Seltenheit! In dieser Zeit sind die grossen Larven für die Fische kaum erreichbar. Das ändert sich schlagartig, sobald das Schlüpfen beginnt. Viele Larven auf einmal verlassen dann ihr sicheres Versteck und drängen mit schlängelnden Bewegungen zur Oberfläche. Der Schlupf ist zeitlich begrenzt, und so versuchen die Fische, in kurzer Zeit so viel Nahrung wie möglich aufzunehmen.


Das grosse Fressen

Die Fische sammeln die zur Oberfläche schwimmenden Nymphen und die Aufsteiger ein, die gerade versuchen, an der Oberfläche aus der Larvenhaut zu kriechen. Das Nehmen der Maifliegenaufsteiger knapp unter der Oberfläche wird fälschlicherweise oft als «Steigen» gedeutet, denn die Fische durchbrechen dabei die Wasseroberfläche mit dem Rücken oder der Schwanzflosse. Wer weiss, worauf geachtet werden muss, kann jedoch genau erkennen, ob die Fische gerade sammeln oder steigen. Wenn der Fisch ein Insekt von der Oberfläche nimmt, also steigt, durchbricht das Maul des Fischs die Wasseroberfläche. Anders sieht das beim Sammeln aus: Hektisches Hin- und Herschwimmen und das Aufblitzen des weis­sen Mauls sind ein klares Anzeichen für das Einsammeln der Larven.

Achten Sie auch darauf, ob Sie dieses vermeintliche «Steigen» erkennen, obwohl zuvor keine Maifliege an dieser Stelle zu sehen war. Auch dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Fisch die Larve nur knapp unter der Oberfläche geschnappt hat.
Wenn die Larve es bis an die Oberfläche geschafft hat, bricht die Haut auf, die Eintagsfliege kriecht aus der Hülle. Sie hat in diesem Moment keine Möglichkeit zu flüchten, ist völlig hilflos – und das weiss der Fisch ganz genau! Aufsteiger-Fliegenmuster, die tief im Wasser liegen, sind jetzt die richtige Wahl!
Kurz nachdem die Larvenhaut abgestreift wurde, sind die Flügel der frisch geschlüpften Maifliege noch nicht ausgehärtet. Diese junge Maifliege, die auch als Subimago oder Dun bezeichnet wird, ist direkt nach dem Schlupf noch nicht flugfähig. Sie versucht, sich durch Hüpfen und Flattern von der Oberfläche zu befreien und abzuheben. Dabei landen viele Duns mit den Flügeln auf der Oberfläche.
Auch durch starken Wind werden die frisch geschlüpften Maifliegen umgestossen oder ins Wasser gepresst. Dann liegen sie flach auf dem Wasser und versuchen verzweifelt, sich durch hektisches Flügelschlagen aus dieser misslichen Situation zu befreien. Diese und bereits gestorbene Maifliegen werden von den Fischen einfach eingesammelt.


Hochzeitstanz der Danica

Viele Larven und Duns werden gefressen, ein grosser Teil der Maifliegen schafft es jedoch ans sichere Ufer. Dort häuten sich die Sub­imagos ein letztes Mal zur geschlechtsreifen Eintagsfliege. Die Färbung kann von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich sein.
Nach der Häutung zur Imago erfolgt der letzte Lebensabschnitt der Maifliegen. Sie führen einen beeindruckenden Hochzeitstanz, bei dem sie immer und immer wieder hoch in die Luft flattern und danach langsam wieder nach unten segeln. Ein beeindruckendes Naturschauspiel!
Nach dem Tanz erfolgt die Paarung und die Eiablage. Die Männchen sterben direkt nach der Hochzeit und fallen tot aufs Wasser, die Weibchen sterben etwas später, nach der Eiablage. Die toten Eintagsfliegen werden als Spent bezeichnet und liegen bewegungslos und flach auf dem Wasser. Auch diese werden von den Fischen eingesammelt – allerdings nicht mehr so aggressiv wie beim Schlupf. Wenn man die Augen offen hält, findet man jedoch immer wieder Fische, die auch diese Spents einsammeln.

 Den Maifliegen bleiben als erwachsene Flug­insekten nur wenige Tage. Sie legen dann ihre Eier im Fluss ab und sorgen so für die nächste Generation der Danicas.

Den Maifliegen bleiben als erwachsene Flug­insekten nur wenige Tage. Sie legen dann ihre Eier im Fluss ab und sorgen so für die nächste Generation der Danicas.

 Diese Maifliege ist eine verunglückte Dun. Leichte Beute für Äsche, Forelle & Co.!

Diese Maifliege ist eine verunglückte Dun. Leichte Beute für Äsche, Forelle & Co.!

 Eine sich bewegende Maifliege, erkennbar an den kleinen Wellen: Solch einfache Beute wird selbst von einer satten oder argwöhnischen Forelle genommen.

Eine sich bewegende Maifliege, erkennbar an den kleinen Wellen: Solch einfache Beute wird selbst von einer satten oder argwöhnischen Forelle genommen.

 Der Hochzeitstanz der Maifliegen: Nur wenige Tage im Jahr ist dieses Schauspiel zu beobachten.

Der Hochzeitstanz der Maifliegen: Nur wenige Tage im Jahr ist dieses Schauspiel zu beobachten.

 Diese drei Maifliegen haben es bis ans rettende Ufer geschafft – doch dies gelingt nicht jeder Danica, sehr zur Freude der Fische und der Fischer.

Diese drei Maifliegen haben es bis ans rettende Ufer geschafft – doch dies gelingt nicht jeder Danica, sehr zur Freude der Fische und der Fischer.


Tipps & Tricks

Für Fliegenfischer sind die ersten Tage der Maifliegenzeit die spannendsten, die Salmoniden sind dann noch äusserst gierig. Später haben dann die Fische die Mägen mit Maifliegen voll und sind einfach überfressen. Einige Forellen nehmen in wenigen Tagen die Form eines Kugelfischs an. In Ihrem Gewässer kommt die Maifliege nicht so zahlreich vor? Das hat auch einen Vorteil: Dann bleiben die Fische nämlich über die ganze Maifliegenzeit hinweg aggressiv und wild auf diese Leckerbissen!
Da Maifliegen-Gewässer etwas langsamer fliessen, fische ich gerne mit Fliegen, die mit Entenbürzelfedern (CDC) gebunden werden und nicht die tote Imago, sondern die auf dem Wasser festsitzende Subimago imitieren. Das CDC kombiniere ich bei diesem Muster mit einem Flügel aus Kunstfaser. Durch diese Kombination wirkt der Flügel sehr natürlich und die Fliege schwimmt gut. Trotzdem sollten Sie auf ein Fetten der Fliege nicht verzichten. Es reicht aus, wenn die Flügel und das Schwänzchen leicht gefettet werden. Mit dieser Fliege werfe ich den Fisch gezielt an und lasse sie auf ihn zutreiben. Falls die Fliege nicht genommen wird, lasse ich sie komplett über den Fisch hinwegtreiben und hebe sie erst danach sachte vom Wasser ab. So kann ich den Fisch ohne Probleme mehrfach anwerfen, ohne ihn zu vergrämen.


Aktive Führung

Wenn der Fisch dann keine Reaktion zeigt, greife ich in die Trickkiste und hauche der Fliege mit einem kurzen Zucken oder Zittern der Rute etwas Leben ein. Diese aktive Führung imitiert das Verhalten einer ertrinkenden Dun. Wichtig ist bei diesem Trick, dass nur ein kurzer Impuls gegeben und danach etwas pausiert wird. Darauf reagieren die Fische meistens, denn das Zucken ist ein klares Zeichen, dass die abtreibende Dun noch lebt und sich nur aus dieser Situation nicht befreien und wegfliegen kann. Die perfekte Beute! Genau das ist dann der Reiz, der den Biss auslöst!
Nachdem Sie einen Fisch gefangen haben, sollten Sie die Fliege kurz im Wasser auswaschen. Dadurch wird der Fischschleim entfernt und die CDC-Fibern sind nicht mehr verklebt. Noch kurz trocknen und schon kann weitergefischt werden.
Vielleicht sind ja auch Sie fasziniert von diesen wunderschönen Insekten. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Fischen und Beobachten der einzigartigen Maifliegen.


Wussten Sie, dass…

…Maifliegen den grössten Teil ihres Lebens als Larve im Schlamm verbringen und nur etwa drei Tage ihres Lebens als flugfähiges Insekt an Land? Die Lebensdauer an Land ist so kurz, weil Eintagsfliegen keine Fresswerkzeuge besitzen und daher keine Flüssigkeiten oder Nahrung aufnehmen können.

 

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