Naturköder fangen immer (noch)
31 | 08 | 2022 PraxisText: Ruben Rod 01095
31 | 08 | 2022 Praxis
Text: Ruben Rod 0 1095

Naturköder fangen immer (noch)

Naturköder  |  Teil I

Angesichts der riesigen Vielfalt an Kunstködern inklusive Hightech und Aromastoffen sind bewährte Köder in den Hintergrund gerückt, die über viele Jahrzehnte hinweg zuverlässig Fische an den Haken gebracht haben. Wir stellen Euch in einer Serie eine Übersicht und Tipps zum Besorgen dieser Happen vor.


Naturköder bewähren sich nach wie vor an unseren Gewässern. Bereits vor Jahrzehnten schrieb das «Petri-Heil»-Urgestein Jules Rindlisbacher (gest. 1990) darüber und verfasste in den 1970er-Jahren ein Naturköder-Lexikon (Hansjörg Dietiker berichtete in Ausgabe 02/2020). Im Gegensatz zu Spinnködern kommen Naturköder nicht aus der Mode und fangen zeitlos. Allerdings hat sich das in der Natur verfügbare Aufkommen an Ködern geändert, insbesondere was die Insekten betrifft. Etwa eine der rar gewordenen Libellen als Köder zu nehmen, ist nicht mehr zeitgemäss – aber das ist auch nicht nötig angesichts der Fülle an möglichen Naturködern. Das gilt auch für die einst praktizierte Verwendung von Fröschen oder gar kleinen Enten als Hechtköder …



Würmer

Wenn es einen Universalköder gibt, dann dürfte es wohl der Wurm sein. Es gibt eigentlich keine Fischart, welche die Proteinhappen aus der Erde verschmähen. Und doch kann man deren Einsatz selektiv gestalten. Der grosse Tauwurm steht oben auf der Speisekarte bei den grösseren­ Fischen. Für die Bachforellen ist er wohl der «tödlichste» Köder, und das Trüschenfischen kann man sich ohne Wurm kaum vorstellen. Im Bündel angeboten überzeugen die grossen Würmer ebenso den Wels zuverlässig. Auch Egli schätzen grosse Würmer, wie uns Ivan Valetny gerade erst in der Sommerausgabe vorgeführt hat. Die kleineren Dendrobena aus dem Fischereigeschäft oder die Mistwürmer aus dem Kompost passen so gut wie jeder Fischart ins Maul, inklusive den Felchen. Auch diese roten Würmer lassen sich zu Bündeln packen und ebenso vielseitig anbieten. 

Man kann die Würmer auch kombinieren mit «modernen» Rigs und anstelle von Gummis montieren, wobei sie sich beim klassischen Ansitzfischen mit dem Zapfen oder am Grund ohne Schnickschnack gut bewähren. Fischt man mit einem Wurm, kann stets mit Überraschungen gerechnet werden.

 Einem dicken Tauwurm konnte schon mancher grosse Egli nicht widerstehen.

Einem dicken Tauwurm konnte schon mancher grosse Egli nicht widerstehen.



Mehlwürmer

Wohl die grösste Ähnlichkeit mit im Wasser lebenden Insekten haben die gelblichen bis dunkelbraunen Mehlwürmer mit dem typisch gestreiften Aussenskelett aus Chitin. Für insektenfressende Salmoniden in Fliessgewässern, allen voran den Äschen, sind Mehlwürmer eine vielfach bewährte Wahl. Sie lassen sich gut auf feine Haken aufziehen und werden auch von Insektenfressern mit einem eher kleinen Maul genommen, darunter sogar Felchen. Mehlwurm-Hegenen am See sind definitiv einen Versuch wert. Am Haken bewegen sich die Mehlwürmer nicht mehr und überzeugen hauptsächlich mit ihrer Optik und der Textur. Das reicht, wenn die Fische auf Insekten eingeschossen sind und der kleine Mehlwurm optimal in dieses Schema passt.


Maden

Ob beim Zapfenfischen auf Weissfische oder als reizvolle Garnierung von Ködern beim Spinn­fischen: Nicht wenige Petrijünger schwören auf die «Mädli» alias Fliegenmaden. Ein bekannter und bewährter Klassiker ist die Kombination des «Käferlilöffels» mit Maden am Drilling, eine echte Egliwaffe! Dass sie durch Zugabe von Farbstoffen auch farbenfroh in Pink, Rot oder Gelb durch den Kühlschrank krabbeln, ändert kaum etwas an der geringen Begeisterung von nichtfischenden Mitmenschen für die Tierchen. So teilen viele Madendosen dasselbe Schicksal: Sie dürfen nicht in den Kühlschrank und landen im Fischerschrank oder Gartenschuppen, wo sie sich bei Raumtemperaturen rasch verpuppen. Obwohl auch diese dunklen Puppen als Köder für Weissfische funktionieren, schränkt das die Fängigkeit durch das fehlende Zappeln ein. 

Mit den Mädli kann man dick auftragen und meist kommen mehrere von ihnen an den Haken, zu einem wuselnden Bündel gepackt. Sei es am Zapfen oder am Grund angeboten, erregt ein solches Proteinpack die Aufmerksamkeit und den Appetit von vielen verschiedenen Arten, darunter auch die bei anderen Ködern­ eher zurückhaltenden Schleien.

 Mit Bienenmaden werden viele Forellen gefangen, insbesondere in den Bergseen.

Mit Bienenmaden werden viele Forellen gefangen, insbesondere in den Bergseen.


Bienenmaden

Wesentlich appetitlicher und ruhiger als die Mädli kommen die «Bienenmaden» genannten Wachsmottenlarven daher und erhalten manchmal sogar Aufenthaltsrecht im Kühlschrank. Wer sie selber probieren würde, wäre wohl über den milden Geschmack mit Mandelaroma eher positiv überrascht. Dennoch machen die Bienenmaden am Haken die bessere Figur als auf dem Teller … 

Grundsätzlich lassen sich auch mit ihnen viele Fischarten fangen, doch besonders hervorzuheben ist ihre Fängigkeit auf Forellen. Sei es am Fliessgewässer oder am Bergsee: Wer mit Bienenmaden fischt, kann mit einem Anbiss der getupften Räuber rechnen. Auch als Anfänger mit einer Bienenmade am «Buldo» am Forellensee kann man erfahrene Spinnfischer-Profis abtrocknen. Gerade die Besatzforelle Nummer eins, die Regenbogenforelle, lässt sich oft mit Bienenmaden am besten überzeugen. Hat man auch den Laufzapfen oder Sbirulino im Griff und kann man die attraktive Made auf Tiefe bringen, fängt man auch träge Fische in Grundnähe. Das ist der entscheidende Kniff, um auch an heissen Sommertagen oder im Winter beim Eisfischen an die «Rägebögler» heranzukommen.

Oft werden zwei Maden auf einen Haken gepackt, wo sie ein «L» formen, das bereits bei geringem Zug in Rotation gerät und als kleiner Spinner in Proteinform auf sich aufmerksam macht. Aber auch einzeln montiert sind die relativ grossen Maden ausreichend. Bei der Montage zu beachten ist, dass sie mit Vorsicht an dünndrahtigen Haken mit einem feinen oder geklebten Knoten angebracht werden sollten. Denn sobald deren Hülle durchstochen ist, laufen die innen dünnflüssigen Maden rasch aus und fallen in sich zusammen. Gut eignen sich die bereits am Vorfach montierten «Forellenhaken» mit dem abstehenden Hakenschenkel, mit dem die Köder auch zusätzlich fixiert und am Abrutschen gehindert werden können.

 Bei der Befestigung von auslaufenden Ködern wie Bienenmaden sollten dünndrahtige Haken mit einem Hakenschenkel verwendet werden, damit diese nicht abrutschen.

Bei der Befestigung von auslaufenden Ködern wie Bienenmaden sollten dünndrahtige Haken mit einem Hakenschenkel verwendet werden, damit diese nicht abrutschen.

 Diese bereits vormontiert verkauften «Forellen­haken» eignen sich auch für das Befestigen von Würmern.

Diese bereits vormontiert verkauften «Forellen­haken» eignen sich auch für das Befestigen von Würmern.


Weitere Naturköder

Die vier klassischen Naturköder lassen sich üblicherweise in einem Fischerladen besorgen. Es gibt aber noch weitere Geschäfte, wo man sich fängige Naturköder besorgen kann. 

Lebensmittelladen

Längst sind die Fische auch auf den Geschmack von typischen Menschenspeisen gekommen. Der Allrounder unter diesen «Naturködern» dürfte das Brot sein, mit dem sogar am schwierigen Mittelmeer am zuverlässigsten Fische gefangen werden können. Mit Brotkügelchen werden vermutlich auch die allermeisten Köderfische gefangen. Und mit Büchsenmais weltweit vermutlich die meisten Karpfen, trotz Boilie & Co. Mais ist ohnehin eine Wunderwaffe und überzeugt sogar Salmoniden. Ob das am Anfüttern oder den am Wasser abgewaschenen Picknick-Tellern liegt? 


Das gilt auch für Teigwaren. Schon mal ein gekochtes Hörnli mit Haken im Fluss treiben lassen? Wenn nicht: Probier das mal und lass Dich überraschen. Ein offenes Geheimnis ist die Schwäche der ansonsten zurückhaltenden Alet für Kirschen und Beeren. Einen festen Platz unter den Karpfen- und Friedfischfans haben Käse und Kartoffeln.


Metzgerei

Auch Fleischiges wird von vielen Fischen (und Fischern) sehr geschätzt. Barben und Alet, aber auch Karpfen und weitere Opportunisten mögen Bratwurst- und Fleischkäsewürfelchen am Haken. Auch blutige Leberstücke ziehen einige Fische an, etwa Welse und Trüschen. Mit Speckstreifen am Buldo oder an der Hegene lässt sich sogar aktiv auf Egli zupfen.


Fundgrube Zoofachgeschäft

Als Köder-Fundgrube erweist sich das Angebot im Haustiergeschäft. Was fressen Reptilien und anspruchsvolle Zierfische? Ja, ganz genau! Nebst Mehlwürmern und Würmern lassen sich in einem gut assortierten Geschäft auch Grillen und Heuschrecken finden. Auf scheue Fische in Bach oder Bergsee wirkt ein zappelndes Insekt unwiderstehlich. Dazu kommen einige weitere Futterinsekten, die bisher kaum bekannt sind, aber einen Versuch wert wären. Dazu zählen grosse Schaben oder der XXL-Mehlwurm Zophobas (Schwarzkäferlarve). Tiefgefroren sind Mückenlarven und Futterfische (meistens Stinte) in guter Qualität erhältlich, die sich ebenfalls vielseitig am Wasser einsetzen lassen. Auch unter den Futtermitteln für Landtiere wie Hunde und Katzen wird man fündig. Dass Dosenfutterfleisch auf Karpfenartige in See und Fluss funktioniert, ist erwiesen. Unter den Karpfenfischern sind die FROLIC-Trockenfutterringli schon lange Bestandteil ihrer Köderauswahl.


Fortsetzung folgt ...

Auf weitere möglichen Köder gehen wir in den nächsten Folgen dieser Serie ein. Sich draussen frische Köder zu besorgen, die eigene Herstellung von Ködern und die Möglichkeiten zur Präsentation von Köderfischen sind schliesslich eine Wissenschaft für sich. Bis dahin wünschen wir Euch Petri Heil beim (wieder) entdecken dieser einfachen Naturköder!

 

0 Kommentare


Keine Kommentare (Kommentare erscheinen erst nach unserer Freigabe)


Schreibe einen Kommentar:

Anzeige
Anzeige
Zurück zur Übersicht

Das könnte Dich auch interessieren: