Mit Laufblei und Wurm
01 | 07 | 2022 PraxisText & Fotos: Ivan Valetny 04190
01 | 07 | 2022 Praxis
Text & Fotos: Ivan Valetny 0 4190

Mit Laufblei und Wurm

Egli «fühlern» – Teil 1

Am Anfang steht beim Fischen meistens der Wurm. Dass dieser Köder bei richtiger Präsentation den Egli noch lange nicht verleidet ist, zeigt Dir Ivan Valetny in diesem Bericht.


Begonnen hat die Fischerei bei mir wie bei Vielen mit dem Zapfen, Wurm und Maden. Irgendwann kam das Grundfischen mit Sargblei und einer einfachen Teleskoprute hinzu. Wollte ich den Wurm wechseln, kamen beim Einholen der Montage regel­mäs­sig Bisse; der gezogene Wurm funktionierte also, und das oft besser als der liegengelassene. Um die feinen Bisse besser zu bemerken, machte ich dann die Montage leichter und verwendete statt einer Teleskop- eine Felchenrute. So ungefähr war mein Weg zum ersten aktiven Eglifischen, relativ lang also. Und das «Fühlern», also das langsame Ziehen des Wurms über den Grund, ist ein Klassiker, der immer noch Egli fängt.


Material

Zum Fühlern musste ich früher bei der 2,1 m langen zweckentfremdeten Felchenrute die Spitzen immer wieder wechseln, da deren Ringe nicht zum ständigen Auswerfen ausgelegt sind. Dazu eine 18er- bis 20er-monofile Hauptschnur auf einer relativ schweren 2000er-Rolle. Mittlerweile nehme ich auch hierfür eine hochwertige Spinnrute mit 2,2?m Länge bis 10 g Wurfgewicht, kombiniert mit einer leichten 2000er-Spinnrolle. Die Monofile habe ich mittlerweile durch eine 10er-Nanofil von Berkley ersetzt. So sind die Wurfweiten deutlich grösser. Die Spitze ist bei der modernen Spinnrute viel steifer, dadurch spüren die Egli schneller einen Widerstand. Wenn man nun aber schnell genug reagiert, was durch das bessere Feedback der leichten Spinnrute einfacher gelingt, kann man die Bisse damit gut verwerten.

 7 g-Laufbleie, vorgebundene 2er- bis 6er-Haken, Wirbel, und am wichtigsten, genügend Würmer.

7 g-Laufbleie, vorgebundene 2er- bis 6er-Haken, Wirbel, und am wichtigsten, genügend Würmer.


Montage

Ich fädelte früher einfach ein 7 g-Laufblei auf die Hauptschnur auf und knüpfte dann einen Wirbel ein, in den ich ein möglichst dünnes Vorfach einhängte. Dies hatte nebst dem geringeren Scheuch­effekt auch den Vorteil, dass bei einem Hänger das Blei meistens noch gerettet werden konnte. 

Das Vorfach ist auch heute noch dasselbe: ein 40 cm langes 16er mit einem passenden Wurmhaken. Das 7?g-Blei montiere ich aber auf einem 50 cm langen 23er-Fluorocarbon, welches abriebfester ist als Monofil. Mit 50?cm Länge verheddert sich der Wurm auch nicht mit dem Knotenlosverbinder, mit dem ich die Geflochtene und das Fluo verbinde.

Spezielle Wurmhaken mit Widerhaken auf dem Schenkel sind für diese Fischerei empfehlenswert. Auch geleimte Haken mit einem grossen Dorn oben halten den Wurm gut fest, kosten aber mehr. Lose Haken mit den zwei Widerhaken auf dem Schenkel sind günstiger, man muss sie aber selber anbinden. Das Wichtigste sind nun genügend Würmer, da man mit dieser Montage und vielen Bissen einiges an «Frischfleisch» verbraucht. 


Stellensuche

Den gefühlerten Wurm setze ich selten ein, um neue Stellen zu suchen. Optimal sind kleine Bereiche, wo man weiss, dass es regelmässig grössere Egli und nicht zu viel Kraut, Muscheln oder hängerträchtige Steine und Geäst hat. Ideal sind sandige oder schlammige Bereiche mit wenig Bewuchs. Auch recht kleine freie Flecken zwischen Krautfeldern können richtige Hotspots sein: Ein richtig präsentierter Wurm lockt die Egli aus dem Kraut. Das Wurmfühlern ist also eine ideale Methode, um vielversprechende Bereiche abzufischen. Wenn früher an einen Spot mit Kunstködern nichts mehr ging, wechselte ich auf den Wurm. So gab es oft noch einige Zusatz-Egli an dieser Stelle. Ich verwende diese Montage meistens in Wassertiefen von bis zu 6 m. Aber auch tiefere Stellen bei Kanten, die bekannterweise Egli beherbergen, funktionieren gut. Hier würde ich aber ein etwas schwereres Gewicht nehmen von 10 g oder mehr und eine entsprechend passende Spinnrute verwenden. Eine Felchenrute ist da in der Tiefe definitiv überlastet.


Führung

Auswerfen, kurz vor dem Auftreffen abbremsen, um Verwicklungen zu vermeiden, sinken lassen, Spannung aufnehmen. Ich führe den Wurm über die Kurbel und über die Rute. Eine Kurbelumdrehung, Pause machen, auf den Biss warten. Wenn man merkt, dass die Montage nicht ganz frei liegt, weiterziehen, damit der Wurm auch fangen kann. Aber auch mal nur mit der Rute den Wurm einige Zentimeter bewegen, nochmal etwas, kurze Pausen, aber auch mal 30 Sekunden oder auch noch länger. Lange Pausen sind für die grossen Egli oft sehr interessant, aber auch die kleinen kommen immer wieder. Wenn man an einem Spot fast nur kleine fängt, wechsle ich die Stelle, sonst verangelt man unnötig viele Egli und verbraucht dabei auch Unmengen an Würmern.


Vorteile …

Der Wurm am Grund fängt auch an überfischten Spots noch seine Egli. Auch mit verhältnisweise einfachem und günstigem Gerät kann man eine hohe Biss­frequenz erreichen. Man muss den Wurm nicht durchgehend animieren, denn er bringt auch beim längeren Liegenlassen noch seine Bisse. Man kann also auch sehr langsam fischen, um die grossen und sehr misstrauischen Egli doch noch zum Biss zu überzeugen. 40 cm+-Eglis auf den gefühlerten Wurm sind durchaus möglich, wenn es das Gewässer bieten kann. Man kann auch viele Fischarten als Beifang erbeuten. Ich hatte schon einige schöne Sandfelchen auf den Wurm. Sogar Seeforellen und einige Welse haben sich schon an den Haken verirrt. Das gibt dann richtig «Ramba-Zamba» an der leichten Spinn- oder gar Felchenrute!

 Feierabendegli vom Bielersee.

Feierabendegli vom Bielersee.


… und Nachteile

Nicht selten ist es mir aber auch passiert, dass ich mit dem gefühlerten Wurm alte und überaus schleimige Brachsmen am Haken hatte. Und natürlich halten die Würmer bei Weitem nicht so lange wie ein Gummiköder. Auch sind beim Wurmfischen Hände und Rute schnell mal dreckig. Man hat leider auch mehr Hänger wegen des ausstehenden Hakens als mit einem Offset­haken bei einem Creaturebait; man fängt auch öfter kleinere Eglis als mit Gummiködern. Und zuletzt werden Würmer auch tendenziell tief geschluckt. Ein Hakenlöser ist also bei der Wurmfischerei definitiv von Vorteil.


    Fortsetzung folgt ...

 

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