[Makrozoobenthos:]<br/>Alles, was kreucht und fleucht
03 | 06 | 2024 PraxisText & Fotos: Bastian Bodyl 1469
03 | 06 | 2024 Praxis
Text & Fotos: Bastian Bodyl 1 469

Makrozoobenthos:
Alles, was kreucht und fleucht

Unter dem Begriff Makrozoobenthos versteht man alle wirbellosen Wassertiere, welche am Gewässergrund leben und noch von blossem Auge erkennbar sind. Diese Tierchen sind ein Bioindikator, der zeigt, wie gut es einem Gewässer geht. Bastian Bodyl nimmt die für die Fischerei wichtigsten Vertreter genauer unter die Lupe.


Beim Fliegenfischen stellt sich immer zuerst die Frage, welche Fliege heute wohl fängt. Abgesehen davon, dass ich das genaue Muster für nicht so wesentlich halte wie andere Fliegenfischerkollegen, ist es dennoch interessant zu sehen, was alles im Wasser lebt. Am Gewässer angekommen drehe ich deshalb immer zuerst Steine um, um zu sehen, was sich darunter verbirgt. Denn die Insekten im Wasser bilden die Nahrung für Forellen und Co.


Ein wichtiger Bioindikator

Was an Insekten im Wasser anzutreffen ist, kann unter dem Begriff «Makrozoobenthos» zusammengefasst werden. Darunter versteht man alle wirbellosen Wassertiere, die am Gewässergrund leben und noch von Auge erkennbar sind. Der Makrozoobenthos ist ein Bioindikator. Man erkennt anhand dieser wirbellosen Wassertierchen, wie gut es dem Gewässer geht. Gibt es viele und auch verschiedene Kleinlebewesen, ist dies ein Indiz für einen ökologisch intakten See oder Bach.

 Fängige Fliegen- und Nymphenmuster  gibt es zuhauf. Und nicht immer sind die naturgetreuen Imitate am besten. So gehört auch Pink fix ins Repertoire vieler Fischer.

Fängige Fliegen- und Nymphenmuster gibt es zuhauf. Und nicht immer sind die naturgetreuen Imitate am besten. So gehört auch Pink fix ins Repertoire vieler Fischer.


Riesige Vielfalt

Der Makrozoobenthos ist vielfältig. Nicht nur die unter Fliegenfischern bestens bekannten Mai-, Köcher- und Eintagsfliegenlarven gehören dazu. Auch Libellen, Mücken, Krebstiere (vom Flusskrebs bis zum Bachflohkrebs), verschiedene Würmer, Egel, Muscheln oder Schnecken sind dem Begriff zuzuordnen. Und das Beste: All diese Tierchen kann man nachbinden und damit Fische fangen!

Am Wasser lassen sich die verschiedenen Insekten gut beobachten. Unter vielen Steinen sieht man unterschiedliche Insektenlarven. Ist es einigermassen warm, stehen auch die Chancen auf Maifliegen in der Luft gut. Steinfliegen und Köcherfliegen können häufig ebenso am Ufer eines Bachs entdeckt werden. Klopft man an die Büsche und Sträucher am Ufer, kann es gut sein, dass Insekten ins Wasser fallen. Die für die Fliegenfischerei spannendsten Vertreter stelle ich hier kurz vor:


Mücken (Nematocera)

 © stock.adobe.com

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Mücken (auf Englisch: Midges) sind praktisch in allen Gewässern vorhanden und bilden für Fische eine wichtige Nahrungsgrundlage. Sie oder besser gesagt die Larven sind praktisch zu allen Jahreszeiten aktiv, sowohl in Fliessgewässern als auch in Seen. Wer jetzt bei Mücken an die nervigen, stechenden Biester denkt, welche den Abend auf der Terrasse stören, liegt nur teilweise richtig: Nur ein kleiner Teil der Vertreter der Nematocera ist blutsaugend. Viele ernähren sich im erwachsenen Stadium von Nektar oder Honigtau. Neben kleinen, fast nicht sichtbaren Mücken gehören auch Schnaken zu den Mücken.

Als Fischer kennen wir Mücken vor allem als Köder auf einem mit wenig Bindegarn umwickelten Haken. Zum Fischen mit der Hegene oder als Bündner Mückensatz liefern gebundene Mücken auch auf Haken­grös­sen 22 oder kleiner zuverlässig Fische.


Köcherfliegen (Trichoptera)

Die Köcherfliege (auf Englisch: Caddisfly) oder im Wasser eher Köcherfliegenlarve, ist ein weiterer Vertreter des Makrozoobenthos und ein typischer Bachbewohner. In der Schweiz kennt man die Köcherfliegen auch als «Röhrlimaden» denn sie bauen zum Schutz die namensgebenden Wohnröhren oder auch Köcher. Wer einen Stein im Bach umdreht, findet die Larven oft in den aus kleinen Kieseln gebauten Behausungen. Es gibt aber auch Arten von Köcherfliegen, welche Köcher aus Holz bauen bzw. solche, die gar keine Köcher bauen (Stichwort Hydropsychidae). Manche Arten bauen auch Driftnetze zur Nahrungsbeschaffung. Es gibt zudem solche, bei denen die Larven gar nicht im Wasser leben. Soviel zur Vielfalt!

Vor allem bei Fliegenfischern erfreuen sich Imitationen von Köcher­fliegenlarven grosser Beliebtheit. Bei Bindern, welche auf realistische Muster setzen, sind Köcherfliegenlarven mit Köchern äusserst populär (Cased Caddis). Auch Muster wie Peeping Caddis (auf Deutsch: hervorschauende Köcherfliege) oder knallgrüne Hydropsyche-Muster werden gerne verwendet.

Falls Du Dich am Wasser mal gewundert hast, wieso eine Forelle lauter kleine Steinchen oder Ästchen im Magen hatte, dann ist die Lösung relativ einfach: Sie hatte eine ausgedehnte Mahlzeit an Köcherfliegenlarven.


Eintagsfliegen (Ephemeroptera)

Eintagsfliegen oder Maifliegen (auf Englisch: Mayfly), wie sie unter Fischern auch genannt werden, leben – wie es der Name schon vermuten lässt – nach dem Schlüpfen nur wenige Tage. Anders als Köcher- und Steinfliegen kriechen Maifliegenlarven zum Schlüpfen nicht an Land, sondern steigen zur Wasseroberfläche auf. Dort hängen sie für die letzte Häutung im Wasserfilm. Sind sie geschlüpft, lassen sie sich zum Trocknen der Flügel oft noch von der Strömung mittragen. Sie sehen dann aus wie kleine Segelboote. Das macht sie zum gefundenen Fressen für Fische, vor allem für Forellen.

Maifliegen sind meistens hell- oder dunkelbraun, manche sind aber auch etwas auffälliger gefärbt. Die meisten haben eine Körperlänge von 3 mm bis 38 mm. Die Schwänzchen (oder korrekterweise Hinterleibsfäden) können aber länger als der Körper sein. Die Larven werden in drei Kategorien unterteilt: Grabende, Schwimmende und Steinklammerer. Maifliegen sind ein wichtiger Teil des Makrozoobenthos, sie können bis zu 60 % der Arten im Bach ausmachen. Es gibt andererseits Arten, die in stehenden Gewässern leben. Bei Maifliegen kann es zu Massenschlüpfen kommen. Im Extremfall ist die Luft voll von Maifliegen, wie bei einem Schneesturm. In Mitteleuropa sind solche Massenschlüpfe aber selten geworden.


Steinfliegen (Plecoptera)

Viele denken beim Begriff Steinfliegen (auf Englisch: Stonefly) an eher grosse Insekten. Das ist teilweise richtig, denn es gibt tatsächlich sehr grosse Steinfliegen. Es gibt aber auch vergleichsweise kleine. In der Schweiz kommen 126 Arten vor. Die grössten werden fast 4 cm lang, während die kleinsten Arten auf nur knapp 4 mm kommen. Viele Steinfliegen sind schwarz oder dunkel, es kommen ebenfalls hellere und etwas farbigere Arten vor. Typisch für Steinfliegen sind die zwei Cerci (Schwänzchen), von dicken grossen bis hin zu schmalen kleinen (Needle Flies).

Steinfliegen leben (wie auch Köcherfliegen, Mücken und Maifliegen) den Grossteil ihres Lebens als Larven im Wasser. Sie kommen nur zur letzten Häutung, bei der zusätzlich die Flügel hervorkommen, aus dem Wasser. Die Larvenhaut findet man manchmal auf Steinen am Ufer. Als ausgewachsene Tiere leben sie nur noch wenige Tage oder Wochen und nutzen die verbleibende Zeit, um sich fortzupflanzen.


Krebstiere (Crustacea)

 © stock.adobe.com

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Krebstiere sind sehr vielfältig und bringen verschiedenste Arten hervor. Vom Bachflohkrebs bis zum Edelkrebs gehört alles zum Unterstamm der Krebstiere. Dazwischen finden sich daneben viele andere Arten wie zum Beispiel Crevetten, Wasserflöhe, Ruderfusskrebse, Hummer oder auch Asseln.

Für unsere heimische Fischerei sind nicht alle Arten relevant, in Seen sind aber gerade kleine Krebstiere ein durchaus wichtiger Anteil der Nahrung von Fischen. Kleinkrebse nehmen im Ökosystem zudem eine Schlüsselposition ein. Sie sind der Hauptumwandler von pflanzlichem in tierisches Protein und bilden direkt oder indirekt die Nahrungsgrundlage für Grossorganismen, also auch für Fische. Da sich Kleinkrebse des Weiteren von Schwebstoffen, Bakterien oder Einzellern ernähren, indem sie das Wasser filtrieren, sorgen sie ausserdem dafür, dass die Gewässer sauber sind.

 



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1 Kommentare


Stefan Moser

03 | 06 | 2024

Die Elchhaar-Caddis imitiert nicht eine Eintagsfliege sondern eine Köcherfliege ;-)


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