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| 17 | 08 | 2026 | Schweiz | |
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Der Sommer 2026 war für die Fischerei schlicht eine Katastrophe. Millionen Fische dürften gestorben sein, ganze Gewässer sind ausgetrocknet. «Petri-Heil» wirft einen Blick zurück und zeigt auch das Potenzial für Verbesserung und einen Neustart auf, das eine solche Katastrophe mit sich bringt.
Ein «perfekter Sturm» ist das Jahr 2026 für unsere Gewässer und ihre Bewohner geworden. Auf einen schneearmen Winter folgte ein trockener Frühling, welcher von einem nicht enden wollenden Sommer abgelöst wurde. Bereits im Juni war es in weiten Teilen der Schweiz dermassen heiss und trocken wie noch kaum je zuvor. Das hatte zur Folge, dass Abfischungen schon Anfang Juli im vollen Gang waren und uns Tag für Tag neue Nachrichten von austrocknenden Gewässern erreichten.
Und so ging es weiter. Wo nicht schon im Juni die Hitzerekorde fielen, war es spätestens Ende Juli soweit. Und beim Schreiben dieser Zeilen sieht es so aus, als ob man bis mindestens Mitte August oder noch länger nicht mit einer Entspannung der Situation rechnen kann.
Besonders verheerend ist die Situation im Mittelland. Reihenweise sind Gewässer ausgetrocknet, die wohl mindestens seit 1947 durchgehend Wasser geführt haben, oder sogar seit 1540, dem absoluten Ausnahmejahr des letzten Jahrtausends. Aus dem Kanton St. Gallen schreibt das Amt für Natur, Jagd und Fischerei: «Zahlreiche Bäche und einzelne längere Gewässerstrecken sind vollständig trockengefallen. Gleichzeitig wurden in vielen Fliess- und Stillgewässern extrem hohe Wassertemperaturen erreicht. In verschiedenen kleineren Bächen und Weihern kam es dadurch zu einem teilweisen oder sogar vollständigen Ausfall der aquatischen Lebensgemeinschaften. Betroffen sind neben Fischen auch Krebse, Muscheln, Insektenlarven und zahlreiche weitere Wasserorganismen. Eine belastbare Gesamtzahl der verendeten Fische können wir nicht nennen. Viele Verluste ereignen sich in kleinen oder schwer zugänglichen Gewässern und können nicht vollständig erfasst werden. Klar ist jedoch, dass lokal ganze Fischbestände gestorben sind.»
Aus dem Kanton Luzern tönt es ähnlich: «Der Fischereiverband Kanton Luzern ist in höchster Sorge: (…) Kritisch ist die Lage derzeit nicht nur in kleineren, sondern auch in verschiedenen mittelgrossen Fliessgewässern. Betroffen sind unter anderem die Wigger, die Wyna, der Aabach sowie zahlreiche weitere Bäche. Auch die Pegelstände grösserer Gewässer wie Reuss, Emme und Baldeggersee liegen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.»
Einmal mehr ist auch das Emmental schwer betroffen. Die Berner Emme fällt immer mal wieder trocken, doch diesmal mussten auf einer Länge von 96 Kilometern (!) rund 89'000 Fische umgesiedelt werden. Der Arbeitsaufwand beziffert sich auf über 2000 Stunden. Auch in Solothurn liefen die Rettungsaktionen fast Tag und Nacht, wie der Fischerverein Solothurn auf facebook schreibt: «Der lokale Fischereiverein und die Fischereiaufsicht sind seit Wochen im Dauereinsatz, um gefährdete Abschnitte abzufischen und auch um Krebse umzusiedeln. (…) Aufsicht und Vereine laufen seit Wochen am Limit – die Vereinsmitglieder wohlgemerkt in ihrer Freizeit.»
Die Pachtvereinigung Unteres Aaretal konnte ihre Fische in einer noch intakten, aber nicht mehr genutzten Aufzuchtanlage unterbringen: «Die heute geborgenen Fische werden vorübergehend in den Hälter- und Zuchtbecken des Fischereivereins Döttingen untergebracht. Aufgrund des neuen Besatzkonzepts des Kantons Aargau werden diese Anlagen heute kaum mehr benötigt. (…) Sobald sich der Guntenbach erholt hat und wieder genügend natürliche Nahrung vorhanden ist, sollen die Fische in ihr angestammtes Gewässer zurückkehren.»
Abfischen und Umsiedeln der verbliebenen Fische konnte nicht überall gleich gehandhabt werden. Vielerorts wurden die geeigneten Gewässer Tag für Tag weniger. Bereits im Juni schrieb etwa die Zürcher Fischereiverwaltung an die Pächter, dass Abfischungen nur in «absoluten Ausnahmefällen» durchgeführt würden und definierte gegenüber «Petri-Heil» diese Ausnahmefälle folgendermassen: «Ein Ausnahmefall kann vorliegen, wenn eine seltene, stark gefährdete, lokal isolierte oder genetisch besonders wertvolle Fisch- oder Krebspopulation unmittelbar bedroht ist. Das kann zum Beispiel ein Gewässer mit einer guten Naturverlaichung von Seeforellen sein. Oder ein wertvolles Steinkrebs-Gewässer. (…) Aktuell ist die Situation deutlich dramatischer als 2003, 2018 und 2022. Im Kanton Zürich gibt es kaum noch Gewässerabschnitte, die ausreichend Wasser führen und zusätzliche Fische aufnehmen können.»
So hatte man vielerorts einen verflixten Teufelskreis: Bewertet man die Abfischung und Umsiedlung als letztes Mittel, welches schlecht und zu spät angewendet sogar kontraproduktiv sein soll, so wartet man auch bis zum allerletzen Moment. Vielleicht kommt doch noch Regen, der die Situation entspannt. Hier wird mancher Fischer in diesem Sommer nicht nur mit dem Wetter selbst, sondern auch mit den Meteorologen gehadert haben. So war die Vorhersage auf meteo.ch etwa für das Gebiet Wädenswil immer und immer wieder auf dieselbe Art enttäuschend: Fast jede Woche war auf 6 Tage hinaus irgendwann Niederschlag angesagt. Einen Tag später halbierte sich die erwartete Menge. Dann nochmals, und dann nochmals. Und als besagter Tag da war, kam gar nichts. Dieses Muster wiederholte sich fast wöchentlich und gab immer wieder Hoffnung. Es war eine Hoffnung, die sich leider schlicht nicht erfüllte und dazu verführte, wohl manches Abfischen so lange aufzuschieben, bis es zu spät war. In den trockengefallenen Bächen übernahm daher immer öfter der Fischreiher das Aufräumen der letzten verbliebenen Forellen. David Bittner, Geschäftsführer des SFV übertrieb nicht, als er die Situation gegenüber «Blick» als «die grösste Katastrophe, die die Schweizer Fischwelt je gesehen hat» beschrieb.
Jede Katastrophe bringt auch das Potenzial für Verbesserung und einen Neustart mit sich. Hier ein paar Punkte, die etwas Anlass zur Hoffnung und zur Zuversicht geben:
Wasserknappheit und grosse Hitze können nicht mehr als ein meteorologisches Ausnahmeereignis eingeordnet werden. Entsprechend können auch Behörden und Entscheidungsträger die Verschärfung der Situation nicht mehr ignorieren. Der Ruf nach Rückhaltebecken, Ausgleichsflächen, Zisternen und ähnlichen Wasserspeichern wird lauter sein denn je.
Die Trockenheit und die Hitze dominierten den ganzen Sommer lang die Berichterstattung in den Medien. Dabei spielten die ausgetrockneten Bäche und die verendeten Fische und die damit verbundenen Rettungsaktionen die Hauptrolle. Und zahlreiche Verbandspräsidenten, Pächter und Fischer quer durch die Schweiz sind den Medien Red und Antwort gestanden. Fischer werden als Fischschützer mit einem sehr legitimen Anliegen wahrgenommen. Die Tage, in denen Fischer in der Öffentlichkeit schlicht als Nutzniesser der Ressource Fisch wahrgenommen wurden, sind definitiv vorbei.
Die Betretungs- und damit verbundenen Fischereiverbote für Fliessgewässer in einigen Kantonen, wie etwa St. Gallen, schmerzen uns Fischer kaum, da es unter solchen Umständen sowieso niemandem in den Sinn kommt, zu fischen. Was aber Badegäste und Hundebesitzer angeht, hat dieses Verbot einen sehr grossen Nutzen. Das Bewusstsein, dass Fliessgewässer verletzliche Lebensräume sind, ist grösser denn je. Dass damit auch eine räumliche Eindämmung der Jahr für Jahr grösser werdenden Gummibootkarawanen einhergeht, ist zu hoffen.
Seit mehr als 15 Jahren werden im Hinblick auf eine dereinstige Lachsrückkehr an verschiedenen Orten der Schweiz eifrig Lachseier gebrütet und besetzt. Da dieses Vorhaben kaum unter Kritik steht, dürfte auch bei der Forelle wieder mehr Bewirtschaftung zu erwarten sein. Zudem zeigt ein solcher Sommer, wie unverzichtbar Muttertierstämme in Aufzuchtanlagen sind, da der reine Fokus auf Naturverlaichung schlicht zu risikoreich ist, zumal das grossflächige Verschwinden der Forelle keine vertretbare Option ist.
Nach einem Waldbrand wird ein Wald wieder aufgeforstet. Die Aussage, dass man dies nicht mache, weil es ja jederzeit wieder zu einem Waldbrand kommen könne, hört man nicht. Evakuierungspläne und die Reaktivierung von Aufzuchtanlagen und Hälterungsbecken sind eine der einfacheren und wirkungsstärkeren Massnahmen, die den Verwaltungen zur Verfügung stehen.
Die verbleibenden Forellen- und Äschenbestände sind zwar zahlenmässig so klein wie noch kaum je zuvor, aber sie verfügen offenbar über eine Genetik, die besonders resistent ist gegen Hitze und Stress. Fische, die diesen Sommer in einem grösseren, über Monate viel zu warmem Gewässer überdauerten, werden es auch mit der nächsten Hitzewelle aufnehmen können: Sie kennen die Rückzugsorte und dürften über eine besonders grosse Temperaturtoleranz verfügen.
Die Seeforellen werden für die Wiederbesiedlung unserer Gewässer eine absolute Schlüsselrolle einnehmen. Und die Seeforellen haben mit der Tiefe unserer Seen glücklicherweise einen Lebensraum, der das Überleben noch sichert. Die Eier eines grossen Seeforellenweibchens sind wertvoller denn je.
Mit dem Totalausfall einiger Gewässer gibt es auch keine Konkurrenz mehr, keine angestammten Arten, die noch verdrängt werden, da sie bereits lokal ausgestorben sind. Damit ist ein zentrales Argument des «fundamentalistischen Fischerei-Biologismus» verschwunden. Je nach Beschaffenheit könnte die zuerst mal versuchsweise Besiedelung mit Forellenstämmen aus dem Süden Europas oder mit der anspruchsloseren Regenbogenforelle in Angriff genommen werden. Wenn neue Rinderrassen unsere Weiden bevölkern und neue Baumarten unsere Wälder grün halten, kann auch mal von Zeit zu Zeit eine neue Forellenart unsere Gewässer bereichern.
Soll man es mit Dante halten und alle Hoffnung fahren lassen, oder den Moment nutzen, um erst recht für die Fische und damit für die Fischerei zu kämpfen? Zahlreiche kleine Beispiele von Notbewässerungen, Umsiedlungen auf eigene Faust, das Anbringen von Plakaten und Infotafeln und die Information in den Medien zeigen, wie unverzichtbar die Fischer für das Fortbestehen der Forellen sind. Denn sich darauf verlassen, dass es die Ämter und Verwaltungen schon richten werden, kann man vielerorts aus guten Gründen nicht. Wenn Verwaltungen den Eindruck von vorauseilendem Fatalismus vermitteln, ist etwas definitiv nicht gut. Dass dies nämlich nur eine Option unter vielen ist, haben zahlreiche in den allgemeinen Medien bestens dokumentierte Einsätze zur Fischrettung gezeigt.
Auch wenn man darauf hinweist, dass es aus wildtierbiologischer Sicht vielleicht ja nichts bringt, die Fische umzusiedeln, so bringt es aus gesellschaftlicher bzw. psychologischer Sicht sehr wohl etwas. Es zeigt, dass einem die Forellen (und Äschen) nicht egal sind, dass sie einen Wert haben, der über ihr kulinarisches Potenzial und das Kampfverhalten an der Angel weit hinausgeht. Ja man findet immer wieder Anschauungsbeispiele, wo schlecht getimte Abfischungen (wie schlecht gemachter Besatz übrigens auch) nichts gebracht haben und es gab diesen Sommer genug Situationen, bei denen auch das beste Abfischungs-Management vergebens gewesen wäre. Doch verallgemeinern lässt sich nur eines wirklich: Fatalismus ist im Hinblick auf die kommenden Sommer keine Option.
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