Karpfen – Im Team zum Erfolg
12 | 04 | 2024 PraxisText & Fotos: Bernd Brink 0985
12 | 04 | 2024 Praxis
Text & Fotos: Bernd Brink 0 985

Karpfen – Im Team zum Erfolg

Mit den steigenden Gewässertemperaturen werden auch die Fried­fische wieder aktiver. Das Fischen zu zweit auf Karpfen hat viele Vorteile und ist ausserdem gesellig. Wie man im Team schneller zum Erfolg kommt und die Chancen gerecht verteilt, beschreibt Bernd Brink.


Es ist drei Uhr nachts. Ich werde durch das Klingeln meines Handys geweckt. Schlaftrunken greife ich es und lehne den Anruf ab. Das ist das Zeichen für meinen Angelpartner Peter, dass ich wach bin. Er sitzt 300 Meter entfernt am anderen Ende des Sees und ich weiss jetzt, dass er was gefangen hat und ich zum Fotografieren kommen soll. Zu allem Überfluss regnet es auch noch. Ich greife meine Jacke und laufe los. Schliesslich habe ich Peter diese Nacht schon zweimal zum Fotografieren herbestellt. Es ist das zweite Wochenende an «unserem» neuen See und es läuft gut!

Peter und ich haben viele Jahre zusammen gefischt. Aufgrund unterschiedlicher Angelinteressen und zeitlicher Möglichkeiten kam es die letzten Jahre immer häufiger vor, dass wir getrennte Wege gingen. Dabei haben wir beide gemerkt: Ohne Angelpartner ist es oft aufwendiger und langwieriger, zum Erfolg zu kommen. Denn das Fischen zu zweit hat entscheidende Vorteile.

 Bernd beim Ausloten. Eine gute Gewässerkenntnis ist von grosser Bedeutung für den Fangerfolg. Zu zweit geht die Gewässererkundung doppelt so schnell.

Bernd beim Ausloten. Eine gute Gewässerkenntnis ist von grosser Bedeutung für den Fangerfolg. Zu zweit geht die Gewässererkundung doppelt so schnell.


Gewässersuche

Das fängt bei der Gewässersuche an. Ich habe immer die englischen Karpfenangler beneidet, wenn ich in Büchern übers «Spotting», das Karpfenfinden, las. Anders als in den flachen und klaren englischen «Pools» kann man bei den meisten unserer Gewässer nicht darauf hoffen, die Karpfen in ihrem Element zu beobachten. Eine Ausnahme gibt es manchmal an heissen Sommertagen, wenn die Fische sich an der Oberfläche sonnen.

Da es in der Regel schwierig ist, an brauchbare und wahrheitsgemässe Informationen über neue Gewässer zu kommen, bleibt einem meist nichts anderes übrig, als sich selbst ein Bild vom Karpfenbestand zu machen. Oft sind wir dabei auf die Nase gefallen, weil die erhofften Grosskarpfen mal wieder Fischerlatein waren. Einen vernünftigen Einblick in den Bestand eines Gewässers erhält man zu zweit wesentlich schneller. Teamwork erspart bei der Gewässersuche eine Menge Zeit und am Ende so manche Enttäuschung.

Boote sind an vielen Gewässern unserer Region verboten. Das schliesst den Einsatz eines Echolots aus. Man ist auf die Lotrute angewiesen. Auch hier spart man sich im Team eine Menge Arbeit. Wir loten im Abstand von 15 Metern zueinander und rufen uns gegenseitig die Tiefe zu, wenn der Lotzapfen an der Oberfläche ist. Zwei Lotzapfen haben den zusätzlichen Vorteil, dass man Tiefenverläufe besser visualisiert. Das Loten ist in der Hälfte der Zeit geschehen. Eine enorme Erleichterung, denn wir legen viel Wert auf eine gute Gewässerkenntnis. Für einen strukturreichen acht Hektar grossen See habe ich alleine drei Samstage investiert – einen schmerzhaften «Lot-Ruten-Arm» inklusive.

 Bernd beim Vorfüttern: Beim nächsten Mal ist der Angelpartner dran. Im Team teilt man sich auch Arbeit und Kosten.

Bernd beim Vorfüttern: Beim nächsten Mal ist der Angelpartner dran. Im Team teilt man sich auch Arbeit und Kosten.


Getrennte Plätze für einen grösseren Fangerfolg

Nebeneinander zu sitzen ist natürlich gesellig. Auch das machen wir beim Karpfenfischen gelegentlich, dann geht es aber in erster Linie um den sozialen Aspekt; der Fangerfolg ist zweitrangig. Wenn wir im Team erfolgreich sein wollen, sitzen wir nur selten zusammen. Es ist allerdings nicht so, dass wir die ganze Zeit nichts vom anderen hören oder sehen. Wenn wir nah genug beieinandersitzen und man die Plätze einsehen kann, holen wir uns auch mal einen Kaffee beim Teampartner ab. Selbstverständlich werden dann die Ruten aus dem Wasser geholt.

Sitzt man nebeneinander, verbaut man sich gegenseitig die Chance auf einen Fisch. Besonders an stark befischten Gewässern ist es alles andere als produktiv, das Wasser mit sechs oder gar acht Schnüren zu «vernetzen». Das Bombardement von einschlagenden Montagen bringt viel Unruhe. Einfach gesagt: Zwei Angler haben die doppelte Scheuchwirkung. Die Gefahr, dass ein Fisch im Drill in eine andere Schnur schwimmt, ist auch doppelt so gross.

An neuen, grossen Gewässern bekommt man beim Befischen verschiedener Stellen schneller einen Überblick über die produktiven Bereiche. Auch wird der Gesamterfolg meist höher liegen, da sich zu zweit mehr Möglichkeiten bieten. Zum Beispiel kann man mehrere Schwärme befischen, statt die Fische eines Schwarms zu teilen. Wird ein Karpfen gehakt, flüchten oft die anderen Schwarmfische. Sitzt man zusammen, sind dann beide Angler ohne Fisch am Platz.

 Nebeneinander zu sitzen ist gesellig. Für Bernd steht dann der soziale Aspekt im Vordergrund. Um erfolgreich zu angeln, ist es allerdings besser, getrennte Plätze zu befischen.

Nebeneinander zu sitzen ist gesellig. Für Bernd steht dann der soziale Aspekt im Vordergrund. Um erfolgreich zu angeln, ist es allerdings besser, getrennte Plätze zu befischen.


Kein Fischneid

Als Team teilt man sich zwangsläufig die Fische eines Gewässers. Auch wenn man nicht Seite an Seite sitzt, werden die Karpfen, die der Partner heute Nacht gefangen hat, wahrscheinlich nicht mehr in der gleichen Session bei mir beissen. Aber da zeigt sich der Teamgeist, den eine erfolgreiche Gemeinschaft braucht. Dinge wie Fischneid und Missgunst sind in einem Team absolut fehl am Platz. Zwar haben Peter und ich immer unseren kleinen Wettkampf nach dem Motto «Du hast zwar den Grössten, dafür habe ich mehr gefangen». Aber das ist, glaube ich, ganz normal und wir sehen den Angelpartner nicht als Konkurrenten. Im Vordergrund steht immer das Gesamtergebnis.

Zwar ärgere ich mich, wenn ich einen Schneidertag habe und Peter in der Nacht vier Karpfen fängt. Ich ärgere mich aber nicht darüber, dass Peter Erfolg hatte, sondern dass ich so schlecht geangelt habe. Denn gefressen haben die Fische ja offensichtlich. Hier liegt ein weiterer Vorteil des Fischens zu zweit: Man kann durch den Erfolg oder Misserfolg des Partners viel lernen und erhält obendrauf durch den Fang des Teamkollegen wieder neue Motivation. Sitzt man allein am Wasser und fängt nichts, wird der ausbleibende Erfolg schnell auf schlechte Wetterverhältnisse oder ähnliches geschoben. Fängt aber der Angelpartner gut und man schaut, was er anders gemacht hat, kann man daraus Rückschlüsse ziehen. Zu zweit lassen sich Köder, Montagen und Taktiken wesentlich besser testen. Im Alleingang ist das deutlich schwerer und langwieriger.

 Angelpartner Peter mit schönem Schuppenkarpfen. Bernd ist zum Fotografen degradiert, freut sich aber mit seinem Angelpartner; Fischneid darf es in einem erfolgreichen Team nicht geben.

Angelpartner Peter mit schönem Schuppenkarpfen. Bernd ist zum Fotografen degradiert, freut sich aber mit seinem Angelpartner; Fischneid darf es in einem erfolgreichen Team nicht geben.


Ungeschriebene Gesetze

Obwohl für uns der Teamerfolg das Wichtigste ist, ist es doch auch von grosser Bedeutung, dass beide erfolgreich sind. Du kennst das sicher: Man fischt zu zweit und landet einen Fisch nach dem anderen und der Kollege ist zum Fotografen degradiert und schaut fangtechnisch in die Röhre. Ich kann den Erfolg nicht richtig geniessen, wenn der Kollege kurz davor ist, sich vor Frust aus dem Staub zu machen. Fangen wir beide gut, ist die Freude umso grösser. Damit wir das erreichen, haben wir in unserem Team ein paar ungeschriebene Gesetze und Regeln: An vielen Gewässern gibt es nur wenige Hotspots. Oft kommt es vor, dass es nur einen wirklich herausragenden Platz gibt. Typische Beispiele für solche Topstellen sind: Eine einzelne, kleine flache Bucht in einem tiefen See oder wenn es nur ein einziges Gebiet mit Wasserpflanzen gibt. Auch ein kurzer Uferstreifen mit überhängenden Büschen, die den Fischen Schutz bieten, kann um Längen besser sein als alle anderen Stellen eines Gewässers. Solche Plätze befischen wir dann im Wechsel. Wer anfangen darf, entscheidet das Los. Viele Fischer würden diese markanten Plätze gemeinsam befischen. Aber die Nachteile habe ich ja bereits oben erläutert.

Auch versteht es sich für uns von selbst, dass wir, wenn wir ein Gewässer gemeinsam ausgelotet haben, gleich eine Woche Ferien nehmen und von der guten Anfangsphase und der Vorbereitung profitieren. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass gerade die ersten Wochen an einem neuen Gewässer die erfolgreichsten sind. Wir nehmen entweder zusammen frei oder verzichten darauf.

 Mit dem Selbstauslöser gibt es viele «Schnappschüsse».

Mit dem Selbstauslöser gibt es viele «Schnappschüsse».

 Mit dem Selbstauslöser gibt es viele «Schnappschüsse».

Mit dem Selbstauslöser gibt es viele «Schnappschüsse».

 Mit dem Selbstauslöser gibt es viele «Schnappschüsse».

Mit dem Selbstauslöser gibt es viele «Schnappschüsse».


Schnappschuss zum Schluss

Ein letzter Vorteil, wenn man zu zweit am Wasser ist, besteht darin, dass man einen «Fotografen» dabeihat. Mit ein paar Fotos von der Natur, einem Drill und hoffentlich auch einem schönen Fang bleibt einem der Ausflug noch lange Zeit in Erinnerung!

 

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