Gen Z – Fischen vom Teenager erklärt
18 | 09 | 2026 DiversesText & Fotos: Célestin Martin-Bellani 081
18 | 09 | 2026 Diverses
Text & Fotos: Célestin Martin-Bellani 0 81

Gen Z – Fischen vom Teenager erklärt

Immer mehr Teenager fischen. Jungfischer Célestin Martin-Bellani erzählt, was er und seine Altersgenossen über das Fischen denken, welchen Einfluss Social Media auf die Fischerei hat und welche Gedanken sich Jugendliche über die Zukunft am Wasser machen.


Social Media ist längst übersät mit Fischen, sei es auf YouTube, Instagram oder TikTok. Immer mehr Fischer produzieren ihren eigenen Kanal und teilen, was sie am Wasser erleben. Viele Jugendliche fühlen sich dadurch vom Fischen angezogen und möchten die Fischerei selbst erleben. Doch oft ist die Realität dann eine andere als in den coolen Videos auf TikTok und Co. zu sehen ist. In den Sozialen Medien sieht man häufig Fang um Fang. Schneider-Tage, Fehlversuche und lange Stunden ohne Biss werden dagegen kaum gezeigt. Doch genau das gehört auch zur Realität des Angelns. Viele Anfänger sind dadurch schnell enttäuscht und verlieren aus Frust ihre Motivation.

 Célestin postet seine Fänge auf Instagram, verbirgt sich jedoch gerne hinter dem Fisch ...

Célestin postet seine Fänge auf Instagram, verbirgt sich jedoch gerne hinter dem Fisch ...

Die Kommunikation auf Social Media schafft auch noch andere Probleme: Das Teilen von Videos im Internet kann viele Fischer an einen Ort locken und so Spots verderben. Deshalb sollten sowohl Influencer als auch Fischer aufpassen, was sie veröffentlichen. Für viele Influencer ist im Hintergrund vor allem die Werbung wichtig, ohne dass man es so richtig merkt. Wie beim bekannten Brosef-YouTuber mit über 340?000 Abonnenten, der seine eigene Marke Banks veröffentlicht hat und jetzt auf seinen YouTube-Videos oft Werbung dafür macht. Anfänger fallen auf diese Social-Media-Tricks herein und kaufen dann Köder, die gar nicht unbedingt gut sind. Wir Jungen sind hier in einem Dilemma: Auch ich poste auf Instagram meine Fischererfolge. Ich gebe mir aber Mühe, authentisch zu sein. Ich mache nur Werbung für Produkte, die ich wirklich empfehlen kann. Wo ich genau fische, muss nicht die ganze Welt wissen.

 … wie es sich auch bei diesem Hechtfang zeigt.

… wie es sich auch bei diesem Hechtfang zeigt.


Bait-Cast-Fischen: ein (Status)Symbol für die Jugend

Das Bait-Cast-Fischen hat in Europa seit den 2010er-Jahren einen starken Aufschwung erlebt. Heute sieht man Bait-Cast-Ruten an vielen Gewässern deutlich öfters als noch vor einigen Jahren. Das Rollensystem ermöglicht eine hohe Wurfkontrolle, präzise Würfe und eine direkte Köderführung. Das Bait-Cast-Fischen wurde zu einem Vibe der Jugend. Dabei geht es nicht nur um die Angeltechnik: Bait-Cast-Fischen ist für viele junge Fischer zu einem Teil einer modernen Angelkultur geworden. Das Fischen mit teurem Tackle hat sich ausgedehnt. Die neue Generation ist bereit, Hunderte von Franken für Rollen, Ruten und Köder auszugeben. Es scheint geradezu ein Statussymbol zu werden: Jeder will eine teurere – und bessere – Combo als sein Fischer-Kollege haben. Mit dem teuersten Köder zu fischen ist cool, der Fisch selbst wird letztendlich zur Nebensache. 

 Nix da mit Fischergilet und Gummistiefel: Jugendliche Fischerausrüstung im Jahr 2026.

Nix da mit Fischergilet und Gummistiefel: Jugendliche Fischerausrüstung im Jahr 2026.


Mit Style statt Fischerweste ans Wasser

Wenn man ans Fischen denkt, haben Jugendliche oft dieses typische Bild vor Augen: einen alten Opa mit Fischerweste, einem Bier in der Hand und ausgeleierten Gummistiefeln, der gemütlich an einem Karpfenteich seinen Wurm präsentiert. Wir Junge möchten etwas an diesem verstaubten Bild ändern. Fischerweste war gestern, die Jugend will gut angezogen ans Wasser gehen, um anderen zu zeigen: Fischen ist ein cooles Hobby! Die Kleidung sollte daher nicht nur gegen die Kälte und den Regen schützen. Sie sollte auch zeigen, dass Fischen zu einem modernen Lifestyle gehören kann. Die Angelmarken haben dies erkannt. Sie verkaufen heute auch Pullover, Jacken und andere Lifestyle-Gadgets. Und wir Junge geben dafür unser Geld aus. Marken, coole Angelgeräte, Accessoires und Zubehör verführen uns. Vermutlich ginge es auch mit weniger.

 Baitcaster-Kombo und Swimbait stehen bei den Jungen hoch im Kurs.

Baitcaster-Kombo und Swimbait stehen bei den Jungen hoch im Kurs.


Fischen mit Kunstködern liegt im Trend

Köder wie Swimbaits, Crankbaits oder Stickbaits haben die Fischerei ebenfalls verändert. Während klassische Naturköder wie Wurm und Made weiterhin gebraucht werden, greifen wir Jugendlichen zunehmend zu modernen Kunstködern. Die Jungen fischen lieber mit neuen Kunstködern, auch wenn diese manchmal weniger fängig sind als Naturköder. Fischen auf Sicht mit schöner Köderführung ist uns lieber als mit Made am Grund zu hängen. Künstliche Köder verändern den Markt. Die Marken streiten sich und versuchen, immer bessere Köder zu produzieren. Kommunikation und Werbung werden immer wichtiger. Jeder Fischer möchte den besten Köder. Fängt man damit automatisch mehr Fische? Nein. Auch der teuerste Köder ersetzt kein Fachwissen. Wer mehr fangen möchte, sollte seine Technik verbessern, die Gewässer lesen lernen und sich fragen, was er ändern könnte, um besser zum Fisch zu kommen.

 Der Egli ist eine geschätzte Trophäe und gibt – richtig präsentiert – auch ein gutes Fangbild ab.

Der Egli ist eine geschätzte Trophäe und gibt – richtig präsentiert – auch ein gutes Fangbild ab.

 Hauptsache es beisst auf Kunstköder: Der Autor zeigt Barbe und Alet, die seinem Spinnköder nicht widerstehen konnten.

Hauptsache es beisst auf Kunstköder: Der Autor zeigt Barbe und Alet, die seinem Spinnköder nicht widerstehen konnten.

 Hauptsache es beisst auf Kunstköder: Der Autor zeigt Barbe und Alet, die seinem Spinnköder nicht widerstehen konnten.

Hauptsache es beisst auf Kunstköder: Der Autor zeigt Barbe und Alet, die seinem Spinnköder nicht widerstehen konnten.


«Catch & Release» ist der Jugend besonders wichtig

Für viele junge Fischer stellt sich nicht nur die Frage, wie viele Fische sie fangen, sondern auch:  Wie können wir unsere Gewässer in der Zukunft erhalten? Den Salmoniden geht es in der Schweiz schlecht. Der Klimawandel und die hohen Temperaturen sowie die Verschmutzung der Gewässer töten die Fische. Diesen Sommer haben wir Abertausende Salmoniden verloren. Die Forellen werden durch die hohen Wassertemperaturen auch schneller krank. Wir Jugendliche möchten auch in zwanzig Jahren noch Salmoniden in unseren Bächen befischen können. Wir möchten nicht eine zusätzliche Last für die Fischbestände sein. Deshalb lassen viele von uns die Fische nach dem Fang frei – oder verzichten in der Hitze ganz aufs Fischen. 

 Fischen ist seit jeher eine Leidenschaft. Das ist auch bei den jugendlichen «Lifestyle»-Fischern nicht anders.

Fischen ist seit jeher eine Leidenschaft. Das ist auch bei den jugendlichen «Lifestyle»-Fischern nicht anders.

0 Kommentare


Keine Kommentare (Kommentare erscheinen erst nach unserer Freigabe)


Schreibe einen Kommentar:

Zurück zur Übersicht

Das könnte Dich auch interessieren: