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Fischereiliche Perle bei Roermond

| 12 | 05 | 2026 | Praxis | |
| 12 | 05 | 2026 | Praxis |
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Durch starke Regenfälle und Schneeschmelze im Frühling spielen der Wasserpegel und die Strömung immer wieder verrückt. Dein Hausgewässer ist kaum wieder zu erkennen und bewährte Spots sind nicht mehr befischbar, vor allem wenn es ein Fliessgewässer ist. Was nun?
Ich bin nicht unglücklich, wenn mein Gewässer Hochwasser führt. Im Gegenteil: Ich nutze diese Phasen gerne für kurze Sessions, oft am Abend. Die Rückmeldungen sind regelmässig überraschend gut – besonders von grossen Fischen. Meiner Meinung nach gilt dabei die Regel: Je wärmer das Wasser, desto besser sind die Chancen bei Hochwasser.
Gerade in Ausnahmesituationen wie einem Hochwasser lohnt es sich, neue Plätze auszuprobieren. Lass Deine gewohnten Stellen links liegen und wage Dich an neue Spots. Der grosse Vorteil bei viel Wasser ist, dass sich die Fische oft in den verbliebenen ruhigeren Bereichen sammeln und dort gebündelter stehen als sonst. Rückströmungen, Seitenarme und Abzweigungen sind jetzt Hotspots.
Nicht zu unterschätzen sind auch die Uferpartien, die nun gerne einmal geflutet sind. Alles, was auch nur ansatzweise Schutz vor der starken Strömung bietet, ist ein Mehrwert – für den Fisch wie auch für Dich als Fischer. Halte Dich gezielt an solche markanten Stellen, gerade weil Dein Lieblings-Angelplatz im Hauptstrom aktuell schwer zu erreichen ist oder schlicht keine Räuber beherbergt.
Wenn Du ein Gewässer bereits gut kennst, kannst Du nun davon profitieren. Erinnerst Du Dich an einen grossen Stein oder ein unterspültes Ufer? Genau solche Strukturen können sich jetzt besonders lohnen. Jeder Unterschlupf, der Schutz vor dem Hochwasser bietet, kann in solchen Situationen interessante Fische beherbergen. Ich persönlich bin eher ein «Orientierungs-Legastheniker» und kann mir solche Stellen nur schlecht merken. Wenn Du mit dieser Fähigkeit gesegnet bist, hast Du jetzt einen klaren Vorteil.
Durch die erhöhte Wassermenge entsteht automatisch eine stärkere Strömung, die viel Dreck und Sediment mitführt. Als Faustregel gilt: Solange das Wasser steigt, wird es nicht klarer. Sobald sich die Pegel stabilisieren und sich die Sicht leicht verbessert, beginnt oft die heisseste Phase für die Raubfische. Das noch leicht angetrübte Wasser erschwert die Wahrnehmung, aber wenn der Köder in Reichweite kommt, ist das Beissverhalten häufig deutlich hemmungsloser als bei klarem Wasser.
Wichtig ist eine Köderwahl mit gut kontrollierbarem Laufverhalten. Eine langsame und gleichmässige Führung wird oft belohnt. Fische die Hot-Zone möglichst lange aus und gib dem Räuber etwas mehr Zeit als gewohnt. Alles, was Druck erzeugt – etwa Chatterbaits, Jigspinner oder Crankbaits – funktioniert jetzt besonders gut. Beim Fischen mit Gummifischen (eher im ruhigeren Wasser) setze ich gerne auf voluminöse, flankende Modelle mit grossem Tellerschwanz. Ein kleiner Geheimtipp sind «Pulse-Tails», da sie eine etwas härtere und andere Aktion erzeugen als klassische Gummifische. Im Hauptstrom hingegen sind schlankere, hochfrequente Gummis oft besser geeignet, da sie die Strömung sauberer schneiden als hochrückige und stark flankende Gummis.
Bei starker Trübung greife ich bevorzugt zu dunklen Kontrastfarben wie Braun oder Schwarz. Schockfarben haben ebenfalls ihre Berechtigung, stehen für mich aber eher an zweiter Stelle. Beutefische werden schliesslich auch nicht plötzlich neonfarben. Trotzdem gilt: Alles ist situativ – entscheidend ist, was funktioniert.
Auch die Hauptnahrung im Gewässer spielt eine Rolle. Gibt es viele Weissfische, ist eine ruhige, lineare Präsentation oft von Vorteil. Bei gutem Egli-Bestand darf es gerne etwas aggressiver und strukturbezogener sein. Anpassungsfähigkeit ist das A und O. Gerade bei Hochwasser halten sich oft mehrere Fische an ein und derselben strömungsberuhigten Stelle auf. Eine Rückmeldung auf einen passenden Köder erhält man dann zügig. Bleibt sie aus, heisst es: weitersuchen, bis man sie gefunden hat. Und wenn es passt, kann es plötzlich Schlag auf Schlag gehen.
Viele Gewässer werden über Schleusen reguliert. Das bedeutet, dass Pegelschwankungen sehr rasch auftreten können. Der Wasserstand kann innerhalb kurzer Zeit steigen und die Strömung massiv zunehmen. Wähle Deine Stelle deshalb immer so, dass Du sie jederzeit sicher verlassen kannst.
Ich erinnere mich an eine Situation im Sarganserland: Plötzlich schossen enorme Wassermengen durch eine Schlucht, die wir gerade befischten. Innerhalb kürzester Zeit mussten wir eine steile Böschung hochflüchten. Als ich mich umdrehte und in die Richtung blickte, in der vor wenigen Sekunden noch das Bächlein floss, traf mich fast der Schlag. Eine grau-braune Brühe, durchsetzt mit Holzstämmen und Ästen, schoss ungebremst das Bachbett hinunter und riss alles mit, was nicht fest verankert war.
Eingefahren ist mir auch ein Erlebnis in Holland. Ich fischte mit den Wathosen vor einer grösseren Staustufe, die gelegentlich für den Schiffsverkehr geöffnet wurde. Mein Tackle hatte ich am Wasser abgelegt, um möglichst frei mit der Zanderrute und dem Feumer zu waten. Wenn eine Schleuse geöffnet oder geschlossen wird, nimmt die Strömung unter Wasser bereits zu, während an der Oberfläche noch nichts davon zu sehen ist. Als ich schliesslich bemerkte, wie der Pegel rasant anstieg und die Strömung kräftig anzog, konnte ich mich nur noch mit Mühe ans Ufer retten und musste mich von meinem Tackle verabschieden. Diese Situation führte mir eindrücklich vor Augen, warum das Fischen direkt vor Schleusen, Staustufen oder Wehren häufig verboten ist.
Beim Waten im Fluss ist besondere Vorsicht bei Schwemmholz geboten. Gerade bei Gewittern können ganze Baumstämme flussabwärts treiben. In der Wathose und fokussiert auf die Fischerei übersieht man solche Gefahren schnell. Und nicht zuletzt ist ein aufziehendes Gewitter am Wasser alles andere als harmlos. Ich musste schon mehr als einmal mit dem Boot anlegen und die Session abbrechen, weil es blitzte und die Ruten zu knistern begannen.
Bei Hochwasser passe ich mein Setup leicht an. Die Rute darf etwas länger und straffer sein, um einen steileren Schnurwinkel zwischen Oberfläche und Köder zu erreichen. So reduziert sich der Wasserdruck auf die Schnur und der Grundkontakt verbessert sich deutlich. Bei der Rolle bleibe ich in der Regel beim gewohnten Setup und verzichte bewusst auf eine dickere Schnur. Im Gegenteil: Grössere Durchmesser erhöhen den Widerstand in der Strömung und verlängern die Absinkphase, was die Köderkontrolle erschwert.
Ich bevorzuge bei meinen Jigs Köpfe aus Tungsten. Durch das härtere Material im Vergleich zu Blei ist die Rückmeldung besser, was hilft, den Untergrund zu fühlen und Hänger zu vermeiden. Natürlich kann man auch mit normalem Gerät erfolgreich sein. Aber je besser das Setup auf die Bedingungen abgestimmt ist, desto grösser sind die Erfolgschancen. Und seien wir ehrlich – ein bisschen Perfektionismus gehört beim Fischen einfach dazu.
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