![Fischerei Wallis[ | Die Neuerungen 2019 - 2023]](/assets/cache/500/330/media/Artikel-Bilder/IMG_6476.jpg)
Das könnte Dich auch interessieren:
![Fischerei Wallis[ | Die Neuerungen 2019 - 2023]](/assets/cache/500/330/media/Artikel-Bilder/IMG_6476.jpg)
![[Bergsee:] <br/>«Drive through»-Fischen](/assets/cache/600/600/media/Artikel/2025/07/drive-bergsee/Julierpassstrasse-highlight.jpg)
«Drive through»-Fischen


| 03 | 11 | 2026 | Reisen | Text: Daniela & Mauro Misteli | |
| 03 | 11 | 2026 | Reisen |
| Text: Daniela & Mauro Misteli | |
Browntroutland Finnland! Das weckt hohe Erwartungen. Dazu kommen die vielen Geschichten von spektakulären Attacken grosser Bachforellen auf Topwater Streamer. Im August reisten Daniela und Mauro Misteli nach Mittelfinnland und waren gespannt darauf, ob sie wirklich eine der besten Bachforellenfischereien Europas antreffen würden.
Die Landschaft in Mittelfinnland besteht aus gefühlt unendlichen Wäldern und Seen. Viele dieser Seen sind durch Verbindungsflüsse miteinander verbunden. Wie in jedem Fliessgewässer entstehen durch ein plötzliches Gefälle, eine Verengung oder grössere Hindernisse im Flussbett, die das Wasser stark beschleunigen und zusammendrängen, eine Stromschnelle. In den zentralfinnischen Gewässersystemen halten sich an exakt diesen Stellen die Bachforellen auf. Koski bedeutet Stromschnelle auf Finnisch. Die Fischerei an den Koskis hat seit jeher einen weit über die Grenzen hinaus bekannten Ruf. Jede Stromschnelle hat einen eigenen Namen und man kann nicht einfach ein Patent im Internet oder am Tankstellenshop kaufen, wie man sich das von anderen Orten in Skandinavien gewohnt ist. Die Fischereirechte sind in der Regel in privaten Händen. Bei Jani und Titta Himanko, den Besitzern der Kellankoski Lodge, kommt man in den Genuss, rund 10 Kilometer private Forellengewässer zu befischen. Mehrere Stromschnellen liegen in unmittelbarer Nähe zur Lodge und sind in rund 5 bis 30 Autominuten zu erreichen. Dazu zählen etwa Kapeenkoski, Keskisenkoski, Hannulankoski, Siikakoski, an denen sogar US-Präsident Jimmy Carter schon einmal fischte, und natürlich die namensgebende Kellankoski.
Im August gewinnt die Trockenfliege zunehmend an Bedeutung, so starten wir unsere Fischerei auf diese Art und fangen ziemlich rasch die ersten Fische – mitten in einem riesigen Köcherfliegen-Schlupf. Trotzdem wollen wir unbedingt das viel gehörte Fischen mit den Topwater-Streamern ausprobieren, auf finnisch Surffilauta, was so viel wie Surfbrett heisst. Die Fliege wird mit viel Glitzer und einem grossen Rücken aus Schaumstoff gebunden und imitiert einen kleinen Weissfisch.
Viele verschiedene Fischarten müssen auf ihren Wanderungen im Gewässersystem zwangsweise die Stromschnellen passieren. Offensichtlich haben sich die Forellen ab einer gewissen Grösse darauf spezialisiert, gezielt Jagd nach Kleinfischen zu machen, welche durch das schnelle Wasser ziehen. Es braucht etwas Übung, den Streamer in den typischen «Surf» zu bringen und es fühlt sich ein bisschen an wie in einer Waschmaschine zu fischen. Das Tempo der Fischerei im tosend lauten, weissen Wasser ist eine ganz neue Erfahrung für uns. Wir sind uns eher gewohnt in strömungsberuhigten Bereichen hinter Steinen, an Strömungskanten usw. unsere Fliegen zu präsentieren und nicht in reissendem Wasser. Am ersten Abend traut man der Sache noch nicht ganz, wenn der Guide auf die Mitte der Koski zeigt und sagt: «Cast there», also wirf dort hin. Aber es funktioniert, wir erlebten mehrere dieser spektakulären Attacken, bei denen die Forellen komplett aus dem Wasser schiessen, wenn sie auf das Surfbrett donnern.
Bei jedem Biss bleibt das Herz kurz stehen. Leider verfehlen die Forellen öfters mal oder bleiben nicht richtig hängen, so können wir bei weitem nicht jeden Biss verwerten. Jani nennt das «Part of the game», also Teil des Spiels und grinst dabei. Einmal lässt eine Forelle den Köder etwa zwei Meter durch die Luft fliegen, weil sie mit so viel Kraft dagegen stösst. Mit der neu erlernten Technik können wir dann doch die eine oder andere stattliche Forelle überlisten, die Durchschnittsgrösse liegt bei etwa 50 cm. Auch Fische um 60?cm können gefangen werden, ganz selten und mit viel Glück ist sogar eine 70er-Forelle möglich. Die Fischerei mit den Surffilautas ist eine der intensivsten Erfahrungen bezüglich Forellen, die wir je erlebt haben. An den langsameren Abschnitten sind auch schöne Äschen in den Gewässern vertreten, die mit der Trockenfliege gefangen werden können.
Das Waten ist etwas herausfordernd, zwischen vielen grossen und kleinen Steinen im schnellen Wasser geht der Halt schnell verloren, ein Watstock kann dabei eine grosse Hilfe sein. Um den Zugang zur Fischerei zu vereinfachen, haben Jani und sein Team mehrere Holzstege gebaut, von wo aus sehr angenehm gefischt werden kann. Da wir im August zu Besuch sind, ist der Wasserstand recht tief und somit haben wir es leichter, an gute Stellen zu kommen. Nur Daniela geht einmal kurz baden während unserer Woche, dank dem warmen Wetter aber keine grosse Sache.
Aufgrund der Grösse der Fische und der sehr starken Strömung sind dünne Vorfachspitzen fehl am Platz. Beim Streamerfischen benutzten wir mindestens ein 0,30 mm Vorfach, mit der Trockenfliege 0,22 mm oder gerne auch noch dicker, wenn es noch durch das Hakenöhr passte. Die wilden Forellen sind alles andere als vorfachscheu! Schnüre unter 0,20 mm sind an diesen Gewässern sogar verboten. Die Mini-Fliegen kann man also zu Hause lassen.
Die Saison in Kellankoski ist relativ kurz; gefischt wird von Mai bis September. Je nach Jahreszeit verändern sich die Bedingungen natürlich laufend. Im Mai, so erzählt man uns, werden sogar Streamer von 15 bis 20 cm gefischt, da die kleinen Beutefische noch fehlen. Im August dürfen sie dann deutlich kleiner sein, wir haben mit Mustern zwischen 5 bis 10 cm unsere Erfolge, sowie auf Trockenfliegen in Grössen 10 bis 14. Die Guides kennen das Gewässer wie ihre Westentasche und wissen genau, was es braucht; sie zeigen uns Tipps, Tricks und führen uns mit grosser Erfahrung durch unsere Fischerausflüge.
Die Lodge ist ein altes umgebautes Schulhaus aus dem Jahr 1923, welches mit einigen einfachen Gästezimmern, Toiletten, Duschen und einem grossen gemütlichen Aufenthaltsraum direkt am Ufer des Liesvesi-Sees liegt. Zudem gibt es noch weitere Gästezimmer in Hütten direkt nebenan, ein separates Saunahaus gehört in Finnland natürlich auch dazu. Alles ist gut organisiert und kulinarisch werden wir wunderbar umsorgt, die Gerichte sind aus regionalen und saisonalen Produkten zusammengestellt. Der hauseigene Koch kreiert täglich neue Menüs mit verschiedenen Gängen. Dank der Gewässervielfalt und der Rotation an den Stromschnellen hält sich der Befischungsdruck in Grenzen, was eine gute Fischerei ermöglicht. Einzig die Uhren in Kellankosi laufen etwas anders.
Nach dem Sonnenuntergang kommt die Zeit, in der mit Abstand die meiste Aktivität unter und über Wasser zu verzeichnen ist. Dann ist man natürlich am Wasser, was für uns im August bedeutet, dass wir schon um etwa 17 Uhr unser Abendessen geniessen, damit wir danach gut verpflegt bis etwa 22.30 Uhr fischen können. Im Juni/Juli, wenn die Tage noch länger sind, verschiebt sich die Fischerei noch mehr in die Nacht, wie uns erklärt wird.
Tagsüber ist die schlechteste Zeit für die Forellen, somit wird um diese Zeit nicht in den Stromschnellen gefischt, aber natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten. Wir fischen auf Hecht, direkt unter den Stromschnellen, denn hier ist der Übergang der Fischarten sehr fliessend. Mehrmals fangen wir beim Forellenfischen unabsichtlich Hecht und Egli und einmal umgekehrt. Als wir viele kleine Rotfedern in einem etwas ruhigeren Bereich unterhalb der Stromschnelle ausgemacht haben und wir uns sicher waren, dass in der Nähe der eine oder andere Hecht lauert, versuchten wir unser Glück mit Stahlvorfach und grossem Streamer, doch zu unserer Überraschung attackiert kein Hecht, sondern eine wunderbare grosse Forelle Mauros Streamer. Ein absoluter Traumfisch, Mauro ist völlig überwältigt. Natürlich klappt es auch mit den Hechten, egal ob vom Ufer oder vom Boot. Wir geniessen die Hechtfischerei als tolle Abwechslung.
Der Aufenthalt in der Kellankoski Lodge ist nicht gerade günstig, doch bedenkt man einige Faktoren, relativiert sich der hohe Preis. Das Angebot beinhaltet Flug, Mietauto, Vollpension in der Lodge und die Betreuung durch die Guides. Versteckte Kosten gibt es keine. Bei solchen Reisen ist ein Trinkgeld für die Guides selbstverständlich. Wer alkoholische Getränke konsumieren will, muss diese selbst mitbringen, da die Lodge über keine Alkoholausschank-Lizenz verfügt. Im nahegelegenen Dorf gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten. Ausserdem haben wir es sehr genossen, dass wir nie einen anderen Fischer gesehen haben. Durch die Rotation an den besten Stellen hat man immer die Gewissheit, dass man den ganzen Abend Zeit hat, diese Stromschnelle ungestört zu befischen.
Die extrem adrenalinreiche Fischerei in dem schnellen, wilden Wasser hat uns total in ihren Bann gezogen und wir werden sicher die Stromschnellen in dieser atemberaubenden Landschaft in Zentralfinnland wieder befischen.
Die Saison in Zentralfinnland dauert von Mai bis September.
Zielfische sind Forelle, Äsche, Hecht, Egli und Zander.
Weitere Informationen zum Rundum-Angebot unter andino.ch
Keine Kommentare (Kommentare erscheinen erst nach unserer Freigabe)