Der Glarner Obersee – Idylle zwischen Rautispitz und Brünnelistock
13 | 07 | 2016 SchweizText: Nils Anderson 02299
13 | 07 | 2016 Schweiz
Text: Nils Anderson 0 2299

Der Glarner Obersee – Idylle zwischen Rautispitz und Brünnelistock

Oberhalb Näfels liegt das Glarner Oberseetal. Der mächtige Brünnelistock prägt die eindrückliche Bergkulisse des auf 982 m ü. M. gelegenen Obersees. Der malerische Bergsee ist ein beliebtes Ausflugsziel für Fischer und Familien gleichermassen.

Eine steile Strasse dritter Klasse führt von Näfels an rauschenden Bergbächen vorbei durch den hellgrün leuchtenden Wald hinauf. Nach einer guten Viertelstunde Fahrt erreicht man den Parkplatz des Berghotels Obersee am Ostende des Sees. Es ist ein Winkel der Schweiz, wo die Zeit stehen zu bleiben scheint.


Frühmorgens unterwegs

Zwischen altem Bergahorn und überwachsenen Felsbrocken weidet horntragendes Schweizer Braunvieh, die Kuhglocken läuten den jungen Tag ein. In der Nacht hat es ausgiebig geregnet, es tropft noch von den Bäumen und an den Hängen kleben feinste Nebelschwaden. Der Obersee liegt spiegelglatt und vollkommen regungslos da. Vogelgezwitscher erfüllt die Luft und unterhalb des Rautispitzes knackt es immer wieder. Kleine Steine stürzen die nackte Felswand herunter und bleiben im grossen Schuttkegel liegen. Die Geschäftigkeit des Alltags ist weit weg, ich verspüre keine Eile und beginne morgens um fünf Uhr mit den ersten Würfen in der Morgendämmerung.


Fischen «auf Sicht»

Die Bodenstruktur des Sees ist gleichmässig und ziemlich flach, einzig kleinere Felsen, die nah am Ufer liegen, durchbrechen das dichte Grün. Wo man hinwirft, landen die Köder fast augenblicklich auf dem Grund. Es gibt kaum tiefe Stellen im Obersee, das Maximum ist gerade mal zehn Meter. Dichte Vegetation schimmert überall. Auch am Ufer liegen die Wasserpflanzen haufenweise im Huflattich. Mit einem eigens dafür eingerichteten Boot wird der See regelmässig vom üppigen Pflanzenbewuchs befreit.
Mit dem vollen Tageslicht sind erste Fische auszumachen. Trupps von Egli ziehen dicht am Ufer den Felsen entlang und kleine Hechte verharren regungslos. Ich zähle an diesem Morgen ein Dutzend halbstarker «Grashechtli».
Bei meinem Besuch ist zuerst nur der Wurm von Interesse. Alle dicht vor dem Fisch präsentierten Kunstköder erwecken keinerlei Aufmerksamkeit, weder bei den Egli noch bei den Hechten. Mit feinem Gerät überwirft man die Egli, zieht die Montage heran und lässt den Wurm zwischen den Fischen absinken. Der Wurm wird misstrauisch beäugt und vereinzelt verharrt ein Exemplar ein paar Sekunden unmittelbar vor dem Köder. Das Interesse der Egli erlischt sehr schnell und die Fische lassen den Köder links liegen, der Wurm muss daher immer wieder neu platziert werden. Die Egli lassen sich unter der Rutenspitze haargenau beobachten, dann endlich – Biss! Ein schneller Anhieb und der erste Fisch ist auf dem Trockenen. Beim nächsten Felsen dasselbe Spiel, insgesamt lassen sich so relativ schnell einige Egli zum Biss verführen. Später lassen sich die gestreiften Räuber auch mit dem Gummifisch am Jigkopf überreden, richtig räuberische Stimmung will aber partout nicht aufkommen.


Durchschnittlich knapp zwei Meter tief

Der Obersee lässt sich bequem in 40 Minuten umrunden und vor allem die Südseite des Sees bis zum Einfluss des Sulzbachs ist durchgängig vom aufgeschütteten Dammweg aus befischbar. Diese Seite ist daher besonders beliebt bei den Hechtfischern, die mit Spinner, Twister oder Löffel ihr Glück versuchen. Die Nordseite ist im oberen Seeteil ausgesprochen flach, seeabwärts folgt eine steile Uferböschung, die schwierig zu befischen ist. Von der Stras­se aus kann man um die dicht am Ufer liegenden Felsen immer wieder Egli beobachten. Ein Versuch mit dem Wurm an der Zapfenmontage kann sich also lohnen. Die Böschung hinunter zu pirschen ist jedoch schwierig und ein Fehltritt reicht um die dicht am Ufer stehenden Fische aufzuschrecken. Der nördliche Landvorsprung, etwa zweihundert Meter vom Berghotel entfernt, ist ein beliebter Platz für den Regenbogenforellenfang und wieder deutlich besser zugänglich. Gut sichtbare Innereien im seichten Wasser zeugen von erfolgreichen Forellenfischern und geben zusammen mit Silchknäuel, Zigarettenstummel, leeren Madendosen und liegengelassenen Köderverpackungen leider ein ärgerliches Bild ab. Der Plastikabfall ist schnell eingesammelt und ein Blick auf den Brünnelistock lässt den Ärger im Nu verfliegen.


Perfekt für Familienausflug

Der Obersee ist von Zürich aus in einer guten Stunde zu erreichen und für einen Sonntagsausflug bestens geeignet. Das Fischen auf Egli und kleine Hechte ist wohl vor allem für Jungfischer und Anfänger eine interessante Fischerei, doch gibt es im Obersee auch grössere Hechte. 2015 wurden zwei «metrige» Exemplare gefangen. Das Fischen auf die Massforellen ist besonders anfangs der Saison zu empfehlen, ihr Bestand ist jedoch jeweils schnell dezimiert. Neben dem Fischen mit Naturködern wie Wurm, Maden und Bienenmaden auf Egli und Forelle, sind Kunstköder im Eglidekor für den Hecht eine gute Wahl. Mit kleinen Gummifischen am Dropshot-Rig oder Jigkopf lassen sich die Egli ebenfalls überlisten. Hier bringen vor allem braune Köder den gewünschten Erfolg.

 

 Patagonien? Kanada? Glarnerland! Die Kulisse des Obersees ist schlicht erstklassig.

Patagonien? Kanada? Glarnerland! Die Kulisse des Obersees ist schlicht erstklassig.

 Die Obersee-Egli sind zahlreich am Ufer entlang zu finden. Diese fielen auf einen braunen Keitech-Gummifisch herein.

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 Dem Alltag entrückt. Das Fischen am Obersee macht alles andere zur Nebensache.

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 Auch wenn der Wegweiser etwas anderes verspricht: im Obersee findet man leider keine Äschen.

Auch wenn der Wegweiser etwas anderes verspricht: im Obersee findet man leider keine Äschen.

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