Das brauchst Du zum Fliegenfischen
09 | 07 | 2024 PraxisText & Fotos: Bastian Bodyl 0544
09 | 07 | 2024 Praxis
Text & Fotos: Bastian Bodyl 0 544

Das brauchst Du zum Fliegenfischen

Im dritten Teil der Serie «Fliegenfischen für Einsteiger» geht es um die richtige Ausrüstung oder auf Neudeutsch, das richtige «Tackle». Beim Fliegenfischen müssen die Materialkomponenten aufeinander abgestimmt, aber auch auf den Zielfisch und das Gewässer angepasst sein. Bastian Bodyl erklärt, worauf es genau ankommt.


Eines vorneweg: Fliegenfischerausrüstung ist grundsätzlich etwas teurer, vor allem darum, weil das Angebot kleiner ist. Längst nicht alle Angler fischen mit der Fliege, was einen kleineren Markt und somit auch kleinere Mengen und weniger Mengenrabatte bedeutet. Über Fliegenfischermaterial könnte man ganze Bücher schreiben, hier geht es jedoch um einen groben Überblick.


Schnurklasse

Zuerst ein paar Worte zum Schnurklassensystem. Grundsätzlich ist dieses überholt und die Hersteller legen es teilweise etwas willkürlich aus. Trotzdem hat es sich bis heute gehalten. Die Schnurklassen sind eigentlich nichts anderes als eine Vereinfachung des Wurfgewichts auf 12 Klassen. Je höher die Schnurklasse, desto stärker die Rute und desto besser kann man auch grössere und schwere Köder werfen. Also, je kampfstärker der Fisch und je widriger die Bedingungen, desto schwerer sollte die Rute gewählt werden.

Bis Schnurklasse 3 bis 4 hast Du am Bergbach mit Trockenfliegen viel Spass. Schnurklasse 5 bis 6 ist der Standard für grössere Forellen an Fluss und See, Schnurklasse 8 ist für Hechte, und alles darüber ist fürs Salzwasser oder grosse Wanderfische wie zum Beispiel den Lachs. Eine pauschale Kaufempfehlung mag ich nicht geben, wende Dich dafür vertrauensvoll an Deinen nächsten Fischer­laden oder Deinen Wurflehrer (siehe «Petri-Heil» 5|2024).

 Ein gummierter Kescher schützt die  empfindliche Haut der Fische.

Ein gummierter Kescher schützt die empfindliche Haut der Fische.


Rute

Ohne Rute kein Fliegenwerfen? Nein, Du kannst die Wurfschnur auch mit einem Besenstiel oder ganz ohne Rute durch die Luft befördern – eine passende Rute unterstützt Dich aber sehr. Ich sage hier explizit nicht «gut» sondern «passend», denn die Rute muss zu Deiner Fischerei passen. Passende Ruten sind auch schon im unteren Preissegment zu bekommen. Drei Faktoren sind aber entscheidend: Schnurklasse, Aktion und Länge. Die Schnurklasse wurde bereits beschrieben; bei der Aktion wird unterteilt in langsam, mittel und schnell mit verschiedenen Zwischenstufen.

Langsame (Slow Action) Ruten biegen sich beim Drill bis zum Handteil und das Werfen ist sehr gemütlich. Mittelschnelle (Medium Fast) Ruten biegen sich beim Drill etwa bis zur Mitte. Bei schnellen Ruten bewegt sich vor allem der obere Teil. Vereinfacht gesagt: Je weicher die Rute, desto langsamer das Werfen und desto schneller lädt sie. Für eingewachsene Gewässer eignen sich weiche Ruten besser. Bei viel Platz zum Werfen und Wind sind härtere Ruten geeigneter. Eine Medium- oder Medium Fast-Rute ist aber für die meisten Situationen eine gute Wahl. Bleibt noch die Länge. Die Standardlänge ist 9 ft (Fuss) oder etwa 2,74 Meter. Auch hier zusammengefasst: Je länger die Rute, desto weiter die Würfe – Du brauchst aber auch den entsprechenden Platz.

 Auf die Abstimmung kommt es an: Rute, Rolle und Schnur sollten perfekt harmonieren.

Auf die Abstimmung kommt es an: Rute, Rolle und Schnur sollten perfekt harmonieren.


Schnur

Die Wurfschnur ist aus meiner Sicht ebenso wichtig wie die Rute, wenn nicht sogar wichtiger. Rute und Wurfschnur müssen zur Technik, zum Gewässer und dem Zielfisch passen, sonst wird das Fliegenwerfen ziemlich schnell anstrengend. Die drei wichtigsten Taper (so nennt man die Form der Wurfschnur) sind Double Taper (DT), Weight Forward (WF) und Triangel Taper (TT).

DT ist sozusagen die Urform der Wurfschnüre und bezeichnet eine beidseitig verjüngte Flugschnur. WF ist der aktuelle Standard; diese Schnüre haben zuvorderst eine sogenannte Keule: Sie sind vorne dicker als weiter hinten. WF-Schnüre lassen sich grundsätzlich einfacher werfen. Je grösser und schwerer die Fliege ist, desto aggressiver (kurze Keule) darf auch der Taper sein. TT Schnüre sind vor allem bei der sanften Präsentation von Trockenfliegen hilfreich. Die Wurfschnur muss zudem vom Gewicht her zur Rute passen. Dabei kann man sich an den Schnurklassen orientieren. Besser ist, wenn man das Wurfgewicht gemessen und die Schnur am Wasser getestet und verglichen hat.

 Die Wurfschnur muss vom Gewicht her zur Rute passen.

Die Wurfschnur muss vom Gewicht her zur Rute passen.


Rolle

Die Rolle dient beim Fliegenfischen auf Forellen hauptsächlich als Schnurspeicher. Beim Drill von auch etwas grösseren Forellen oder Äschen braucht man die Rolle nicht zwingend und kann mit der freien Hand die Schnur einholen. Ich verwende hier gerne eine einfache Click and Prawl-Rolle ohne wirkliche Bremse. Bei grösseren und kampfstarken Fischen (Hecht oder Lachs) wird die Rolle mit einer effizienten Bremse wichtig. Auch beim Salzwasserfischen braucht man eine gute Rolle, um die kampfstarken Fische­ landen zu können.

 Eignen sich perfekt fürs Fliegenfischen: Salmoniden.

Eignen sich perfekt fürs Fliegenfischen: Salmoniden.


Vorfach

Das Vorfach ist die Verbindung zwischen der Flugschnur und der Fliege. Es besteht aus Mono oder sinkendem Fluorocarbon. Bei Raubfischen mit scharfen Zähnen (Hecht) wird Stahl oder knotbares Titan verwendet. Über die Dicke und die Sichtbarkeit des Vorfachs gibt es beim Fliegenfischen immer mal wieder Diskussionen. Was der Fisch aber genau sieht und wie sich das auf das Beissverhalten auswirkt, lässt sich objektiv nur sehr schwer nachweisen. Was hingegen gut ersichtlich ist: Die Länge und Dicke des Vorfachs hat einen Einfluss auf den Lauf der Nymphe. An einem dünnen Vorfach kann die Nymphe zum Beispiel besser spielen als an einem dicken Vorfach. Dünnere Schnüre reissen jedoch schneller. Ein längeres Vorfach verzeiht beim Menden (Line Management) mehr, ist aber schwerer zu werfen. Hier gilt es, ein Mittelmass zu finden. Für Forellen ist ein gezogenes 9 ft (2,7 m) Monovorfach mit 16 mm Spitze ein guter Startpunkt. Dieses lässt sich gut werfen, ist stabil und man kann bei Bedarf noch etwas Tippet (Spitzenmaterial) anknoten. Ein Vorfachring vor dem Tippet ist hierfür praktisch. Beim Streamern darf das Vorfach auch kürzer (1 m) und dicker (0,2 mm) sein.

 Bei der Wahl der Fliege achte ich vor allem darauf, dass diese zum Gewässer passt.

Bei der Wahl der Fliege achte ich vor allem darauf, dass diese zum Gewässer passt.


Fliegen

Welche Fliege fängt heute? Das ist wohl die zentrale Frage bei den meisten Fliegenfischern. Persönlich halte ich diese Frage jedoch für weniger relevant. Ich bin immer mehr zur Überzeugung gelangt, dass die Präsentation und vor allem die Drift der Fliege wichtiger ist als die Fliege. Ich setzte daher vor allem auf Gruppenmuster in verschiedenen Grössen. Die Fliege sieht eher grob nach etwas Bestimmtem aus. Eine Fasanenschwanznymphe hat, wenn man die Augen etwas zusammenkneift, Ähnlichkeit mit verschiedensten Larven. Die Fliegen binde ich für Forellen auf Haken­grös­se 12 bis 16. Je ruhiger das Wasser, desto kleinere Fliegen verwende ich. Bei Streamern ist der Wooly Bugger eine gute Wahl. Ansonsten kann man sich daran orientieren, was im Wasser ist: Fische, Krebse, Insekten oder Würmer. Dabei sollte man sich aber nicht zu sehr verlieren – achte viel mehr darauf, dass die Fliege zum Gewässer passt. Also im Bergbach etwas gut Schwimmendes und am See etwas Feineres.

 Beim Nymphenfischen fast so wichtig, wie die Nymphe: der Bissanzeiger.

Beim Nymphenfischen fast so wichtig, wie die Nymphe: der Bissanzeiger.


Bissanzeiger

Den Bissanzeiger halte ich für ein erfolgreiches Nymphenfischen ebenso wichtig wie die Nymphe. Bissanzeiger unterteilt man in Schwimmer und Sichthilfen. Sichthilfen dienen nur dazu, Bisse zu erkennen und werden vor allem im Tight Line Nymphing (Euronymphing) verwendet. Schwimmer erfüllen den gleichen Zweck wie Zapfen (Nymphe tragen und Bisse anzeigen), sind aber kleiner und feiner. Gerade die Schwimmer müssen zum Gewässer und zur Nymphe passen. Im ruhigen Fluss kann man zur leichten Nymphe gut einen Garn- oder Wollbissanzeiger verwenden. Im Bergbach greift man besser auf etwas besser Schwimmendes wie einen Footballindicator oder einen Thingamabobber zurück. Auch die Farbe macht einen Unterschied, je nach Lichtverhältnissen sieht man gewisse Farben kaum noch. Meine Bissanzeigersammlung ist daher fast grösser als meine Nymphenauswahl.

 Eine Polbrille hilft bei der Suche nach Fischen und dient gleichzeitig als Augenschutz.

Eine Polbrille hilft bei der Suche nach Fischen und dient gleichzeitig als Augenschutz.


Sonstiges hilfreiches Zubehör

Zum Fliegenfischen gibt es 1000 kleine Helferlein, welche Dir den Tag am Wasser vereinfachen oder auch nur im Rucksack verstauben. Neben Dingen wie Fischmass, Arterienklemme, Schere oder Clipser sowie (Wat)Feumer und Messer gehören für mich beim Fliegenfischen auch Fliegendose und Polbrille dazu. Bei der Fliegendose ist es praktisch, wenn sie wasserdicht ist. Kommt sie mit Wasser in Kontakt, durchnässt man nicht direkt alle Fliegen. Zuhause sollte man die Fliegendose offen lagern, damit möglicherweise Restfeuchte entweichen kann und die Haken nicht rosten.

Eine Polbrille ist ebenfalls wichtig, vor allem auch als Augenschutz. Wind macht die Würfe zum Teil etwas unberechenbar, und das letzte, was man haben will, ist ein Fliegenhaken im Auge. Bei der Polbrille macht die Farbe einen wesentlichen Unterschied. Je dunkler das Glas der Brille, desto mehr Licht bleibt draussen. Bei bewölktem Himmel sieht man mit einer Polbrille mit gelben oder orangen Gläsern deutlich mehr. Daher ist es sinnvoll, sich zwei Polbrillen mit verschiedenen Tönungen zuzulegen.

 

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