Zapfen für Alet
08 | 04 | 2020 PraxisText & Fotos: Ivan Valetny 03212
08 | 04 | 2020 Praxis
Text & Fotos: Ivan Valetny 0 3212

Zapfen für Alet

Der Alet ist (noch) kein beliebter Zielfisch, obwohl er dank den Erwärmungen unserer Gewässer immer häufiger vorkommt. Alet ziehen im Winter nicht in die Tiefe, sondern bleiben aktiv, so dass man sie auch schon im Frühling am Rand der Fliessgewässer auf Futtersuche finden kann. Mit einer einfachen Zapfenmontage lassen sich diese Fische hier das ganze Jahr fangen.

Im Sommer kann man mit Kunstködern wie Wobbler oder Spinner gezielt auf Alet fischen, doch im Winter-Halbjahr legt der Alet seine räuberische Verhaltensweise ab und wird zum richtigen Friedfisch. Fressen tut er allerdings auch in der kälteren Jahreshälfte, dann kommen Zapfen und Naturköder zum Zug. Diese Fischerei empfiehlt sich, wenn man während der Schonzeit oder Inaktivität der beliebteren Zielfische trotzdem einen spannenden Drill erleben will. 

 
Mässige Strömung finden

Der Alet kommt zwar auch in stehenden Gewässern vor, doch bevorzugt er Fliessgewässer mit mässiger Strömung. Durch die Klima- und damit einhergehende Wassererwärmung ziehen Alet vermehrt in die Unterläufe von Bächen, wo einst die Forelle dominierte. Will ich gezielt auf Alet fischen, suche ich ruhiger fliessende Bereiche. So sind Widerwasser oder ins Wasser gefallene Bäume, die die Strömung bremsen und für Verwirbelung sorgen, interessante Stellen. Dazu gehört auch der ganze Randbereich eines grösseren Flusses wie z. B. der Aare. Hier fliesst das Wasser langsamer als in der Mitte. Findet man einen Uferabschnitt, der nicht zu flach ist, beispielsweise eine Aussenkurve, darf man mit Alet-Standplätzen rechnen.

Der Alet hat eine Eigenschaft, die uns den Fang wesentlich erschwert: Er ist äusserst scheu. Und je grösser die Fische sind, desto scheuer werden sie. Er mag es, sich in der Nähe von Büschen aufzuhalten. Hier fallen im Sommer Beeren ins Wasser und die Fische finden Deckung und Schatten. An einem gut zugänglichen Uferbereich findet man dagegen selten Alet. Wo aber regelmässig Schwäne und andere Wasservögel in der Nähe von Böschungen gefüttert werden, lohnt sich ein Versuch.

 
Ordentliche Köderportionen

An diesen Stellen ist ein Stück frisches Weissbrot der Köder der Wahl. Dieses wird in Tropfenform auf den Haken geknetet. Brot hat den Vorteil, dass sich kleine Stücke im Wasser vom Klumpen lösen, was die Alet neugierig macht. Leider hält ein solches Stück Weissbrot nicht lange am Haken.

Alternativ verwende ich Käse. Nicht einen geschnittenen Würfel, sondern Scheibenkäse, wie man ihn für Burger oder Toast Hawaii verwendet. Diese in Plastik eingepackten Scheiben kann man gut transportieren, portionieren und auch einfrieren. Von einer solchen Scheibe nehme ich ungefähr einen Viertel und knete ihn zwischen den Fingern, bis eine homogene Masse entsteht. Diese befestige ich ebenfalls tropfenförmig am Haken. Käse hält deutlich besser und länger am Haken als Brot und übersteht in der Regel mehrere Würfe schadlos.

Die Köder dimensioniere ich recht ordentlich. Grosse Köder sind im Wasser auffälliger als eine erbsengrosse Portion und man fängt erst noch tendenziell grössere Fische. Einem weissen Stück Brot oder Käse, das im Wasser schön auffällt, kann der Alet kaum widerstehen.

Alet lieben Beeren. So können auch Experimente mit Sauerkirschen aus dem Glas von Erfolg gekrönt sein. Ein kleines Glas mit eingemachten Kirschen kann gut verstaut werden, hält lange und macht manchmal gerade an viel befischten Gewässern den Unterschied.  

 
Kurzes, dünnes Vorfach

In aller Regel reicht es aus, den Köder auf einer Tiefe von etwa einem Meter anzubieten. Die Alet holen ihn sich gerne, auch wenn sie selbst etwas tiefer stehen. Eine Montage mit Feststellzapfen hat sich hierbei bewährt. Der Feststellzapfen ist immer auf die gleiche Tiefe eingestellt und es gibt wenig Verhedderungen beim Auswerfen. Meine erste Wahl ist ein Zapfenmodell mit Antenne. Die Antenne zeigt mir auch seitlich wegschwimmende Fische gut an. Den Zapfen befestige ich auf einem 150 cm langen Stück 0,20er-Fluorocarbon. Ich verwende Zapfen mit einer Auftriebskraft von sechs Gramm, fädle aber nur ein 5 Gramm Laufblei auf. So sinkt der Zapfen nicht gleich unter, auch wenn der recht grosse Köder mal von der Strömung nach unten gezogen wird. Das Laufblei stoppe ich mit einem Wirbel, an welchen das Vorfach geknotet wird. Schlaufenvorfächer sind nicht optimal, am besten wird alles fest an den Wirbel geknotet. 

Die Vorfachlänge wähle ich nicht zu lang, sonst kann es in der Strömung passieren, dass der Köder gegen oben treibt und flacher läuft als das Blei. Dabei könnte sich der Köder mit dem Zapfen verheddern. Ich wähle eine Vorfachlänge von nur ungefähr 20 cm und verwende dazu ein 0,18er-Fluorocarbon, da Alet sehr misstrauisch sind. Daran befestige ich einen 4er-Einzelhaken. Dieser sollte nicht zu dünn und möglichst scharf sein.

 Einfache Montage, mit der man auch an einer Spincombo fischen kann.

Einfache Montage, mit der man auch an einer Spincombo fischen kann.

 Am grossen Fluss sind tiefere Aussenkurven mit Deckungsmöglichkeiten ideale Angelstellen für den Alet, im Sommer wie auch Winter.

Am grossen Fluss sind tiefere Aussenkurven mit Deckungsmöglichkeiten ideale Angelstellen für den Alet, im Sommer wie auch Winter.

 Alet sind robuste Cypriniden, die auch gut mit sauerstoffarmem Wasser zurechtkommen. Die dicken Schuppen machen diese Fischart wenig anfällig für Verletzungen.

Alet sind robuste Cypriniden, die auch gut mit sauerstoffarmem Wasser zurechtkommen. Die dicken Schuppen machen diese Fischart wenig anfällig für Verletzungen.


Richtig präsentieren

Ich lasse die Montage meistens weit abtreiben und hole erst ein, wenn der Zapfen nicht mehr gut erkennbar ist. Deshalb verwende ich gerne Zapfen, bei denen man die Antenne durch ein Knicklicht auswechseln kann. So kann man den Zapfen an bedeckten Tagen besser beobachten. Ich versuche stets, die Schnur möglichst gerade auf der Wasseroberfläche laufen zu lassen, indem ich den Lauf des Zapfens etwas abbremse. Der Alet reagiert aber nicht gut auf ansteigende Köder, er mag es am liebsten, wenn der Köder mit der Strömung an ihm vorbeitreibt. Hier ist also einiges Fingerspitzengefühl gefragt. Die Bisse kommen meistens schon in den ersten paar Driften und sind oft vehement. Dabei zieht der Zapfen schnell nach unten, seltener auch mal zur Seite. Den Biss sollte man umgehend mit einem kräftigen Anschlag quittieren. Da man oft viel Schnur draussen hat, würde ein zu leichter Anhieb verpuffen. Man sollte bei jedem vermuteten Biss anschlagen, auch wenn er mal ins Leere geht und man danach einen neuen Köder anbringen muss.

 
Für den Motivationsschub

Sitzt der Anschlag, geht meist die Post ab. Bei den starken Fluchten am feinen Material muss die Bremse richtig eingestellt sein. Alet zwischen 40 und 60 Zentimeter sind an vielen Gewässern die Regel. Ein solcher Fisch kann bei zu stark eingestellter Bremse schnell mal ein 20er-Vorfach zerreissen. Gibt der Alet nach einiger Zeit auf, kann man ihn heranholen und schliesslich feumern. Am besten hält man ihn vorsichtig mit zwei Fingern direkt hinter den Kiemendeckeln. Dann verfällt er in eine Art Starre und zappelt nicht unnötig viel herum.

Meistens beisst an einer Stelle nach einem ersten Drill kein weiterer Alet mehr und man kann gleich eine neue Stelle ausprobieren. Ich mache selten mehr als fünf Driften an einem Ort. Mit der Zeit erarbeitet man sich so die Standplätze der Alet und kann mehr oder weniger von Hotspot zu Hotspot fischen.

Ein Ausflug zum Zapfenfischen auf Alet ist eine interessante Alternative, wenn  Forelle, Hecht oder Egli Schonzeit haben oder laichen. Diese Art der Fischerei funktioniert das ganze Jahr über und liefert starke Drills und grosse Fische. Eine Fischerei für Zeiten also, in denen wir einen Motivationsschub brauchen. Alet kann man übrigens auch bestens essen, wenn man die Filets durch den Fleischwolf dreht und zu Fischburgern oder Bratkügelchen verarbeitet. Wie ich finde, einer der leckersten Weissfische unserer Gewässer. In diesem Sinn wünsche ich Dir eine erfolgreiche Aletpirsch an unseren Fliessgewässern!

 

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