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![[Zum Kormoran:] Die Position der Hobbyfischer](/assets/cache/1920/1080/media/Artikel/2026/04/kormoran/AdobeStock_1856099641.jpg)
| 09 | 04 | 2026 | Schweiz | |
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Fische haben einen Wert an sich und Fischpopulationen sind genauso schützenswert wie Vogelpopulationen. Eine Entgegnung auf die Sichtweisen von Vogelschutz und Berufsfischerei.
In der Dezember- und Februarausgabe gab das «Petri-Heil» die Position der Berufsfischerei sowie diejenige der Dialoggruppe Kormoran und damit indirekt diejenige des Vogelschutzes wieder. Grundsätzlich machen wir das – Meinungsvielfalt ist okay. Der Grund, weshalb hier dennoch ein weiterer Artikel zum Thema folgt: Nicht nur verfehlen beide Positionen unsere Sichtweise, die Diskussion zielt fundamental an den Interessen der Hobbyfischer vorbei. Der Vogelschutz ignoriert – ob wissentlich oder nicht, ist unklar – den Faktor der Klimaveränderung und die Tatsache, dass bei einem hochmobilen, opportunistischen Jäger ohne natürliche Feinde keine regulierenden Effekte von selbst greifen. Und mit dem Argument der nutzbaren Ressource Fisch trifft auch die Berufsfischerei unsere Ziele nicht.
Es ist zuerst einmal löblich seitens des Vogelschutzes, dass er zumindest vorgibt, nicht reine Interessenpolitik zu verfolgen, sondern immer wieder von der Bedeutung der Gesamtbiodiversität spricht. Doch sind viele Kormorane ein Zeichen für eine ausgeglichene und gesunde Biodiversität und so gesehen eine Erfolgsstory? Unabhängig davon, ob der Kormoran nun einheimisch ist oder nicht, kann ein uneingeschränktes Ja hier keine ernsthafte Antwort sein. Fakt ist, dass er nicht bedroht ist. Er ist ein Gewinner der Klimaveränderung. Offene Flüsse und Seen im Winter kommen ihm entgegen. Wenn es an einem Ort kein Futter hat, kann er es – das ist gewissermassen die Gnade des Vogelseins – eben anderswo suchen gehen. Und überdies fehlen ihm europaweit die natürlichen Feinde wie etwa der Seeadler. Zudem verbessert sich durch das Aufklaren der grossen Seen sein Jagdhabitat stetig, da in diesen eine Fischpopulation durch den visuellen Räuber Kormoran effektiver bejagt werden kann. Und so bleibt für ihn ein klares Gewässer auch mit einer tiefen Fischdichte ein lohnenswertes Ziel, was bei einem trüben Gewässer nicht der Fall ist. Damit greift – im Gegensatz zum Otter etwa – eben auch nicht die Argumentation des sich selbst regulierenden Gleichgewichts von Jäger und Beute.
Seine Populationskurve ist seit Jahren steigend oder zumindest stabil. Bei den Fischen ist dies genau umgekehrt. Sie sind fast ausnahmslos Verlierer der Klimaerwärmung, sie können nicht einfach mal das Gewässer wechseln. Die Fische haben teils einen starken Rückgang ihrer Nahrungs-Ressourcen erfahren, der am Bestandesrückgang seinen wesentlichen Anteil hat. Weniger Nährstoffe einerseits und eine höhere Belastung mit Umweltgiften andererseits bringen die Fischbestände unter Druck. Die Artenzusammensetzung verändert sich vor allem in den Fliessgewässern massiv. Und Fische haben überdies keine Schutzgebiete, wo sie sich uneingeschränkt und ungestört fortpflanzen können. Artenschutztechnisch gibt es also ein massives Ungleichgewicht. Am Rande bemerkt: Könnte man wichtige Laichplätze und Jungfischhabitate etwa von Nasen, Forellen und Äschen übergittern, wäre schon viel geholfen.
Auch die seitens der Berufsfischerei vorgebrachten Argumente machen die Sache für uns Hobbyfischer nicht besser. So impliziert die Argumentation von Erich Staub in der Ausgabe 12/25, dass die Berufsfischerei nicht mehr Fisch im Gewässer will, sondern mehr Fisch in den Netzen. In seiner gesamten Argumentation geht es ihm nur um eines: Mehr Fisch für die Berufsfischerei, mehr Ertrag durch die Ressource Fisch. Sprich: Sie macht deutlich, dass die Berufsfischerei, wenn der Kormoran weniger entnimmt, sofort wieder mehr entnehmen würde. Für die Fischbestände ist dies ein Nullsummenspiel. Und so gesehen für uns Hobbyfischer ebenfalls. Anders ausgedrückt, gefressen werden soll der Fisch sowieso, der Wert der Fischpopulationen an sich wird ihrer Funktion als Ressource für andere untergeordnet. Trotzdem sollten wir die Anstrengungen der Berufsfischer zur Regulierung der Kormoranbestände vorunterstützen. Weil die Politik den Berufsfischerstand erhalten will – ähnlich wie bei den Bauern –, finden sie mehr Verständnis bei Politikern und Vogelschützern. Ihr Aufschrei nach den neusten Untersuchungsresultaten fand durchaus Gehör. Es mag zwar sein, dass die Berufsfischer grundsätzlich ähnlich denken wie Hobbyfischer und vom Fisch an und für sich genau so fasziniert sind wie wir. Und anders als der Kormoran kann sich die Berufsfischerei an Vorschriften und Schutzgebiete halten. Aber um uns vorbehaltslos im Boot zu halten, sollten sie anders argumentieren.
Gerade der Vogelschutz pocht gerne auf objektivierte Grundlagen, ehe eine interventionistische Massnahme akzeptiert wird. Und so kann man Gutachten und Studien erstellen und ebenso Gegenstudien aufstellen. Dabei schreibt der deutsche Angelfischer-Verband DAFV, dass es aus Sicht der Wissenschaft eigentlich nichts zu diskutieren gibt: «Der Kormoran zählt zu den am besten untersuchten Vogelarten der Welt. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über seinen Einfluss auf Fischbestände diskutiert. Während lange Zeit Zweifel an negativen Auswirkungen geäussert wurden, gilt der Zusammenhang zwischen hohem Frassdruck durch Kormorane und dem Rückgang sensibler Fischarten inzwischen als wissenschaftlich belegt. (…) Die derzeit hohe Kormoranpopulation in Deutschland entspricht laut einer historischen Meta-Studie keiner natürlichen Bestandsrückkehr auf Grundlage von Schutzmassnahmen. Im Gegensatz zu den meisten heimischen Fischarten profitiert der Kormoran erheblich von der Klimaerwärmung, da die Gewässer in Deutschland heute im Winter kaum noch flächendeckend zufrieren.»
Und weiter: «In eigens dafür geschützten Gebieten wachsen Kormoranpopulationen vor allem in Norddeutschland stark an, während sie später in ihrem Leben in anderen Teilen Deutschlands und Europas – etwa an Voralpenflüssen – auf ihrem Winterzug enorme Schäden an Fischbeständen verursachen. Darunter leiden ehrenamtliche Wiederansiedlungsprojekte bedrohter Fischarten und darüber hinaus entstehen erhebliche fischereiwirtschaftliche Schäden.» In einer öffentlichen Anhörung im deutschen Bundestag liessen die geladenen Sachverständigen «keinen Zweifel daran, dass die derzeitigen Kormoranbestände in Mitteleuropa Fischbestände nachhaltig schädigen und die Artenvielfalt regional gefährden. Die zentrale Frage lautete nicht mehr ob, sondern wie Fischbestände künftig wirksam geschützt werden können.» An die Adresse des Vogelschutzes schreibt der DAFV: «Wer hohe Bestände (des Kormorans, Anm. d. R.) gezielt fördert, muss auch Verantwortung für die ökologischen Folgen entlang des gesamten Lebenszyklus dieser Art übernehmen. Fischartenschutz darf kein Artenschutz zweiter Klasse sein.»
Die Hobbyfischer-Generation, die mit dem Credo ans Wasser ging, dass nur ein gefangener Fisch ein guter Fisch sei, ist mittlerweile grösstenteils in die ewigen Fischgründe eingetreten. Wir Hobbyfischer wollen möglichst gesunde Fischbestände im Wasser. Auch bei uns geht es um den Fang, klar. Aber ein Unterschied zum Berufsfischer ist doch grundlegend: Uns geht es nicht um den tatsächlichen Fang, sondern um die Fangmöglichkeit. Wir freuen uns, wenn wir bei jedem Fischerausflug die Chance haben, einen schönen Fisch zu fangen. Von dieser Aussicht auf den nächsten Fang lebt unsere Begeisterung. Dies bringt uns dazu, von grossen Fischen zu träumen und dafür viel Leidenschaft, Geld und Zeit in Ausrüstung, Patente und Vereinsarbeit zu investieren. Der effektive Ertrag hingegen ist für die allermeisten von uns zweitrangig. Unsere Begeisterung treibt uns nicht dazu, möglichst viel Fisch zu verwerten. Wir starten kein Business deswegen und dennoch ist die wirtschaftliche Wertschöpfung der Hobbyfischerei um ein Vielfaches höher als diejenige der Berufsfischerei. Unsere Entnahme bleibt auch bei tüchtigen Fischern im Rahmen. Schwarze Schafe ohne Augenmass selbstverständlich vorbehalten. Um es in einem Satz zu sagen: Fische sind nicht einfach eine Ressource für andere, sie haben einen Wert an sich.
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