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| 16 | 02 | 2026 | Praxis | |
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Sidy Ouattara hat das Spinnfischen vom Kajak für sich entdeckt. Warum er es nicht mehr missen möchte, schildert er in seinem Erfahrungsbericht als Kajakfischer-Novize.
Da die Kajak-Kultur in der Schweiz noch nicht so verbreitet ist wie in den Nachbarländern, fand meine erste Begegnung mit einem Fischerkajak in Frankreich statt. Ein Herr mittleren Alters bewegte sich erstaunlich schnell und leise durch einen Kanal, den ich an diesem Tag befischte. Ich war fasziniert, wie gut ausgerüstet und wendig er sich mit diesem Wasserfahrzeug in diesem schmalen Gewässer fortbewegen konnte.
Damals war mir noch nicht klar, wie dieses Gefährt funktioniert. Als ich eine Weile später über den Kauf eines mobilen Trailerboots nachdachte, stiess ich im Internet auf ein unwiderstehliches Angebot: Ein komplettes Kajak-Setup inklusive Zubehör und Echolot. Ich schlug zu und war kurze Zeit später stolzer Besitzer eines «Flachwasser-Porsches».
Die erste Session liess nicht lange auf sich warten. Gemeinsam mit einem Freund weihte ich auf einem passenden Gewässer meine neue Fangmaschine ein. Nach wenigen Stunden und einigen stattlichen Egli war ich Feuer und Flamme – zu hundert Prozent überzeugt.
Mein Native Slayer Max misst 380 cm in der Länge, ist 86 cm breit und bringt satte 45 kg Leergewicht auf die Waage. Zugegeben, ich hatte mir das Handling einfacher vorgestellt, aber mit etwas Übung und passenden Transporträdern ist es kein Problem, dieses Gefährt ans Wasser zu rollen. Der Sitz und der Antrieb lassen sich zum Verstauen bequem einklappen und abmontieren – beim Transport im Auto sehr praktisch.
Für ein sauberes Unterwasserbild sorgt ein 10-Zoll-Garmin Echomap mit GT54-Geber. Hinter dem Sitz habe ich eine grosse, wasserdichte Box montiert, die Platz bietet für Batterie, Ausrüstung, Essen und Ersatzkleidung. Daran fix montiert sind drei Rutenhalter, sodass ich jederzeit vier fertig geriggte Ruten an Bord haben kann, was mir beim Eglifischen wichtig ist.
Zwei wasserdichte Staufächer im Bug nehmen weiteres Tackle auf. Nach längerem Überlegen entschied ich mich für klassische Zip-Bags, die sich platzsparend neben oder unter dem Sitz verstauen lassen. Darin halte ich Köder, Haken, Gadgets und die Tungsten-Gewichte griffbereit. Auf Oberschenkelhöhe befindet sich ein Getränkehalter sowie ein offenes Staufach mit Zange, Schere, ein paar aktiv genutzte Baits und etwas Proviant.
Ich liebe es, meine Gewässerwahl spontan den Bedingungen anzupassen. Mit dem Kajak auf dem Auto bin ich maximal flexibel. Die Fischerei ist nicht zu 100 % planbar und das Kajak gibt mir die Möglichkeit, bei der Gestaltung des Angeltags auf die aktuellen Bedingungen reagieren zu können. Sich schliesslich auf dem Wasser frei und unbeschwert bewegen zu können, ist ein riesiges Privileg. Jede noch so schmale Passage, jede flache Zone oder tiefe Brücke ist mit dem Kajak meisterbar. Besonders bei kleineren Gewässern bin ich mit knapp 8 km/h Spitzengeschwindigkeit mehr als genug flott unterwegs, um die Spots ausgiebig zu erkunden. Die Spots können dabei geräuschlos und präzise befischt werden – ohne Anker oder Motor.
In stark befischten Gewässern oder im Flachwasser reagieren Fische oft negativ auf Lärm und Boote. Das Kajak bewegt sich nahezu lautlos und ermöglicht ein Heranpirschen an heiklere Räuber. In unmittelbarer Nähe um mein Kajak herum konnte ich bereits raubende Egli beobachten und fangen. Gerade in zäheren Phasen dürfte diese Unauffälligkeit den Unterschied zwischen Erfolg und Schneider ausmachen.
Es ist einfach ein überwältigendes Gefühl, morgens den Sonnenaufgang auf dem Wasser zu erleben. Das Naturerlebnis ist auf einem Kajak besonders intensiv, oft geradezu magisch. Weil man mit dem Kajak noch eine Etage tiefer sitzt als in einem gewöhnlichen Boot, ist die Fischerei noch unmittelbarer. Besonders deutlich wird das beim Drill und der Landung. Mag sein, dass einige Dinge vom Ufer oder grösseren Boot aus einfacher sind – aber das Feeling vom Kajak aus ist für mich unschlagbar. Mein erster grosser Egli auf Topwater, nur wenige Meter vom Kajak entfernt, ist unvergesslich.
In stark befischten Gewässern oder im Flachwasser reagieren Fische oft negativ auf Lärm und Boote. Das Kajak bewegt sich nahezu lautlos und ermöglicht ein Heranpirschen an heiklere Räuber. In unmittelbarer Nähe um mein Kajak herum konnte ich bereits raubende Egli beobachten und fangen. Gerade in zäheren Phasen dürfte diese Unauffälligkeit den Unterschied zwischen Erfolg und Schneider ausmachen.
Es ist einfach ein überwältigendes Gefühl, morgens den Sonnenaufgang auf dem Wasser zu erleben. Das Naturerlebnis ist auf einem Kajak besonders intensiv, oft geradezu magisch. Weil man mit dem Kajak noch eine Etage tiefer sitzt als in einem gewöhnlichen Boot, ist die Fischerei noch unmittelbarer. Besonders deutlich wird das beim Drill und der Landung. Mag sein, dass einige Dinge vom Ufer oder grösseren Boot aus einfacher sind – aber das Feeling vom Kajak aus ist für mich unschlagbar. Mein erster grosser Egli auf Topwater, nur wenige Meter vom Kajak entfernt, ist unvergesslich.
Auch wenn ich noch kein Kajakprofi bin, konnte ich einige Erkenntnisse bereits sammeln, die ich hier gerne weitergebe:
Transport: Anfangs hatte ich Mühe mit dem Aufladen auf die Dachträger. Schliesslich half mir folgender Tipp eines Freundes weiter: Das Kajak rund 2 Meter parallel zum Auto platzieren, dann die Spitze anheben und mittig zwischen den Trägern auf das Autodach stellen (Decke oder Yogamatte schützt vor Kratzern!), den hinteren Teil vom Boden nehmen und es mitten aufs Dach schieben. Schliesslich noch in Längsrichtung des Autos drehen und auf die Dachträger stellen. Langfristig werde ich aber wahrscheinlich auf einen Trailer umsteigen: Weniger Windgeräusche, schnelleres Be- und Entladen.
Safety first: Ein Kajak ist anfälliger für Wind und Wellen als ein Boot. Mein Modell kann nicht sinken, selbst wenn es vollläuft. Für den Fall, dass ich von Bord kippe, bin ich mit einem Karabiner samt Gummi am Boot gesichert. Staubox, Echolot und Wertsachen sind befestigt. Für den Fall, dass die Antriebspedale nicht mehr funktionieren, habe ich auch ein Paddel an Bord. Bei Wasserfahrzeugen sind Schwimmwesten an Bord grundsätzlich Pflicht. Ob man sie trägt, bleibt einem selbst überlassen. Ich entscheide das je nach Jahreszeit, Wassertemperatur, Schiffsverkehr und Wetter. Hauptsache: vorausschauend handeln und vorbereitet sein.
Reinigung: Nicht zuletzt stellen die Quaggamuscheln und andere invasive Arten auch ein Problem für die Nutzung von Wasserfahrzeugen dar. An vielen Seen gilt beim Einwassern von Booten eine Reinigungs- und Entwässerungspflicht. Das Kajak ist hier im Vorteil: Es fällt nicht unter diese Vorschriften und kann ähnlich frei gehandhabt werden wie ein Surfbrett. Trotzdem wäre es aus meiner Sicht absolut unverantwortlich, wie wild von Gewässer zu Gewässer zu slippen, ohne das Kajak zwischen den Gewässern gründlich zu reinigen. Also: Bitte immer säubern und abtrocknen zwischen Gewässerwechseln! Ich verwende Virkon-S (in Aquakulturen übliches Desinfektionsmittel), das auch online zu finden ist. Ein Kilogramm kostet rund 30 Franken und reicht bei wöchentlichem Einsatz 2 bis 3 Jahre.
Vielleicht kann ich Dich mit diesem Artikel dazu inspirieren, das Kajakfischen mal auszuprobieren. Für mich hat sich damit eine Tür geöffnet, die ich nicht mehr schliessen möchte. Ich freue mich schon auf den nächsten Fischertag mit meinem Flachwasser-Porsche!
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