Vertikal auf Egli
18 | 10 | 2021 PraxisText: Nils Anderson & Martin Wehrle 0825
18 | 10 | 2021 Praxis
Text: Nils Anderson & Martin Wehrle 0 825

Vertikal auf Egli

Im Herbst zieht es die Egli wieder in die tieferen Bereiche. Wer jetzt einen Egli­schwarm gefunden hat, kann direkt unter dem Boot seine Fische fangen. Wir stellen dazu ein paar fängige Methoden vor.


Der Jucker  |  Vom Klassiker zum Geheimtipp

 Ein gutes Egli am Jucker: Das ist kein Zufall. © Martin Wehrle

Ein gutes Egli am Jucker: Das ist kein Zufall. © Martin Wehrle

Jucker sind nichts anderes als kleine Pilker, wie sie im Meer beim Dorschfischen zur Anwendung kommen: Ein stabförmiger Metallköder, sehr kompakt, meistens mit einem Auge dekoriert und einem Drilling am unteren Ende. Verglichen mit dem Drop-Shot-Rig fristet er mittlerweile ein Nischendasein. Und das völlig zu Unrecht. Martin Wehrle fährt oft mit zwei montierten Egliruten aufs Wasser: Eine mit Dropshot-Gummis, eine mit Jucker. Meist schlägt sich der Jucker im Vergleich tapfer. An etlichen Tagen ist er überlegen.

Jeder Kunstköder ist das, was die Führung aus ihm macht. Falsch geführt überzeugt er kaum je einen Fisch. Der Jucker fängt bereits Egli, wenn man ihn einfach hebt und senkt. Wer den Jucker mit grossen Rucken hochreisst  und wieder runter segeln lässt, hakt im dichten Schwarm regelmässig Egli von aus­sen. Es gab auch schon Kommentare, man solle deswegen den Jucker gar verbieten. Doch mit der richtigen Köderführung ist der Jucker ganz schön fängig.

Ich lasse den Jucker bis auf den Grund sinken, hebe ihn ein winziges Stück an und lasse ihn dann ein Stück nach oben sausen, indem ich meinen Arm mit einer Zitterbewegung anhebe. Nun verharrt der Jucker etwa eine Sekunde, ehe ich ihn wieder fallen lasse. Achtung: Behalte beim Absinken immer die Schnur im Auge. Wenn das Ablaufen stoppt, ehe der Jucker den Grund erreicht haben kann, gibt es nur eine Erklärung: Biss. Und eine Antwort: Anhieb.


Dropshot  |  Der Neo-Klassiker

 Am Dropshot-Rig lassen sich nicht nur Gummifische montieren. Auch Gummikrebse und dergleichen machen eine gute Figur. © Christopher Chew

Am Dropshot-Rig lassen sich nicht nur Gummifische montieren. Auch Gummikrebse und dergleichen machen eine gute Figur. © Christopher Chew

Das Dropshot-Rig kam, sah und siegte. Seit es vor etwa 12 Jahren Einzug in unsere Fischerei gehalten hat, ist es nicht mehr wegzudenken und zum Klassiker geworden. Für die Dropshot-Montage knotet man mittels Palomar- oder dem eigens dafür entwickelten Dropshot-Knoten einen oder mehrere Haken oberhalb eines Tropfenbleis so in die Schnur, dass sie unter Zug im rechten Winkel abstehen. Ich achte darauf, die Haken nicht zu nahe beieinander in die Schnur zu knöpfen. 50 Zentimeter Abstand erscheinen mir optimal. Als Schnur empfiehlt sich ein 0,25er-Fluorocarbon. Man kann auch dünneres Material nehmen, doch damit hält die Montage deutlich weniger lang und muss nach einigen Stunden bereits ersetzt werden, da der Drall dem dünnen Material schnell zusetzt. Die passenden Dropshot-Haken findet man in jedem Fischereigeschäft, ebenso funktionieren Offsethaken mit einem extra­grossen Hakenbogen, bei welchen die Hakenspitze im Gummifisch versteckt ist. Auf diese Haken werden kleine Gummi­fische montiert, die man mit feinen Schlägen oder Zitterbewegungen der Rute an Ort und Stelle animiert. Das Dropshot-Rig kann man natürlich auch auswerfen und mit kleinen Sprüngen einholen und immer wieder an Ort und Stelle verharren lassen. Manchmal bringt auch ein langsames, gleichmässiges Einholen die meisten Bisse, je nachdem wie die Egli bzw. die zu imitierenden Futterfische grad aufgelegt sind. Die Methode ist so erfolgreich, dass viele Fischer kaum noch mit anderen Methoden ihr Glück auf Egli versuchen.


Die Zykade  |  Ein Radaumacher

 Die Zykaden sind noch wenig verbreitete Vertikalköder. Doch das dürfte sich in Zukunft ändern. © Nils Anderson

Die Zykaden sind noch wenig verbreitete Vertikalköder. Doch das dürfte sich in Zukunft ändern. © Nils Anderson

Ein eher neuer Köder ist hingegen die Zykade: Sie sieht aus wie ein Blatt und ist so konstruiert, dass sie unter Zug rattert. Dies macht sie so stark, dass es im Rutengriff deutlich spürbar ist. Die meisten im Handel erhältlichen Zykaden haben drei verschiedene Löcher für die Befestigung. Das hinterste ist für die vertikale Präsentation, die vorderen zwei für eine geworfene Präsentation, je nach gewünschter Lauftiefe. Auch für die Zykade gilt, dass erst die Animation den Köder ausmacht. Ich hebe die Rutenspitze etwa 30 Zentimeter an und dies nicht zu schnell. Nur so, dass ich das Rattern der Zykade schwach spüre. Dann verharre ich kurz, ehe ich sie wieder auf Grund sinken lasse. Dieses Spiel wiederhole ich immer wieder an Ort und Stelle. Die Zykade spielt ihre Trümpfe vor allem im trüben Wasser aus und wenn die Egli etwas verstreut stehen, da sie mit ihren starken Bewegungen das Seitenlinienorgan der Fische stärker anspricht als etwa ein dünnes Gummifischchen am Dropshothaken. Dabei kommen die Bisse meist nicht sofort, sondern erst nach ein paar Auf- und Abbewegungen.


Die zweite Rute

Auf den meisten Gewässern ist das Fischen mit zwei oder gar drei Ruten erlaubt. Dies kommt uns beim Eglifischen sehr entgegen. Zum einen sind die Egli jeden Tag etwas anders drauf. Mal wollen sie grosse Köder, mal kleinere und mal eine animierte und mal weniger animierte Köderführung. Der Jucker und das Dropshot-Rig lassen sich hervorragend an der zweiten, sogenannten «toten Rute» präsentieren. Das Dropshot-Rig einfach etwas anheben, so dass das Blei den Grund knapp nicht berührt, und warten lassen.

Den Jucker sollte man an der toten Rute etwa zehn Zentimeter über dem Grund verharren lassen. Die kleinen Schaukelbewegungen des Bootes reichen aus, um ihn für die Egli interessant und somit fängig zu machen. Zudem beissen auf den trägen Jucker vor allem grössere Egli – denn das Verharren macht den Jucker unverdächtig und lässt die Grossen ihre Vorsicht ablegen. Bemerkt man Bewegung auf der toten Rute, muss man diese zur Hand nehmen, um einen folgenden Biss sofort mit einem Anhieb zu quittieren. Fische, die am Jucker hängen bleiben, wenn die Rute im Rutenhalter steckt, gibt es kaum.

Du hast sicher auch schon Fischchen beobachtet: Sie sind nicht ständig in Bewegung, sondern bleiben oft auf der Stelle stehen, einige gar fast senkrecht. Und warum sollte ein Raubfisch eine bewegte Beute anfallen, wenn eine verharrende doch ein viel leichteres Ziel abgibt? Weniger ist mehr – das ist nicht selten der Schlüsselgedanke zum Erfolg beim Vertikalfischen.

 Jucker und Zykaden aus Metall wirken mit Finesse-Gummis verglichen wie Dinosaurier. Aber sie fangen auch gut und manchmal sogar besser. © Nils Anderson

Jucker und Zykaden aus Metall wirken mit Finesse-Gummis verglichen wie Dinosaurier. Aber sie fangen auch gut und manchmal sogar besser. © Nils Anderson


Mit Hechten rechnen

Es ist für die Angelindustrie ein Glücksfall, dass die Egli einen Köder schnell entlarven können. Wer an einem stark frequentierten Fischersteg schon mal auf Egli aus war, weiss, wovon ich rede. Diese Egli – vor allem die grösseren – haben schon fast alles gesehen. Gerade wenn ihnen schon seit Wochen Dropshot-Köder vor die Nase gesetzt werden, ist ein Versuch mit dem Jucker oder der Zykade alles andere als verkehrt. Es gibt aber auch noch eine andere Art der Abwechslung, und mit dieser müssen wir immer wieder rechnen: Hechte haben eine ausgesprochene Schwäche für Dropshot-Gummifische, Zykaden und Jucker. Beim Dropshot-Fischen kann man sich schlecht gegen Abrisse durch Hecht­bisse wappnen. Wo also ein dünnes Stahlvorfach die Chancen auf Eglibisse nicht gänzlich zunichte macht, lohnt sich dieses auf jeden Fall. Vor allem bei stark flatternden Zykaden schadet ein dünnes Stahlvorfach nicht wirklich. Beim Juckerfischen nehme ich am liebsten ein Fluorocarbon-Vorfach von mindestens 0,25?Millimeter. Besser sogar noch ein 0,30er bis 0,35er, dazu sollte es möglichst steif sein. Warum so dick? Weil es die Egli nicht im Geringsten stört – und meine Chancen erhöht, wenn sich ein Hecht am Jucker vergreift. Das kommt häufig vor, weil die Eglischwärme immer auch Hechte anlocken. Je langsamer man den Jucker führt, desto grösser die Chance auf einen Hecht. Ein weiterer Grund ist das Verheddern. Wild flankende Jucker können sich leider nur zu gut richtiggehend im Vorfach einwickeln. Um dem entgegenzuwirken, hilft ein etwas dickeres Vorfach. Zudem verzichte ich auf einen Wirbel oder Snap und binde den Jucker direkt ans Vorfach. Dies mindert die Chancen des Verhedderns weiter.

Zum Schluss noch ein Tipp für den Jucker: Schalte über Deinem Zocker ein, zwei Seitenarme mit kleinen Gummiködern, Schlüchli oder Eglifliegen jeweils im Abstand von etwa 30 bis 40 Zentimetern. So kannst Du mehrere Wasserschichten absuchen und mit etwas Glück auch mehrere Fische aufs Mal fangen. Einfach nicht zu schnell einholen nach einem Biss: Oft folgen futterneidische Artgenossen dem gehakten Egli und schnappen einen Köder am Seitenarm. Oder den Jucker. Je nachdem, was noch frei ist ...

 

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