So geht Forellenfischen am Bach
20 | 05 | 2022 PraxisText & Fotos: Robin Melliger 01520
20 | 05 | 2022 Praxis
Text & Fotos: Robin Melliger 0 1520

So geht Forellenfischen am Bach

Wie fängt man eigentlich unsere­ wunder­schön gepunkteten Salmoniden­? Und warum muss man mit Forellen besonders vorsichtig umgehen? Robin Melliger gibt Dir eine Einführung in die spannende­ Spinn­fischerei auf Bachforellen.


Die Beurteilung, ob in einem Bach Forellen vorkommen, gestaltet sich nicht immer ganz einfach. Es gibt jedoch einige Indizien, die für ein mögliches Vorkommen der Bach­forellen sprechen. Wenn ich mich an einem fremden Gewässer befinde, hebe ich immer zuerst einen Stein an. Wenn sich darunter kleine Larven, Schnecken oder Insekten befinden, stehen die Chancen gut, dass auch die Forellen nicht weit sind. Denn diese kleinen Tierchen sind die Hauptnahrung der im Bach lebenden Fische. Ein unscheinbar wirkender Wiesenbach kann daher ein idealer Lebensraum für Bachforellen darstellen, sofern die Wasserqualität stimmt und sich genügend Futter darin­ befindet.


Wahl eines guten Spots

 Hotspots für Bachforellen befinden sich hinter grossen Steinen, an schattigen Plätzen, an Strömungskanten sowie an Stellen mit Rückströmung. An den beiden markierten Orten konnte ich Forellen erfolgreich nachstellen.

Hotspots für Bachforellen befinden sich hinter grossen Steinen, an schattigen Plätzen, an Strömungskanten sowie an Stellen mit Rückströmung. An den beiden markierten Orten konnte ich Forellen erfolgreich nachstellen.

Die Bachforelle ist von Natur aus ein sehr vorsichtiger und misstrauischer Fisch. Diese Verhaltensmuster entstehen in den ersten Lebensjahren. Da sie in Bächen eine beliebte Beute für Fisch und Vogel darstellt und oft ein Rückzug in tiefere Wasserbereiche nicht möglich ist, muss sie sich ein anderes Versteck suchen. In kleinen Bächen kann man Jungfische daher oft beobachten, wie sie flink zwischen schmalen Spalten der Steine verschwinden. Somit schützen sich die Fische vor grösseren Forellen, welche auch vor kleineren Artgenossen keinen Halt machen. Im Schutz eines Steins entsteht zusätzlich noch eine Rückströmung, ebenfalls ein willkommener Vorteil für die Forelle. Es kann jedoch durchaus vorkommen, dass man besonders grosse Einzelfische in der Bachmitte entdeckt. Da sie sich vor weniger Gefahren in Acht nehmen müssen, stellen grössere Exemplare manchmal auch dort ihrer Nahrung nach. Im Bach entstehen durch die teils starke Strömung unterspülte Uferbereiche, oft in Aussenkurven, die den Forellen Schutz bieten. Bei der Spotwahl an einem neuen Gewässer sollte daher auf tiefe Bereiche und schutzbietende Steine geachtet werden, das offene Wasser gilt es aber nicht zu ignorieren. Den guten Augen der erfahrenen Forelle entgeht nur wenig, daher ist besondere Vorsicht in Wassernähe geboten. Hier empfiehlt es sich, flussaufwärts zu gehen, da Forellen gegen den Strom schauen. So kann man sich unbemerkt von hinten anpirschen.


Rute und Rolle

 Eine ausgeglichene Kombo zum Spinnfischen.

Eine ausgeglichene Kombo zum Spinnfischen.

Um am Bach erfolgreich den Forellen nachzustellen, ist eine qualitativ hochwertige Rute und Rolle von Vorteil. Bei der Rutenwahl hat sich die Länge von 1,9?m bis 2,4?m Länge bewährt. Je nach Köderwahl kommen Modelle mit einem Wurfgewicht von 2 bis 15g in Frage. An einem kleinen und stark bewachsenen Bach lässt es sich auf engem Raum besser mit einer kürzeren Rute fischen. An einer Stelle, an der man mehr Platz hat, lohnt sich die Verwendung einer längeren Rute bis rund 2,2 m, um höhere Wurfdistanzen zu erreichen. Das Eigengewicht der Rute spielt ebenfalls eine Rolle, denn schwere Ruten ermüden das Handgelenk bei den Rückhandwürfen schneller. Am Bach ziehe ich Rutenmodelle mit einer parabolischen Aktion vor, da sie die wilden Sprünge der Forellen besser dämpfen können und somit die Gefahr des Ausschlitzens verringern. Beim Gang durch das Dickicht ist darauf zu achten, den feinen Rutenblank nicht zu beschädigen. Dies könnte beim nächsten Wurf einen schmerzlichen Rutenbruch zur Folge haben. Passend zu der Rute sollte eine Rolle angeschafft werden, die vom Eigengewicht her darauf passt. Bei einem Neukauf habe ich deshalb die Rute dabei. Moderne Rollen werden aus leichten und robusten Materialien hergestellt. Die Grössen 1000 bis 2500 eignen sich zum Forellenfischen, wobei ich persönlich die 1000er-Modelle vorziehe. Meine Rolle verfügt über eine fein justierbare Frontbremse, um auch Fische in der Strömung kontrollieren und die Bremskraft einstellen zu können. Beim Rollenkauf ist ebenfalls auf die Übersetzung zu achten. Mit einer zu niedrig übersetzten Rolle wird es bei schnell fliessendem Wasser schwierig, den Köder zu kontrollieren und die Spannung auf der Schnur aufrecht zu erhalten. Dies gilt ebenfalls während des Drills. Die Übersetzung sollte idealerweise irgendwo zwischen 5:1 und 5,9:1 liegen. Die Anzahl der Kugellager ist zweitrangig, es gilt jedoch: Je höher die Anzahl der Kugeln, desto feiner der Lauf. Rollen mit einer soliden Bauweise funktionieren auch mit fünf Kugellagern. Marken wie Shimano oder Daiwa bieten auch in den niedrigeren Preisklassen grossartige Rollen an, die sich für die Forellenfischerei eignen. Einige meiner Kollegen bevorzugen die Angelei mit Multirollen. Hier eignen sich vor allem Multirollen, welche für die Fischerei mit kleinen Ködern konzipiert wurden. Diese sind tendenziell jedoch eher teurer als die Spinnrollen.


Schnur und Vorfach

 Fluorocarbon ab der Stärke 0,2 eignet sich ideal für  die feine Spinnfischerei  am Bach.

Fluorocarbon ab der Stärke 0,2 eignet sich ideal für die feine Spinnfischerei am Bach.

Die direkte Verbindung zum Fisch stellt die Angelschnur da. Tausende verschiedene Angelschnüre werden heutzutage angeboten. Für die Forellenfischerei am Bach sind geflochtene Schnüre besonders interessant. Durch ihre geringe Dehnung spürt man beim Grundangeln mit dem Gummifisch beispielsweise jede Berührung und kann so eher einen Biss von einem Hänger unterscheiden. Auch wird die Führung von Wobblern erleichtert. Meine Rolle ist mit einer 8fach geflochtenen Schnur der Marke «Spiderwire» bespult. Je höher die Flechtung, desto feiner die Ober­fläche der Schnur. Ebenfalls sagt man diesen Schnüren eine höhere Abriebfestigkeit nach. Der schleifende Ton, welcher beim Einkurbeln entsteht, ist bei den Schnüren mit 8fach-Flechtung deutlich geringer als bei den 4fach-Flechtausführungen. Ich habe mich bei meiner Ausrüstung für die Stärke 0.09 mm entschieden, welche eine Tragkraft von 7,5 kg aufweist. Die Färbung der Schnur ist von sekundärer Bedeutung und alleinige Präferenz des Fischers. Jede geflochtene Schnur ist unter Wasser sichtbar, ob pink oder schwarz. Deshalb schaltet man ein nahezu durchsichtiges Vorfach vor. Hier kommt bei mir bewährtes Fluorocarbon zum Einsatz. Die hohe Abriebfestigkeit in Kombination mit der geringen Auffälligkeit macht Fluorocarbon zum idealen Vorfachmaterial. Je nach Gegebenheiten am Bach entscheide ich mich entweder für eine 0,2 mm- oder die 0,25?mm-Ausführung. Die Länge des Vorfachs sollte zwischen 80?cm und 1?m liegen, kürzer würde ich nicht gehen, denn Forellen sind visuelle Räuber. Die Hauptschnur verbinde ich per «Uni zu Uni-Knoten» mit dem Fluorocarbon, einen kleinen Snap binde ich dann noch an das Vorfach, um Köderwechsel schneller vornehmen zu können.


Köder und die Führung

 Kleine Wobbler und  Gummifische gehören  zu den erfolgreichsten Spinnködern und gehören in jede Köderkiste mit dazu.

Kleine Wobbler und Gummifische gehören zu den erfolgreichsten Spinnködern und gehören in jede Köderkiste mit dazu.

Wie auch das Fressverhalten der Fische, ist die Köderauswahl abhängig von der Jahreszeit. Grundsätzlich ernähren sich die Forellen das ganze Jahr über räuberisch, vermehrt jedoch in den wärmeren Monaten Juni – September. Früh in der Saison ist es beispielsweise mit einem flinken Twitchbait schwieriger, einen Fisch zum Anbiss zu überzeugen. Da verwende ich eher einen kleinen Gummifisch mit einem 2 bis 5 Gramm schweren Jighaken, den ich langsam über den Grund zupfe. Ich greife oft zu Gummifischen der Marken Westin, Toppies und Keitech. Wenn die Wassertemperaturen im Frühling zu steigen beginnen, fällt meine Wahl entweder auf die Spinner von Mepps oder auf Twitchbaits. Ein grosser Favorit ist der Luckycraft Pointer in der Ausführung 4,8 cm mit der Tauchschaufel. Ob langsam oder schnell geführt, dieser Köder liefert. Die Farben «Pearl Threadfin Shad», «Golden Walleye» und «Blue Gill» sind meinen Erfahrungen zufolge sehr zu empfehlen. Wichtig sind die Haken. An einigen Gewässern sind nicht mehr als einer oder zwei Haken pro Köder erlaubt. Wenn nur ein Haken erlaubt ist, dann montiere ich am Bauchring des Twitchbaits einen Einzelhaken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Forellen am Bauchhaken eher hängen bleiben als am hinteren Haken. Leider sind die vormontierten Haken vieler Hardbaits zu dünn und biegen dabei schnell auf. Um dies zu verhindern, ist der Kauf von stärkeren Haken zu empfehlen. Dabei setze ich auf die Marken Owner oder VMC, welche auch bei grossen Fischen nicht aufbiegen. Widerhaken sind bei der Fischerei in Fliessgewässern meist verboten, sie sollten zum Schutz der Fische generell entfernt werden. An einem Bach mit vielen kleineren Forellen verzichte ich allgemein auf Drillinge, da diese bei den kleinen Fischen erheblichen Schaden am Kiefer verursachen können, vor allem wenn sie im Feumer um sich schlagen und sich dabei einer der Haken in den Maschen verfängt.


Anhieb, Drill, Landung und Umgang mit dem Fisch

 Ein Feumer mit schonenden Maschen aus Gummi ist bei den sensiblen Forellen Pflicht.

Ein Feumer mit schonenden Maschen aus Gummi ist bei den sensiblen Forellen Pflicht.

Nun folgt der schönste Teil der Geschichte. Man kurbelt ein und sieht, wie eine Forelle dem Köder hinterherjagt. Man lässt ihn kurz stehen, dann beisst sie zu, oder dreht ab. Der Anhieb muss direkt erfolgen, denn viele Versuche hat man nicht zur Verfügung. Er sollte mit einer gewissen Kraft vollzogen werden, aber nicht übertreiben, und man sollte darauf achten, dass die Bremse nicht zu locker eingestellt ist. Die parabolische Rute unterstützt mich dabei, den Anhieb gleichmässig auszuführen, so dass der Haken sich richtig im Fischmaul platzieren kann. Oft springt die Forelle nach dem erfolgreichen Anhieb in die Luft. Sehr wichtig dabei ist dann, dass man die Rutenspitze sofort zur Wasseroberfläche senkt, um dem Sprung entgegenzuwirken. Hält man die Rute zu hoch, riskiert man einen Ausschlitzer. Je nach Gegebenheiten nehme ich während des Drills vorsichtig eine Anpassung an meiner mittelstark eingestellten Bremse vor, damit ich dem Fisch genügend Freiraum beim Kampf geben kann und einen Schnurbruch verhindere. Wenn die Forelle schlussendlich ausgedrillt vor mir auftaucht, greife ich zu meinem Feumer und lande sie. Als erstes benetze ich beide Hände. Dann entferne ich im Wasser den Haken, um den Fisch und mich zu schützen. Ich kontrolliere, ob sich der Fisch während des Kampfs verletzt hat. Am besten belässt man den Fisch in seinem Element, kann ihn aber bei gutem Halt kurz für ein Erinnerungsfoto einige Sekunden aus dem Wasser halten. Im Sommer ist es besonders wichtig, die Fotosession möglichst kurz zu halten, denn das Wasser enthält weniger Sauerstoff. Sprich, die Fische erholen sich weniger schnell vom Kampf. Dabei ist zu beachten, dass dieser Prozess direkt über dem Wasser vollzogen wird. Da Forellen über eine feine Schleimschicht verfügen, sind sie sehr anfällig auf Pilzbefall und sonstige Krankheiten. Daher ist beim Umgang mit diesen Fischen besondere Vorsicht geboten. Wenn ich den Fisch verwerten will, betäube ich die Forelle mit gezielten Kopfschlägen des Fischtöters. Kurz darauf folgt dann der Kiemenschnitt. An warmen Sommertagen ist eine mitgebrachte Kältetasche von grossem Vorteil, damit das Fleisch nicht verdirbt.

 Der respektvolle Umgang mit dem Tier ist bei diesen wunderschönen Fischen besonders angebracht.

Der respektvolle Umgang mit dem Tier ist bei diesen wunderschönen Fischen besonders angebracht.

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