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| 27 | 01 | 2026 | Praxis | |
| 27 | 01 | 2026 | Praxis |
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Der Lungerersee ist ein äusserst beliebtes Gewässer für Tagesausflügler aus der ganzen Schweiz. Rund 20?000 Besucher versuchen jährlich ihr Glück auf die eingesetzten Regenbogenforellen. «Petri-Heil» hat vor Ort die stets beliebter werdende Fischerei mit Micro-Jigs ausprobiert.
Die Regenbogenforelle ist eine der wichtigsten Fischarten der Schweiz, besonders für die zahlreichen Gelegenheitsfischer, die irgendwann mal den SaNa gemacht haben und ihr Glück ein- oder zweimal im Jahr versuchen. Dem kommt entgegen, dass sie mit einer Vielzahl von Ködern gefangen werden kann, selbst dann, wenn sie mehr oder weniger direkt aus der Zucht kommt, wo sie sich ihr Leben lang nur von braunen oder schwarzen Pellets ernährte. Regenbogenforellen haben also offenbar einen angeborenen Instinkt, der sie bei Bienenmaden, grellgrünem Teig, kleinen Gummifischen, Nassfliegen, Würmern, Spinnern, Spoons und eben auch Micro-Jigs zum Anbeissen stimuliert. Von diesen Regenbogenforellen gibt es im Lungerersee zahlreiche, und trotzdem ist ihr Fang nicht immer einfach. Erstens können sie sich in den Weiten des Sees gut verteilen, so dass man sie als Fischer richtig suchen muss. Und zweitens muss die Präsentation eines Köders stimmig genug sein.
Wer Fische zuverlässig fangen will, muss Gerät, Haken, Verbindungsteile und Schnur überlegt aufeinander abstimmen und den Köder raffiniert anbieten, selbst wenn die Fische nur wenige Tage in ihrem plötzlich grossen neuen Zuhause verbracht haben. Eine verhältnismässig neue Technik, die die Erfordernisse von genau abgestimmtem Gerät auf die Spitze treibt, ist das Fischen mit Micro-Jigs, welches vor ein paar Jahren von den deutschen und italienischen Angelseen zu uns gelangte.
Micro-Jigs sind auf den ersten Blick gar nicht so klein, die madenartigen Gummi-Köder haben eher die Grösse einer richtig grossen Bienenmade. Die Jig-Köpfe hingegen sind wirklich leicht, das Gewicht von Haken und Tungsten-Kopf zusammen liegt so zwischen 0,7 und etwas mehr als einem Gramm. Mit der montierten Gummimade kommt man auf etwas über drei Gramm, die sich im Unterschied etwa zu einem Ultra-Light-Spoon mit vergleichbarem Gewicht dank der geringeren Dichte deutlich schlechter werfen lassen. Noch grösser sind die Plastikbienenmaden mit dem sinnigen Namen «Bazillus», die wir an diesem Morgen ebenfalls den Regenbogenforellen zur Probe vorsetzen. Sie riechen dermassen streng, dass man sie kaum anfassen mag und «micro» ist an diesen Maden tatsächlich kaum noch was. Doch zupft man sie, so entfalten sie unter Wasser ein verführerisches Spiel, ein genug dünnes Vorfach und kleine Wirbel vorausgesetzt. Wer damit aber auf halbwegs anständige Wurfweiten kommen will, muss feines Zeug zur Hand haben.
Entsprechend begann die erste Herausforderung schon am Vorabend: Ich montierte die ultra-dünne Geflochtene (Angabe auf der Verpackung ist 0,04 mm) und verknüpfte sie per Albright-Knoten mit einem 0,14er-Vorfach von Stroft mit 2,3 Kilo Tragkraft, was unter der Küchentisch-Lampe bereits richtig schwierig war. Bei zwei Grad draussen, mit Wind und langsam klammen Fingern wollte ich mir das Binden gar nicht erst ausdenken. So hatte ich mir also zwei filigrane Spinn-Kombis zurecht gemacht; zwei extra-leichte Ruten, einmal die Fanatic No.1 von Stucki und einmal die Shirasu Superior Micro von Balzer, beide mit einem Wurfgewicht von etwa 1 bis 7 Gramm. Auf meine kleinsten Spinnrollen zog ich einmal eine 0,06er- und die erwähnte 0,04er-Hauptschnur auf; 100 Meter von diesem Durchmesser bringt man problemlos auf eine sozusagen volle Rollenspule drauf. Dann noch die kleinsten Wirbel angeknotet und nachdem ich mich versichert hatte, dass die Bremse auch ja nicht zu streng angezogen war, konnte es losgehen.
Wie eingangs erwähnt, können sich die Forellen im Lungerersee ganz gut verteilen. Und da mich Dani Odermatt, Geschäftsführer des Fischerparadieses Lungern für einige Zeit auf dem Wasser begleitet, sind wir per Boot unterwegs. Gleich vor dem Steg orten wir die ersten Forellen, doch wie es eben so ist, wollen wir nicht einfach mit dem Boot 20 Meter rausfahren, um dort zu ankern. Da kann man ja gleich vom Steg aus fischen. Also halten wir uns nicht ans Credo «never leave fish to find fish» und machen uns auf die Suche nach weiteren Forellen, die sich mit Ringen an der Oberfläche bemerkbar machen. «Im Moment ist es nicht ganz einfach, sie zu finden. Jeden Morgen fliegen Kormorane ein und bringen grosse Unruhe in den See. So verteilen sich die Fische mehr als sonst üblich», meint Dani. Nach einer ausgiebigen Rundfahrt vor verschneiter Kulisse mit Blick auf das Schreckhorn, den nördlichsten Viertausender Europas, kehren wir halt doch vor den Steg zurück und verzeichnen sogleich wieder Bisse. Aufs Geratewohl die Köder zu werfen, ist bei dieser Fischerei nicht angezeigt. Man müsse wissen, wo die Fische stehen, um sie mit Micro-Jigs zu fangen, betont Dani Odermatt: «Micro-Jigs sind denkbar ungeeignet als Suchköder. Man kann sie nicht weit werfen und sie sind weniger auffällig als etwa ein Spoon. Doch wenn man die Fische geortet hat, sind die Maden-Jigs dank ihrer Aktion und ihrer Aromatisierung hoch effektive Köder.»
Mit dem feinen Gerät gelingen uns Wurfweiten von etwa 20 Metern und die dünne Schnur sorgt dafür, dass die Köder schnell genug absinken und auf den feinsten Zupfer reagieren. Während die Bazillus-Maden verführerisch drehen, vibrieren die mehrfarbigen und gerippten Trout-Collector-Maden bereits beim geringsten Zug. So ist es tatsächlich ein Leichtes, den Ködern mit kleinen Bewegungen der Rutenspitze oder einem Ändern der Einzugsgeschwindigkeit Leben einzuhauchen. Der starke Knoblauch-Geruch der Gummiköder steuert schliesslich das Seinige zur Fängigkeit bei. Und das Beste am Ganzen kommt, wenn eine Forelle am anderen Ende hängt: Mit der leichten Rute und der dünnen Schnur ist der Drill deutlich spannender und fordernder als am robusten Gerät. Die Bremse hat etwas zu tun, und auch wenn es eine Regenbogenforelle aus der Zucht nicht mit ihren wilden Verwandten aufnehmen kann, so ist hier der Kampf deswegen nicht von vornherein entschieden.
Nach wenigen Stunden Fischerei bin ich positiv überrascht: Die Köder haben mich mit ihrem Laufverhalten überzeugt, das ultrafeine Gerät macht die Fischerei spielerisch und wenn ein Fisch hängt, gibt es ordentlich was zu tun. In Gedanken an die anstehende Saison freue ich mich, bald mal eine Micro-Jig-Made an meine Fliegenschnur zu knüpfen und damit den Fliegenfischer in mir und die Forellen im Bach zu ärgern – es könnte ein Heidenspass werden!
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