[Luc Malbois – ]Aus gutem Holz geschnitzt!
11 | 12 | 2020 DiversesText & Interview: Stefan Wenger | Fotos: Luc Malbois 0470
11 | 12 | 2020 Diverses
Text & Interview: Stefan Wenger | Fotos: Luc Malbois 0 470

Luc Malbois – Aus gutem Holz geschnitzt!

Wann gehe ich wo mit welchem Köder ans Wasser? Manche Fischer verraten am liebsten gar nichts. Und es gibt gar welche, die absichtlich Fehlinformationen streuen. Zum Glück lernt man ab und zu auch offene Fischer kennen. Luc Malbois aus Martigny gehört zu dieser Sorte. Auch wenn sein Name etwas anderes nahelegt: Malbois ist aus bestem Holz geschnitzt.


Stefan Wenger: Wie bist Du zum Fischen gekommen?

Luc Malbois: Schon als kleiner Knirps, der kaum laufen konnte, hat mich die Natur fasziniert. Wenn ich ein Insekt oder eine Eidechse sah, konnte ich das Tier stundenlang beobachten. Die ersten Fische, die ich sah und natürlich auch fangen wollte, schwammen im Teich vor dem Haus meiner Eltern. Am Rande dieser winzigen Pfütze habe ich schon als kleiner Bengel versucht, das Verhalten der Fische zu beobachten und zu verstehen. Als ich etwa sechs Jahre alt war, ging ich ein paar Mal mit meinem Cousin angeln. Dort hat mich das Fischervirus gepackt und seither nicht mehr losgelassen.

Mit 10 Jahren wagte ich meine ersten Würfe mit der Fliegenrute. Klar war ich nicht sehr erfolgreich. Und trotzdem hatte ich grossen Spass. Weil ich noch zu jung war, um den Angelschein selbst lösen zu können, kaufte ihn meine Mutter. So durfte ich sie begleiten. Während sie den Hund spazieren führte und Pilze sammelte, setzte sie mich an den Sarvaz-Kanal, um zu fischen.


Was fasziniert Dich am Fliegenfischen?

Ich liebe das Fliegenfischen mit der Nymphe auf Sicht. Man berücksichtigt dabei ja die Tiefe und die Strömung und achtet konzentriert auf die Aktion und Reaktion der Fische. Wer weiss, was die Fische gerade am liebsten fressen, wird mit der Nymphe auf Sicht besonders erfolgreich sein.

Schliesslich ist Fliegenfischen nicht bloss eine Frage der Wurftechnik. Wer erfolgreich Fliegenfischen will, muss viel wissen. Er muss die Zusammenhänge in der Natur verstehen und das Verhalten der Insekten und Fische kennen. Wer in diese geheimnisvolle Welt eintaucht, erkennt schnell, dass viele Faktoren den fischereilichen Erfolg beeinflussen. Man kann fürs Fliegenfischen also leidenschaftlich viel Zeit und Energie aufwenden.


Wo hat Dich die Suche nach Forellen schon überall hingeführt?

Ich gebe zu, ich liebe die Jagd nach Trophäen, das heisst, nach wirklich kapitalen und schönen Fischen. Für mich liegt der grösste Reiz des Fliegenfischens im Anpirschen an den Fisch und weniger beim Drill. Die wirklich grossen Forellen sind für mich so einzigartig und schön, dass es sich lohnt, viele Kilometer weit zu gehen und viel Zeit für einen Fang zu investieren. Und so bin ich den grossen Farios schon auf der ganzen Welt hinterhergelaufen. In Frankreich, Italien, auf dem Balkan, in Island und Neuseeland und natürlich auch im Wallis.


Dein Kurzfilm «Jour J», der am Fliegenfischer-Filmfestival «Rise» gezeigt wurde, spielt ja in Island. Was war besonders an dieser Reise?

Bereits vor einigen Jahren war ich zum ersten Mal mit Freunden in Island. Die Bedingungen waren damals nicht sehr gut. Wir hatten zwar das Glück, Fische zu sehen, konnten sie aber nicht fangen. Uns wurde aber klar, was dieses Land für Fliegenfischer zu bieten hat. Bei der zweiten Reise nach Island wussten wir dann genau, wie und auf welche Fische wir fischen wollten. So versuchten wir uns an den riesigen Forellen im See Thingvallavatn im Südwesten der Insel und konnten einige grosse Fische überlisten – vielleicht die schönsten, die ich bisher gefangen habe. Sie haben eine unglaubliche Kraft. Manche Fische rissen uns 160 bis 180 Meter Backing von der Rolle. Man konnte meinen, es mit einem Tarpon zu tun zu haben.


Diesen Sommer hast Du in Slowenien eine riesige Marmorata gefangen. Kannst Du uns diese Geschichte dazu erzählen?

Ich fahre schon seit einigen Jahren nach Slowenien. Immer mit dem Ziel, eine grosse Marmorata zu fangen. Ein Freund von mir, ein absoluter Spezialist im Fliegenfischen mit der Nymphe auf Sicht, fängt regelmässig schöne Marmorata-Forellen. Diesen Sommer versuchte ich es auf eigene Faust. Der Wasserstand war niedrig und es herrschten Temperaturen bis 35 Grad Celsius. Keine optimalen Bedingungen für das Fischen mit der Trockenfliege, aber für das Sichtfischen mit der Nymphe waren sie perfekt.

Nach stundenlangem Suchen entdeckte ich eine prächtige Marmorata, die drei Meter tief knapp über dem Grund stand. Ohne zusätzliche Beschwerung war es schwierig, mit der leichten Nymphe so tief zu fischen. Weil es wenig Strömung hatte, versuchte ich trotzdem einige Würfe. Sobald die Nymphe einen Meter vor der Forelle war, verschwand diese unter einem Felsen. Sie wollte meine Nymphe nicht.

Ich kehrte während der Woche noch einige Male zu dieser grossen Marmorata zurück. Wenn ich sie sah, war sie fast unerreichbar tief unten am Boden. Um sie nicht aufzuschrecken, riskierte ich keinen Versuch, wenn sie nicht am Fressen war. Also liess ich sie in Ruhe. Am letzten Tag ging ich nochmals hin. Sie war wieder tief unten und frass nicht. Also dachte ich mir, dass mein Abenteuer vorbei sei und ich es im nächsten Jahr nochmals versuchen werde. Auf dem Weg zurück zum Wohnmobil traf ich zwei nette Jungs, denen ich meine Geschichte erzählte. Sie lachten und meinten: «Einen Gumpen weiter oben, wo du gefischt hast, haben wir eine Marmorata gesehen, die einen Meter lang ist. Jeden Abend gehen wir daran vorbei und werfen ihr etwas Brot zu. Sie liebt Brot, aber mit der Fliege kann man sie bei diesem Wasserstand nicht fangen!» Ich lachte zu mir selbst und dankte insgeheim für diesen Hinweis. Mit meiner Brotfliegenimitation, die ich sonst zum Fischen auf Karpfen verwende, ging ich hinauf zum Pool. Die Forelle war da. Ich warf die befeuchtete Brotfliege einige Meter vor die Marmorata in die Strömung und liess sie absinken. Als die Brotfliege 30 Zentimeter vor der Forelle war, stieg sie hoch und schlürfte die Brotimitation ein. Ich hakte sie und konnte es kaum glauben. Es folgte ein heftiger Kampf, bis ich die Königin dieses Pools im Feumer hatte. Sie war ziemlich genau einen Meter lang und schön gezeichnet. Der Fisch meiner Träume. Zugegeben, es gibt schönere Fangmethoden. Das Erlebnis und der kräftige Fisch prägten sich aber tief in meiner Erinnerung ein. Eine Marmorata auf Brotfliege – wer hätte das je gedacht! So gut ich es konnte, schoss ich zwei Fotos, bevor ich den Fisch vorsichtig in die Tiefen des Pools entgleiten liess.

 Luc Malbois mit einer Forelle aus Neuseeland. Der Spruch auf dem Cap ist bezeichnend: «Eat, Sleep, Fish» (Essen, Schlafen, Fischen).

Luc Malbois mit einer Forelle aus Neuseeland. Der Spruch auf dem Cap ist bezeichnend: «Eat, Sleep, Fish» (Essen, Schlafen, Fischen).

 Die riesige Marmorata aus Slowenien fiel auf einen unüblichen Köder herein.

Die riesige Marmorata aus Slowenien fiel auf einen unüblichen Köder herein.

 Die unverbauten Bäche des Ostens sind die Heimat der Marmorata und ein beliebtes Fliegenfischer-Reiseziel.

Die unverbauten Bäche des Ostens sind die Heimat der Marmorata und ein beliebtes Fliegenfischer-Reiseziel.

 Eine Grossforelle aus dem Südwesten Islands: «Sie haben eine unglaubliche Kraft», weiss Luc Malbois.

Eine Grossforelle aus dem Südwesten Islands: «Sie haben eine unglaubliche Kraft», weiss Luc Malbois.


Woher nimmst Du die Ausdauer, um so lange einem einzigen Fisch nachzustellen?

Ich denke viel über meine Fischerethik nach. Es macht mir keinen Spass, möglichst viele Fische zu fangen. Weil ich die meisten Fische wieder zurücksetze, ziehe ich es vor, weniger, dafür aber grössere Fische zu fangen. Für mich ist die Freude einen Fisch zu fangen umso grösser, je mehr ich nach ihm gesucht habe. Und jeder Trophäenfisch ist und bleibt ein einzigartiger und unvergesslicher Fisch.


Hast Du im Wallis auch schon so prächtige Fische gefangen?

Ich konnte schon grosse Hechte und Karpfen überlisten, aber eine Forelle dieser Grösse habe ich im Wallis noch nie gefangen. Vor zwei Jahren hakte ich in einem Walliser Bergsee eine grosse Cristivomer (Namaycush). Leider riss meine Schnur. Eines Tages werde ich sie aber bestimmt, und vielleicht noch etwas grösser, in meinem Feumer haben.


Weshalb dokumentierst Du Deine Fischerei?

Ich möchte meine gute Zeit mit anderen teilen. Nur wenige Menschen verstehen, was Fischen wirklich heisst. Viele haben eine völlig falsche Vorstellung. Deshalb versuche ich mit meinen Geschichten, Fotos und Videos das Bild zu vermitteln, was Fischen wirklich ist. Ich zeige, dass es süchtig machen kann, dass es aufregend ist, viel Vorbereitung, Ausdauer und Präzision erfordert, dass Fischen eine Lebenseinstellung ist.


Was sind Deine nächsten Ziele?

Nächstes Jahr werde ich mit Kursen und Guiding für interessierte Personen beginnen. Im Wallis, im Jura, in Italien oder in Österreich gibt es einige schöne Strecken zu entdecken. Ich werde auch Reisen organisieren, zum Beispiel zu den riesigen Forellen in Island. Und ich träume weiterhin von prächtigen Fischen. Beispielsweise von einer Walliser-Cristivomer von mehr als zehn Kilogramm oder einer grossen Dorade, einem Arapaima, einem Giant Trevally. Ich weiss, die Liste ist lang. Aber ein Freund hat mir einmal gesagt, dass jemand, der leidenschaftlich ist, auch geduldig ist. 

 

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