Felchentaktik
01 | 02 | 2016 PraxisText: Lukas Bammatter 02372
01 | 02 | 2016 Praxis
Text: Lukas Bammatter 0 2372

Felchentaktik

Felchenfischen mit der Hegene ist eine spannende und kurzweilige Angelegenheit – zumindest wenn man fängt. Dazu muss man die richtigen Stellen und die passenden Köder kennen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Felchen das ganze Jahr über finden und fangen.

Felchenfischen hat fast schon etwas Meditatives. Immer wieder hebe ich meine Rute im Zeitlupentempo an und lasse sie anschliessend wieder sanft absinken. So gemächlich die Köderführung auch ausschauen mag, so gespannt sind meine Sinne. Gebannt fixieren meine Augen die feine Rutenspitze. Jeden Moment erwarte ich einen Biss. Und dann passiert es. Kaum spürbar, kein Zupfer, kein Ziehen, nur ein kurzes Nachlassen der Schnurspannung. Pfeilschnell schiesst mein Arm nach oben und im gleichen Atemzug verbiegt sich die feine Rute zum Halbkreis.

Langsam kurble ich den Fisch nach oben. Erst ist es nur ein Aufblitzen in der Tiefe, dann erkenne ich die silbernen Flanken einer mittvierziger Felche. Kurz vor dem Feumer zeigt sie ihr wahres Kämpfernaturell. Einem wilden Sprung folgt eine lange energische Flucht unters Boot. Häufig verfängt sich die Hegene bei solchen Fluchtversuchen im Ankerseil und der Fisch geht verloren. Diesmal geht alles glatt und ich kann den Fisch über den Feumer führen.


Finden und fangen

Bevor man in den Genuss eines Felchendrills kommt, muss man die Fische erst finden. Das bedeutet, die Felchen nicht nur zu lokalisieren, sondern auch herauszufinden, in welcher Tiefe die Fische stehen. Nicht immer und auf jedem See zeigen die typischen Bootpulks der lokalen Felchenfischer den Aufenthaltsort der Fische an. Ein fast unentbehrliches Instrument um die Felchen zu lokalisieren, ist das Echolot. Doch bevor man sich auf die Suche nach den Felchen macht, muss man erst einmal wissen, wo und wonach man suchen muss. Der Aufenthaltsort der Felchen wird durch zwei Faktoren massgeblich beeinflusst: Die Wassertemperatur und das Nahrungsangebot. Beides ändert sich im Verlauf des Jahrs. Im Winter finden wir das wärmste Wasser und damit auch die Felchen über dem Gewässergrund. Mit steigender Wassertemperatur im Frühjahr bildet sich zwischen dem permanent vier Grad kalten Tiefenwasser und dem erwärmten, zirkulierenden Oberflächenwasser die Sprungschicht. Sie befindet sich zwischen 5 bis 20 Meter Tiefe. In diesem Bereich finden wir das höchste Temperaturgefälle, im Sommer von 4 bis über 20 Grad. Am wohlsten fühlen sich die Felchen bei einer Wassertemperatur von etwa 12 Grad. Bei dieser Temperatur ist ausreichend Sauerstoff im Wasser gelöst und der Stoffkreislauf der Fische läuft auf Hochtouren. Im Vergleich zum Winter stehen die Felchen also flacher und zudem oft vertikal über mehrere Meter verteilt.
 
Auf dem Echolot machen sich die silbrigen Salmoniden selten als geklumpter Fischschwarm bemerkbar. Sie stehen weniger dicht als beispielsweise Egli oder Weissfische. Felchen ziehen auf der Nahrungssuche meist umher. Daher sind auf dem Echolotbildschirm oftmals nur einzelne Fische oder kleine Trupps zu erkennen. Oft ziehen die Fische auf einer grösseren Fläche. Sieht man an einer Stelle viele Insekten auf dem Wasser oder in der Luft, kann man darauf schliessen, dass auch unter Wasser Insekten vorhanden sind und dort von den Felchen gefressen werden.


Köderwahl

Insekten in der Luft sind nicht nur ein Hinweis auf eine gute Stelle, sie liefern uns auch Hinweise, was die Felchen gerade fressen. Denn beim Fischen mit der Hegene hängt die Köderwahl von den bevorzugten Beutetieren der Felchen ab. Die verwendeten Nymphen sollten den natürlichen Vorbildern in Grösse, Form und Farbe möglichst nahe kommen. In der kalten Jahreszeit sind dunkle Töne wie Schwarz, Braun und Dunkelviolett eine gute Wahl. Das hat wohl damit zu tun, dass solche Farben bei der geringen Lichtmenge, die im Winterhalbjahr in die Tiefe gelangt, den besseren Kontrast abgeben. Im Sommerhalbjahr fangen helle, auffällige Muster in Grün, Gelb, Lila und Rot besser. Auch die Farbe des Kopfs kann einen Einfluss auf den Fangerfolg haben. Einfach und fängig werden Nymphenköpfe mit kleinen Perlen gebaut. Diese sollten in Anlehnung an die Körperfarbe in der kalten Jahreszeit eher dunkel sein (schwarz, braun, zimtfarben) und im Sommer häufiger grell (pink, hellgrün). Rote Köpfe erzielen häufig das ganze Jahr über gute Fänge.


Richtig montiert

Die Nymphenhegenen zum Felchenfischen kann man sich leicht selbst herstellen. Das hat den Vorteil, dass man seine Köder den Fressvorlieben der Felchen in seinem Gewässer anpassen kann. Zum Binden der Nymphen haben sich goldene Haken der Grössen 10 bis 16 bewährt. Die Hakengrösse sollte im Verhältnis zu den echten Insektennymphen stehen. Bindefäden und ein paar Packungen Glasperlen in den passenden Farben komplettieren das Hegenen-Bastelset. Um die Nymphen zu binden benötigt man keinen hochwertigen Bindestock, wichtig ist nur, dass er den Haken sicher hält. Nachdem man die Perle auf den Haken geschoben hat, beginnt man den Bindefaden vom Hakenöhr her aufzuwickeln. Dabei muss man darauf achten möglichst gleichmässige, eng anliegende Wicklungen zu machen und nicht zu viel Faden aufzutragen. Zwei bis maximal vier Schichten genügen vollends. Abschliessend wird die Nymphe mit klarem Nagellack versiegelt.

Zum Knüpfen der Hegene sollte eine Monofilschnur der Stärke 0,16 bis 0,20 Millimeter verwendet werden. Die Gesamtlänge der Hegene muss dem Standort der Felchen angepasst werden. Im Winterhalbjahr, wenn die Fische dicht über Grund stehen, sollte die Hegene nicht länger als 1,30 Meter sein. Im Sommerhalbjahr verteilen sich die Felchen im Mittelwasser. Dann sollte die Hegene nicht zu kurz ausfallen, 2,40 Meter bis 2,80 Meter darf sie schon lang sein. Die Seitenarme sollten zwei bis drei Zentimeter lang sein und nach oben vom Hauptstamm abstehen. Die Nymphen werden mit einem Schlaufenknoten (Rapala-Knoten) angebunden. Wichtig ist, dass man den Haken mit der Spitze nach aussen einbindet. So werden die Felchen meist in der oberen, festeren Mundpartie gehakt und schlitzen seltener aus.

Als Endbeschwerung dient ein Oliven- oder Klemmblei mit sieben bis zehn Gramm Gewicht. Anstatt fünf Seitenarme einzubauen, ziehe ich es vor die letzte Nymphe als Nachläufer hinter dem Blei einzuschalten. Bei der Montageversion mit dem Klemmblei wird diese einfach ans Ende des Hauptstamms angeknotet und das Gewicht 10 bis 15 Zentimeter darüber fixiert. Wenn die Felchen dicht über Grund stehen erfolgen die meisten Bisse auf diese Nymphe.

Zum Schluss noch etwas zum Gerät. Eine feine Rute mit sensibler Spitze ist Pflicht, um die zarten Bisse der Felchen zu erkennen. Noch besser gelingt die Bisserkennung in Kombination mit einer dünnen Geflechtschnur (0,04 bis 0,10 mm). Wählt man eine mehrfarbige Schnur hat man zudem die Möglichkeit nach einem Drill oder Fehlbiss schnell wieder die fängige Tiefe zu finden.

 

 Viele Felchenfischer verwenden zum Landen der Felchen einen Feumer mit Drahtnetz. Die Haken der Hegene können sich darin nicht verfangen.

Viele Felchenfischer verwenden zum Landen der Felchen einen Feumer mit Drahtnetz. Die Haken der Hegene können sich darin nicht verfangen.

 Montage

Montage

 Felchenbisse sind meist sehr fein, aber im Drill zeigen sich die Silberlinge von ihrer kämpferischen Seite.

Felchenbisse sind meist sehr fein, aber im Drill zeigen sich die Silberlinge von ihrer kämpferischen Seite.

 An Schweizer Mittellandseen sind solche Felchenstrecken mit der richtigen Stellen- und Köderwahl fast täglich möglich.

An Schweizer Mittellandseen sind solche Felchenstrecken mit der richtigen Stellen- und Köderwahl fast täglich möglich.

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