[Einfaches Fischen auf Egli:]</br>Mit Köderfisch und Lockperle
26 | 05 | 2026 PraxisText & Fotos: Erik Axner 0421
26 | 05 | 2026 Praxis
Text & Fotos: Erik Axner 0 421

Einfaches Fischen auf Egli:
Mit Köderfisch und Lockperle

Der Egli ist einer der häufigsten Fische Europas und kommt praktisch überall vor. Raubfisch-Experte Erik Axner stellt den grossen Egli mit einfachen Methoden nach.


Für einen Egli-Fischertag war bei mir bisher das Boot fast bis zum Rand mit Köderboxen gefüllt, vollgestopft mit Shads, Spinnern, Crankbaits und anderen Ködern. Aber heute verfolge ich mit meinem Kollegen Fredrik einen anderen Ansatz. Wir wollen die Egli mit Naturködern fangen – eine einfache, aber äusserst effektive Taktik, um an grosse Egli heranzukommen.

Auf dem Boot montiert Fredrik einen kleinen Elektromotor und ein einfaches Echolot. Das erste Tageslicht hat sich noch nicht gezeigt, als wir geräuschlos auf den spiegelglatten See hinausfahren. Der Nebel ist dicht, und an der Oberfläche sehen wir kleinere Fische, die Insekten jagen, und neben einem Seegrasfeld erkennen wir die ersten Anzeichen von aktiven Egli: Unruhige Fischchen brechen an die Oberfläche, und wir hören das schlürfende Geräusch, das nur ein Egli auf der Jagd erzeugen kann, wenn er Luft ansaugt, während er versucht, einen kleineren Fisch zu fressen. Das Echolot zeigt einen grossen Schwarm Kleinfische unter uns, aber auch einige grössere Signale näher am Seegrasfeld.

 Besonders spannend: Direkt unter dem Boot gefischt kann man die Bisse mit dem Zeigfinger erfühlen.

Besonders spannend: Direkt unter dem Boot gefischt kann man die Bisse mit dem Zeigfinger erfühlen.


Direkt unter dem Boot

Unsere Köderfische haben wir im Voraus gefangen, entweder mit einer normalen Rute und einem kleinen Zapfen oder mit einer Reuse. Die Fischchen sind ordentlich in einem kleinen Plastiksack verstaut. Das Rotauge wird ganz vorne an der Nase am Haken befestigt, und schon können wir loslegen. Fredrik reicht mir dafür eine Rute, bestückt mit einem Lochblei von etwa 20 Gramm, gefolgt von einem Fluorocarbon-Vorfach von 0,30 mm, das mit einem Wirbel an der Hauptschnur befestigt ist. Das verhindert, dass das Blei in Richtung Haken rutscht. Am etwa 60 cm langen Vorfach sitzt ein kleiner Einzelhaken der Grösse 4 bis 6. «Es ist wichtig, einen dünnen, aber starken Haken mit breitem Hakenbogen zu verwenden, um die Hakeigenschaften zu maximieren», sagt Fredrik, als ich die Montage begutachte.

Direkt über dem Haken befindet sich eine fluoreszierende rote Perle, die unter Wasser für Aufmerksamkeit sorgt. Mit dieser Technik fischen wir direkt unter dem Boot. Dabei legt man den Zeigefinger auf die Schnur, unmittelbar vor der Spule, um selbst die vorsichtigsten Bisse zu erkennen. Die Rutenspitze dient ebenfalls als Indikator. Wenn ein Egli anbeisst, senkt Fredrik die Rutenspitze langsam und gleichmässig in Richtung Oberfläche, um dem Fisch etwas Zeit zu geben, den Köderfisch richtig zu schlucken.

 Eglifischen im Sommer bedeutet auch früh aufstehen. Die beste Zeit endet meistens gleich nach Sonnenaufgang.

Eglifischen im Sommer bedeutet auch früh aufstehen. Die beste Zeit endet meistens gleich nach Sonnenaufgang.


Am besten bei Sonnenaufgang

Ich habe kaum Zeit, den Grund zu erreichen, da biegt sich die Spitze von Fredriks Rute schon zur Oberfläche – ein gieriger Egli hat seinen Köderfisch sofort attackiert. Eine Kombination aus Können, Technik und Kenntnis seiner Angelplätze hat sofort zum Erfolg geführt, und im Netz liegt nun ein wunderschöner, etwa ein Kilogramm schwerer Egli. Direkt unter dem Boot befinden sich noch weitere grössere Fische, die wir deutlich auf dem Echolot sehen können, und genauso deutlich sehen wir, wie sie aufsteigen, um meinen Köderfisch zu begutachten. Innerhalb einer Minute spüre ich ein sanftes Zupfen an der Schnur, die auf meinem Finger ruht und ich spüre ein Gewicht durch die Rute. «Senk die Rute ins Wasser!», weist mich Fredrik an. Ich warte ein paar Sekunden und setze den Haken mit einer schwungvollen Bewegung. Heftiges Kopfschütteln zeigt an, dass ein weiterer Egli den Köder genommen hat. Mit leichten Ruten, dünnen Schnüren und kleinen Haken muss man den Fisch sanft drillen, und dieser hier wehrt sich wirklich heftig. Kurze Fluchten und Kopfschütteln sind typisch für den Egli.

 Je mehr mit Kunstködern gefischt wird, desto interessanter wird das Fischen mit dem toten Köderfisch.

Je mehr mit Kunstködern gefischt wird, desto interessanter wird das Fischen mit dem toten Köderfisch.


Interessante Bereiche

Bereiche, die viel Deckung bieten, wie umgestürzte Bäume, grosse Seegraswiesen oder ein Haufen Reisig, in Kombination mit einem gesunden Bestand an Köderfischen, sind oft Anzeichen für grosse Egli. Genau danach hält Fredrik Ausschau, wenn er neue Bereiche im Gewässer erkundet. Ansammlungen von Köderfischen sind einfach zu erkennen: Du kannst an einem ruhigen Tag, wenn die Oberfläche glatt ist, einfach herumfahren und über das Wasser schauen. Wenn Du Glück hast, kannst Du sogar Eglijagden beobachten, besonders in den frühen Morgenstunden und am späten Abend.

Mit dem Elektromotor erkunden wir ein Seegrasfeld, den Blick fest auf das Echolot gerichtet. Kleine Veränderungen in der Vegetation bilden Nischen im Seegras, in denen sich die Egli verstecken können, und es dauert nicht lange, bis sie wieder Interesse an unseren Ködern zeigen. Hier einen Egli dazu zu bringen, einen Kunstköder zu fressen, wäre in dem dichten Kraut eine schwierige Herausforderung, doch der tote Köderfisch funktioniert hier perfekt. Die fluoreszierende Perle ist dabei ein entscheidendes Detail. Sie hebt unseren Köderfisch aus dem Schwarm da unten hervor, möglich sogar, dass sie einen Futterneid beim Egli hervorruft.

 Mit der Zapfenmontage kann man direkt zu den aktiven Egli werfen. Lange aufs Abtauchen warten muss man dabei kaum.

Mit der Zapfenmontage kann man direkt zu den aktiven Egli werfen. Lange aufs Abtauchen warten muss man dabei kaum.


Mit dem Zapfen mitten ins Fressen

Plötzlich entdecken wir eine Schule von Egli, die nicht weit vom Boot entfernt an der Oberfläche jagt. Die in Panik geratenen Köderfische flüchten hin und her oder springen direkt aus dem Wasser. Fredrik hat eine weitere Rute dabei, bestückt mit einem Zapfen, an welche er schnell ein Rotauge montiert und mitten in den Fressrausch auswirft. Der Zapfen gleitet auf der Schnur und die Tiefe wird mit einem einfachen Stoppknoten an der Schnur eingestellt, in diesem Fall etwa einen Meter über dem Haken, um den Köder nahe an der Oberfläche zu halten. Ein kleineres Bleigewicht hält den Köderfisch unter Wasser, und am Ende der Montage verwendet er denselben Vorfachtyp – natürlich mit einer roten Perle. Diese Art von Montage ermöglicht das Angeln auf Distanz und lässt sich leicht auf die gewünschte Tiefe einstellen. Der Stoppknoten lässt sich bei Bedarf leicht auf die Rolle einholen.

Die wärmende Sonne schimmert auf der Oberfläche, die immer noch von einer dicken Schicht Morgennebel bedeckt ist. Die Schnur liegt flach auf dem Wasser und der Zapfen ruht ein paar Sekunden lang, bevor er plötzlich schnell unter die Oberfläche taucht. Mit einem schwungvollen Anhieb fängt Fredrik den nächsten Egli. Wahrscheinlich einer der Fische, die vor wenigen Augenblicken die Klein­fische aufgerieben haben.

Zwar sei es in den meisten Fällen besser, nah am Grund zu fischen, meint Fredrik. Aber wenn man aktive Fische sieht, sollte der Köderfisch stets nah an der Oberfläche präsentiert werden.

Wenn Du einen Egli auf dem Echolot siehst, lass Deinen Köderfisch so nah wie möglich an ihn heran, aber halte ihn etwas darüber. Bemerkt der Egli den Köder, kannst Du oft einen Biss auslösen, indem Du die Schnur langsam einholst, um etwas Bewegung zu erzeugen.

 Seit jeher erfolgreich und mit der Lockperle gleich noch fängiger: ein gut fingerlanger Köderfisch.

Seit jeher erfolgreich und mit der Lockperle gleich noch fängiger: ein gut fingerlanger Köderfisch.


Fisch für Frühaufsteher

Bevor es ganz hell wird, fressen die Egli ausserhalb ihrer Unterstände, aber wenn die Sonne höher steigt, suchen sie Schutz im dichten Seegras, wo sie sich sicherer fühlen. Im Lauf des Vormittags gehen die Köderfische, die Fredrik mitgebracht hat, schnell zur Neige. Ein paar kleinere Hechte beschliessen mitzumachen, während die Sonne am Himmel höhersteigt. Gegen Mittag sind nur noch ein paar Rotaugen übrig und die Fressphase scheint vorbei zu sein.

Fredrik hat noch einen Plan für die letzten beiden Rotaugen und steuert quer über den See in Richtung einer steilen Kante. Hier ist das Gelände ganz anders, und in diesem tiefen Abschnitt versprechen wir uns auch zur Mittagszeit eine Chance. Wir lassen unsere Rigs gleichzeitig hinab, und aus dem Nichts taucht ein Fisch auf dem Echolot auf. Fredriks Rutenspitze zuckt, er lässt dem Fisch etwas Zeit, bevor er den Haken setzt und lachend ruft: «Hätte ich doch mehr Köderfische eingepackt!»

 

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