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![[Deltamethrin:] Gift für unsere Gewässer](/assets/cache/1920/1080/media/Artikel/2026/02/deltamethrin/IMG_0842-Deltamethrin-haeder.jpg)
| 20 | 02 | 2026 | Schweiz | |
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Deltamethrin steht seit Jahren in der Kritik. Bereits in der «Petri-Heil»-Ausgabe 11/25 erschien ein ausführlicher Bericht über diesen hochgiftigen Stoff. Knapp anderthalb Monate später platzte die Zeitbombe: Die Wyna in den Kantonen Luzern und Aargau war vergiftet. Schuld daran – Deltamethrin.
Fachstellen weisen seit Jahren auf die hohe Toxizität des Wirkstoffs hin. 2022 wurden in der Schweiz rund 107 Kilogramm Deltamethrin verkauft. Das erscheint mengenmässig gering. Aufgrund der enormen Giftigkeit sind aber auch kleinste Einträge problematisch.
Mehrere besonders toxische Pestizide wurden in den vergangenen Jahren neu reguliert oder verboten. Deltamethrin gehört, als einer giftigsten der Stoffe, bislang nicht dazu und es existiert auch kein spezifischer Grenzwert.
Die geplante Revision der Gewässerschutzverordnung ist noch ausstehend und das zuständige Departement um Bundesrat Rösti will Deltamethrin aktuell nicht verbieten und auch keinen verbindlichen Grenzwert festlegen. Parallel dazu wurden im National- und Ständerat wiederholt Vorstösse eingereicht, unter anderem von Leo Müller (Die Mitte/LU) und Johanna Gapany (FDP/FR), welche den Gewässerschutz auf verschiedenen Fronten lockern oder dessen Vollzug einschränken wollen.
Im Januar 2026 erreichte die Diskussion ihren vorläufigen Höhepunkt. Es wurde bekannt, dass in der Wyna bei Beromünster im Kanton Luzern Deltamethrin in einer Konzentration von 7,3 Nanogramm pro Liter gemessen wurde. Das entspricht rund dem 4200-fachen! des ökotoxikologischen Schwellenwerts.
Gemessen wurde während der Behandlung von Rapsfeldern im Einzugsgebiet. Brisant an der Geschichte ist, dass die Messwerte nie an die Öffentlichkeit gelangen sollten. Sie waren Teil einer Information an Landwirtschaftsbetriebe, welche an einem Runden Tisch des Kantons Luzern zur Eindämmung von Pestiziden aus der Landwirtschaft teilnahmen.
Nachbargemeinde Beromünster ist Reinach AG; aufgrund der extrem hohen Konzentration in Beromünster lag die Belastung hier mit hoher Wahrscheinlichkeit auch über dem Schwellenwert. Die Belastung im Unterlauf der Wyna, zum Beispiel in den Gemeinde Suhr oder Gränichen ist unklar. Der Kanton Aargau räumte gegenüber der Aargauer Zeitung ein, dass zuletzt im Jahr 2024 Pestizidmessungen an der Wyna durchgeführt und auch Grenzwertüberschreitungen festgestellt wurden.
In den Kantonen herrscht nun Bewegung, aber das Verbot oder zumindest die Einführung eines Grenzwerts eines solchen Stoffs obliegt dem Bund. Eine breite Allianz von Grossräten angeführt von Matthias Betsche (GLP, AG) reichte sehr schnell eine Motion an den Regierungsrat mit 19 kritischen Fragen ein. Unter anderem wollte die Gruppe wissen, wie das Monitoring von Pestiziden in den Gewässern des Kantons konkret umgesetzt wird. In Luzern wiederum lädt der Kanton nun zu einem weiteren Runden Tisch mit den Landwirtschaftsbetrieben aus der Region ein, um die Sache genauer zu untersuchen und mögliche Massnahmen zu besprechen. Die Inhalte dieses Projekts sollen jedoch weiterhin nicht öffentlich zugänglich sein.
Niemand weiss, wie hoch die Pestizidbelastung am gezeigten Zusammenfluss in den letzten rund eineinhalb Jahren war. Eines ist aber klar: Nur 3,5 km flussabwärts mündet die Suhre in Aarau in die Aare. Der Einfluss der Suhre ist im Sommer ein beliebter Badeort und ganzjährig ein Naherholungsgebiet. Im Frühling ist der sogenannte «Suhrespitz» ein Nasenlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Besonders in diesem Abschnitt wurden in den letzten Jahren aufwendige Renaturierungen durchgeführt.
Deltamethrin gehört zu den synthetischen Pyrethroiden. Dabei handelt es sich um Nervengifte, die Insekten lähmen und abtöten. Sie wirken nicht selektiv. Auch Wasserinsekten und Kleinkrebse reagieren extrem empfindlich.
In der Ökotoxikologie spricht man vom Schwellenwert. Das ist jene Konzentration, ab der mit schädlichen Auswirkungen auf Organismen gerechnet werden muss. Bei Deltamethrin liegt dieser Wert im Bereich von Milliardstel Gramm pro Liter Wasser.
Ein Vergleich des SFV-Vizepräsidenten Stefan Wenger verdeutlicht die Dimension: «Eine zuckerwürfelgrosse Menge kann mehrere Kilometer Bach praktisch abtöten.»
Für uns Fischer und Fischerinnen ist dies entscheidend: Werden Insektenlarven und Kleinkrebse geschädigt, leidet die Basis der Nahrungskette. Bei Salmoniden können zusätzlich Verhalten und Orientierung beeinträchtigt werden. Solche Effekte wirken sich direkt auf Wachstum, Fortpflanzung und Überleben aus.
Stephan Müller | Ehemaliger Leiter Abteilung Wasser BAFU, neu GL-Mitglied des SFV
Stephan Müller, ehemaliger Leiter der Abteilung Wasser beim Bundesamt für Umwelt, heute Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizerischen Fischerei-Verbands bringt es nüchtern auf den Punkt:
«Wenn es der Schutz der Gewässer erfordert, muss ein Grenzwert festgelegt werden. Bei hochtoxischen Stoffen darf die Regulierung nicht hinter den wissenschaftlichen Erkenntnissen zurückbleiben.»
Die Diskussion um Deltamethrin ist mehr als eine agrarpolitische Detailfrage. Sie ist ein Gradmesser dafür, wie ernst der gesetzlich verankerte Gewässerschutz genommen wird.
Aus Sicht der Fischerei und dem Gewässerschutz ist die Lage klar. Ein Wirkstoff, der bereits in so kleinen Konzentrationen ganze Bachsysteme schädigen kann, darf nicht weiter ohne verbindliche Schutzmassstäbe eingesetzt werden. Wenn die Risiken für Gewässer, Insekten und Fischbestände nicht beherrschbar sind, gehört ein solcher Stoff verboten.
Der Fall Wyna zeigt deutlich, wie stark Gewässer unter Druck geraten können und wie wichtig klare Regeln sowie konsequenter Vollzug sind. Die Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Risikobeurteilung und rechtlicher Regulierung ist in Schweizer Gewässern leider noch immer viel zu gross.
Auch das SRF berichtete in der Rundschau vom 18.2.2026 über die Problematik:
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