Auf Felchen vom Ufer aus
25 | 02 | 2020 Schweiz | Praxis | VideoText & Fotos: Ivan Valetny 27676
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Auf Felchen vom Ufer aus

Frühlingszeit ist Felchenzeit! Früher wurde ausschliesslich vom Boot aus auf Felchen gefischt, doch man kann auch vom Ufer aus «aktiv» oder «passiv» auf Felchen fischen. In diesem Bericht stelle ich die beiden Methoden vor.

Da Felchen im Winter eher tiefer unterwegs sind, macht es an nicht so tiefen Gewässern wie dem Bielersee erst ab März Sinn, es vom Ufer aus zu probieren. An Gewässern, welche steil abfallende Ufer aufweisen, kann man schon früher im Jahr erfolgreich sein, da man fast jede Standtiefe der Felchen erreichen kann.

Auch am Bielersee kann man bereits im Januar an den tiefsten Stellen Felchen vom Ufer aus fangen, aber mit dem einsetzenden Frühling fängt man deutlich mehr. Den ganzen Sommer hindurch bis zum Beginn der Schonzeit Ende Oktober kann man hier die Felchen mit der Gambe (Hegene) gut vom Ufer aus überlisten. 


Platzsuche

Am See sind die praktischsten Angelstellen Hafenanlangen und Stege. Hier wird das Wasser meistens schnell tief. Es ist wichtig, eine nicht zu flache oder zu weit entfernte Kante vor sich zu haben. Sonst hat man immer wieder Verluste, wenn die Hegene über die Kante gezogen wird. Bei der Platzsuche sind Bootsfischer immer eine willkommene Hilfe. Wo sich regelmässig Bootsfischer aufhalten, hat es auch Felchen. Auch wenn man nicht bis an die Boote werfen kann – die Felchen sind meistens in Reichweite: Felchen ziehen ständig umher auf der Suche nach Futter. Ideal sind schlammige Böden, in denen viele Insektenlarven leben. Diese eignen sich auch am besten für die aktive Führung. Steiniger Untergrund produziert zu viele Hänger, was schnell auf das Anglergemüt schlagen kann.


Zwei Montagen

Ich verwende stets zwei Ruten, eine für das passive Fischen und eine für die aktive Führung, und erhalte fast immer mehr Bisse auf die aktiv geführte Hegene. Im Kanton Bern ist es gesetzlich so geregelt, dass man bei der aktiv geführten Hegene fünf Anbiss-Stellen verwenden darf. Beim passiven Grundfischen, also beim Setzen, sind hingegen nur zwei Anbiss-Stellen erlaubt. Sollten bei Dir auch beim aktiven Fischen nur zwei oder drei Anbiss-Stellen erlaubt sein, ist das nicht weiter ein Problem. 

Die aktiv geführte Rute fische ich durchgehend in der Hand. Da ich fünf Nymphen verwende, sollten die Abstände zwischen den Seitenarmen nicht allzu gross sein, damit ich noch gut auswerfen kann. Ich wähle einen Abstand von 25 Zentimeter vom Blei zur ersten Nymphe wie auch zwischen den Nymphen und von der obersten zum Knotenlosverbinder. Also insgesamt eine Länge von etwa anderthalb Meter. Die Geflochtene schreckt meines Wissens die Felchen nicht ab, ich habe nicht weniger Bisse auf die oberen Nymphen als auf die unteren. Wer Bedenken wegen der Sichtigkeit hat, kann den obersten Teil der Uferhegene etwas länger wählen. An der aktiven Hegene verwende ich Birnenbleie von 10 bis 20 Gramm. Da man die Montage über den Grund schleift, funktioniert das Schleifen umso gleichmässiger, je leichter das Gewicht ist. Für mich sind 10 Gramm für die meisten Situationen ideal. Es gehen sogar fünf Gramm, wenn man nicht sehr weit und tief fischen muss. 20?Gramm sind hingegen die Obergrenze, da man sonst ständig im Grund einsinkt. So wird die Führung auch anstrengender und weniger fängig.

Bei der passiven Hegene mit nur zwei Anbisstellen wähle ich die Abstände zwischen den Nymphen grösser aus, ohne dass die Wurfeigenschaft allzu stark beeinträchtigt würde. Hier wähle ich einen Abstand von 40 cm vom Blei zur ersten Nymphe und zwischen den Nymphen sowie bis zum Knoten­los­verbinder. Also insgesamt 1,20 m Länge der Montage. Zum Einsatz kommen hier Birnenbleie von 15 bis 30 Gramm. So bleibt die Montage gut liegen und der Selbsthakeffekt wird verstärkt.


Nymphen

Vom Ufer aus kann man die gängigen Nymphenmuster der Bootsfischer verwenden. Diese variieren von Gewässer zu Gewässer. An manchen Seen werden eher dünn gebundene Nymphen bevorzugt, am Bielersee hingegen werden die etwas dicker gebundenen Modelle besser genommen. Die klassischen Bielersee-Farben sind Schwarz, Rot und Violett. Bräunlich ist eine der häufigsten natürlichen Färbungen einer Insektenlarve wie beispielsweise der Eintagsfliege. Da die Larven verschiedene Nahrung zu sich nehmen, können sie aber auch grünlich erscheinen. Die klassische Zuckmücken-Larve ist rot mit schwarzen Innereien.


Ausrüstung

Fürs passive Felchenfischen kann man gut eine Feederrute mit einem nicht zu harten Rückgrat verwenden. Ich selber verwende hierfür eine 2,40 m Spinnrute mit 7 bis 28 Gramm Wurfgewicht. Die Spitze ist gerade weich genug, dass die Bisse noch bemerkt werden können. Mit dieser Rute kann man auch die etwas höheren Gewichte gut auswerfen.

Fürs aktive Fischen kommt eine Spinn­rute von 2,20 m Länge mit bis 12 Gramm Wurfgewicht zum Einsatz. Diese Rute kann man auch etwas überbleit mit 15?Gramm fischen, da ja keine aggressive Köderführung betrieben wird. Die Spitze ist so sensibel, dass man die Bisse gut bemerkt und die Felchen nicht sofort wieder wegen zu grossem Widerstand loslassen. Durch das tiefe Wurfgewicht ist die Rute im Drill nachgiebig und kann die Schläge gut abfedern. Ausserdem sind solche Ruten schön leicht, damit man den ganzen Tag ermüdungsfrei
fischen kann.

Die passive Rute stelle ich wenn möglich an eine Reling. Ein Dreibein oder ein einfacher Rutenhalter funktionieren auch. An die Rutenspitze montiere ich ein Glöckchen. Nichts ist nerviger, als ständig auf die Spitze einer Grundrute schauen zu müssen, um einen Biss zu bemerken. Und kaum etwas hört man lieber als den Glockenton bei einem Biss. Zudem kann ich mich so voll und ganz auf die aktive Rute konzentrieren. Die aktive Rute halte ich meistens gegen oben, damit der Winkel der Montage am Grund nicht allzu flach ist. So kann ich gut auf einen Biss reagieren. Apropos Winkel: Über die kurzen Abstände zwischen den Nymphen muss man sich keine Sorgen machen, die Felchen nehmen die Nymphen trotzdem.


Führung und Biss

Aktiv führen bedeutet im Wesentlichen gleichmässig einziehen. Die langsame und kontinuierliche Zugbewegung lockt die Felche zur Nymphe. Man imitiert jetzt eine Insektenlarve, die nicht aufsteigt, sondern sich in Grundnähe langsam fortbewegt. Man kann auch die passive Rute von Zeit zu Zeit wieder ein Stück zu sich heranziehen. Mir ist es gelegentlich passiert, dass ich gerade, als ich die Rute wieder still stehen liess, einen Biss bekam. Wenn die Felchen aber beispielsweise nur weit draussen beis­sen, macht es mehr Sinn, die passive Montage einfach auf maximaler Distanz stehen zu lassen.

Noch etwas ist wichtig: Bei der aktiven und passiven Rute muss man nach dem Absinken mehrmals die Schnur straffen, damit diese nicht durchhängt. Je tiefer man fischt, desto länger dauert das. Bei einer schlaffen Schnur merkt man viele Bisse entweder gar nicht oder bringt den Anschlag nicht gut durch. 

Die Bisse sind meist kräftiger als vom Boot aus, da die Felchen den Nymphen nicht von unten nach oben, sondern horizontal hinterherschwimmen. Da sie der Nymphe meistens folgen, bevor sie zubeissen, hat man ungefähr zur Hälfte Fallbisse; die Spitze streckt sich und man hat kurz keinen Kontakt mehr zur Montage. Oft haken sie sich dabei durch das Gewicht selbst. Ein feiner Anschlag ist aber immer zu empfehlen, damit der Haken auch richtig im Fischmaul sitzt.

 
Hegenen selber binden

Neben der Forelle zählen Äsche und Felchen zu unseren beliebtesten Fischarten. Diese beiden Salmoniden sind nahe verwandt, sie ernähren sich beide mit Zooplankton und Insektenlarven. An Schlechtwettertagen im Frühling kann man fängige Äschen- und Felchenköder gut selber binden. Ivan Valetny zeigt, wie man die wichtigsten Hegenen selber herstellt.

 

Seitenarm binden

Die Nymphen binde ich stets mit einem kleinen doppelten Schlaufenknoten an den Seitenarm. Das Öhr der Schlaufe muss nicht grösser als 3 mm sein, das reicht aus, damit die Nymphe frei beweglich ist. Die Seitenarme mache ich immer etwa 3 cm lang. So bemerkt man den Biss schneller.


Tiroler Hegene für Äschen

Das Tirolersystem wird – wie es der Name nahelegt – mit dem Tiroler Hölzl gefischt. Das Hölzl sorgt dafür, dass die Montage schön in Grundnähe durch die Strömung treibt und trotzdem wenig Hänger produziert. Ich knüpfe die Montage mit einem 0,18er- bis 0,21er-Fluorocarbon, den Hauptstamm und die Seitenarme wähle ich jeweils gleich dick. Da die Nymphen meist zügig in Grundnähe an den Äschen vorbeitreiben, benötigt man keine so feinen Vorfächer wie beim Zapfen- oder Fliegenfischen. Zuoberst verwende ich einen Knotenlosverbinder. Dadurch hat man keinen Tragkraftverlust, man kann die Montage schnell wechseln und schön aufwickeln. 40 cm nach dem Knotenlosverbinder kommt die erste Nymphe an einem 3?cm langen Seitenarm. Der Seitenarm wird mit einem doppelten Hausfrauenknoten angebunden, so steht die Nymphe schön ab, eher etwas nach oben als nach unten. Nach 40 cm Abstand folgt die zweite Nymphe gleich angebunden. Nach nochmals 40 cm folgt ein Snap, in den man das Tiroler Hölzl einhängen kann. Die Gesamtlänge von 1,20 m lässt sich gut auswerfen. Man könnte die Abstände auch etwas länger oder kürzer binden, je nach Gewässertiefe. Am besten, man nimmt einen Faltmeter zur Hand, um die Abstände abzumessen, so kommen die Hegenen schön gleichmässig auf das Röllchen.


Felchenhegenen mit Nachläufer

Bei uns im Kanton Bern besteht die klassische Bootshegene aus fünf Nymphen. Ich beginne zuoberst mit einer Doppelschlaufe. Nach 30 Zentimeter folgt ein Seitenarm, der mit einem doppelten Hausfrauenknoten am Hauptstamm angebunden wird. Diesem folgen drei weitere Seitenarme im Abstand von je 30 Zentimeter. Anschliessend folgt ein Laufblei, bei mir meistens 7 Gramm. Gestoppt wird das Blei auf dem Hauptstamm mit einem Wirbel. Nach diesem Wirbel wird ein sogenannter Nachläufer angebunden. Diese unterste Nymphe produziert die meisten Bisse. Damit sie sich beim Absinken nicht mit der darüber liegenden Nymphe verhakt, ist der Nachläufer nur 20 Zentimeter lang. Ich wähle für diese Hegene am liebsten ein 0,16er- bis 0,18er-Fluorocarbon, für Seitenarme sowie Hauptstamm.


Felchenhegene ohne Nachläufer und Uferhegenen

Mancherorts ist ein Nachläufer verboten oder einfach weniger gebräuchlich. Dann bildet eine Einhängevorrichtung für das Bleigewicht das untere Ende der Hegene. Diese Hegenen kann man dann sowohl zum aktiven Uferfischen als auch vom Boot aus verwenden, da das Gewicht einfach ausgewechselt werden kann. Ich verwende dafür zuoberst einen Knotenlosverbinder, welchen ich direkt mit der geflochtenen Hauptschnur verbinde. Alternativ kann man ans Ende der Hauptschnur einen Snap anbringen und für den oberen Abschluss der Hegene eine doppelte Schlaufe knüpfen. Die Abstände zwischen den Nymphen wähle ich etwas kürzer als beim Modell mit Nachläufer. Fürs Hegenen­fischen vom Boot aus empfehle ich hier ebenfalls ein 0,16er- oder ein 0,18er-Fluorocarbon. Vom Ufer darf es etwas stärker sein, 0,18er- bis 0,21er-Fluorocarbon. Hier empfiehlt sich der Knotenlosverbinder, da damit die volle Tragkraft der geflochtenen Hauptschnur erhalten bleibt. So hat man beim Auswerfen und bei einem eventuellen Hänger etwas mehr Reserven.


Äschennymphen

Beim Äschenfischen wähle ich jeweils für die untere Nymphe eine etwas grellere Farbe, während die obere etwas natürlicher und dezenter erscheinen soll. Die grelle Nymphe wird von der Äsche gut wahrgenommen und soll ihre Neugierde wecken. Sollte sie nun die auffällige Nymphe nicht mögen, kommt ihr vielleicht die dezentere, natürliche Version gerade recht. Mit zwei gleichen Nymphen hatte ich stets etwas weniger Erfolg als mit dem Mix. 

Als Reiznymphen verwende ich gelbe, orange und rote Modelle, gerne auch in UV-aktiven Farben. Die dezente Nymphe bevorzuge ich in Grün, Braun und Grau, jeweils mit schwarzem Faden und Goldköpfchen. Diese Farbpalette reicht mir aus. Bevorzugt verwende ich gebogene Grubenhaken der Grösse 14, aber auch 12er gehen noch. Gerade Haken fangen bei mir etwas schlechter; Schlangenhaken bringen auch nur mässigen Erfolg.

 Zwei Ruten, ein passend langes gummiertes Netz und allenfalls ein Dreibein reichen fürs Ufer­felchen­fischen aus.

Zwei Ruten, ein passend langes gummiertes Netz und allenfalls ein Dreibein reichen fürs Ufer­felchen­fischen aus.

 Eine 35er-Uferfelche hat auf Schwarz/Violett gebissen, für den Bielersee ein schönes Exemplar!

Eine 35er-Uferfelche hat auf Schwarz/Violett gebissen, für den Bielersee ein schönes Exemplar!

 Auch vom Ufer aus kann man mit etwas Übung eine schöne Strecke fangen.

Auch vom Ufer aus kann man mit etwas Übung eine schöne Strecke fangen.

 Äschennymphen

Äschennymphen

 Felchennymphen

Felchennymphen


Felchennymphen

Die erfolgreichsten Nymphen für unsere Felchen sind rot, schwarz und violett in allen Variationen. Ich mag noch Grün und Brauntöne, auf welche ich durch das Äschenfischen gekommen bin. Diese beiden Farben sind besonders im flacheren Wasser bis 12 Meter erfolgreich. In der Tiefe sind die klassischen Farben Rot, Schwarz, Violett top. Als Hakengrösse wähle ich am liebsten 12er oder gerne auch 14er. Es kommt immer etwas auf den Tag an. Mit kleineren oder grösseren Nymphen hatte ich deutlich weniger Erfolg. Mit den kleineren Haken hatte ich dazu auch mehr Drillaussteiger. Wegen der kürzeren Hakenspitze schlitzt diese beim vertikalen Drill bei den vielen Kopfschlägen der Felchen oft aus. Ich bevorzuge gebogene Grubenhaken, diese bringen mir deutlich mehr Fische als gerade Haken.

Ich kombiniere meistens zwei Farbmuster abwechslungsweise miteinander. Etwa Rot mit schwarzem Köpfchen und Violett mit schwarzem Köpfchen. Drei von den roten und zwei violette oder umgekehrt, jeweils abwechslungsweise. Früher habe ich oft einfarbige Hegenen verwendet, was aber selten mehr Erfolg brachte als eine zweifarbige Variante. Was ich nicht mag, sind Hegenen mit fünf verschiedenfarbigen Nymphen. Da kann man viel schlechter Rückschlüsse ziehen, da bei uns sicher 30 Prozent der Bisse auf die unterste Nymphe resp. den Nachläufer kommen. Für mich ist die effizienteste Variante eine zweifarbige Hegene, sowohl beim Felchen- wie beim Äschenfischen.

 

2 Kommentare


Anonymus3

14 | 05 | 2020

Ist es immer erlaubt die Hegen so zu binden, wie man möchte oder gibt es Vorschriften die von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich sind?

Falls es unterschiedliche Vorschriften gibt, wo finde ich diese?

Antworten an: Anonymus3

Nils Anderson

14 | 05 | 2020

Hallo Anonymus3

es gibt Vorschriften bezüglich der zulässigen Hakenanzahl und möglicherweise auch bezüglich der Anordnung von Haken und Blei (das Blei muss zuunterst sein). Da die Fischerei in der Schweiz eine Vielzahl kantonaler (und teils sogar gewässerspezifischer) Regelungen kennt, findet man diese Vorschriften nicht gesammelt, aber jeweils dort, wo Patente herausgegeben werden.


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