Good News aus Britisch Kolumbien
12 | 09 | 2022 ReisenText & Fotos: Erich Bolli 0511
12 | 09 | 2022 Reisen
Text & Fotos: Erich Bolli 0 511

Good News aus Britisch Kolumbien

Nach Jahren des zum Teil drastischen Rückgangs der Lachsbestände in B.C. (siehe «Petri-Heil» 11/2021) nun eine wundersame Gegenbewegung: Millionen von Rotlachsen im Skeena-System­ und keine Ende in Sicht! Erich Bolli war drüben und erlebte das Lachswunder vor Ort.


Der Aufstieg der Rotlachse (Sockeye) im Skeena beginnt Ende Juni und dauert in der Regel bis Mitte August. Wie üblich in den letzten Jahren war zu Beginn dieser Saison jegliche Entnahme untersagt, die Prognose für 2022 war durchzogen. Dann ging es Schlag auf Schlag: Die täglich von der Tyee-Messstelle gemeldeten Zahlen der zurückkehrenden Sockeye stiegen rapide an, am 17. Juli beispielsweise waren es 120 000! Am 19. Juli war das Reproduktionssoll des Skeena-Systems von 800 000 bereits übertroffen und am 22. Juli wurde die Millionengrenze geknackt.

Das Department of Fisheries and Oceans (DFO) reagierte für einmal schnell und gab für die Sportfischer am 19. Juli zuerst 1 Sockeye zur Entnahme frei, tags darauf wurde auf 2 erhöht und am 27. Juli schliesslich auf 4.

Und die Sockeye stiegen weiterhin in immensen Zahlen auf, zwischen 70 000 und 132 000 täglich! Am 6. August betrug das Total der aufgestiegenen Lachse 2 318 000; der Allzeitrekord könnte dieses Jahr übertroffen werden.

 Der erste Rotlachs der Saison bereitet dem Autor besondere Freude.

Der erste Rotlachs der Saison bereitet dem Autor besondere Freude.


Lachswunder oder erklärbare Entwicklung?

Natürlich fragt sich nun manch einer, was die Gründe für diese unerwartete positive Entwicklung sind. Zuerst muss man mal an die diesjährigen Rahmenbedingungen denken. Letzten Winter gab es auf dem Küstengebirge im Einzugsgebiet des Skeena ausserordentlich viel Schnee. Als ich am 17. Juli in Terrace ankam, trugen die Höhenzüge rundherum noch eine beachtliche weisse Kappe, die Schneeschmelze war immer noch in vollem Gang. Im Mai bis Anfang Juni führten die Flüsse extremes Hochwasser und in der Region begann man Massnahmen gegen Überschwemmung zu treffen. Möglicherweise hat diese lange anhaltende Hochwassersituation im Mündungsbereich des Skeena in den Pazifischen Ozean dazu geführt, dass für die Lachse, die den Aufstieg in ihren Fluss suchten, ein überdurchschnittlich starkes Signal ausgesendet wurde, so dass sie ihren Fluss rasch und in grossen Mengen fanden.

Auch ein Zweites muss bedacht werden. Corona hat dazu geführt, dass die Berufs- und Sportfischerei 2019 bis 2021 praktisch zum Erliegen kam. Beim Dreijahreszyklus der Sockeye könnte es da durchaus einen Kausalzusammenhang geben.

 Nun fischen sie wieder!  Die gute Nachricht von den vielen Sockeye im Skeena hat sich schnell verbreitet.

Nun fischen sie wieder! Die gute Nachricht von den vielen Sockeye im Skeena hat sich schnell verbreitet.


Fischereiliche Realität

Natürlich verbreitet sich so eine Nachricht, dass am Skeena vier Sockeye pro Tag entnommen werden dürfen, unter den Fischern wie ein Lauffeuer. Und sie sind in Scharen von weit her gekommen. Wer nun aber glaubt, er könne angesichts der vielen Lachse im Fluss einfach einen vorgebleiten Haken mit etwas Wolle dran in den Fluss schmeissen und würde reihenweise Lachse rausziehen, irrt sich gewaltig. Bekanntlich frisst der aufsteigende Sockeye im Fluss nichts mehr. Wie bringt man nun einen Lachs, wenn man ihn nicht mit einem Riesenhaken schränzen will, dennoch zum Anbiss? Grosse, buschige Prachtsfliegen werden vom Sockeye schon früh gesehen und der Lachs macht einen Bogen drum herum. Als ich hier vor knapp 30 Jahren mit der Fliegenfischerei begann, experimentierte ich mit meinen Kollegen viel mit Fliegen und Anbietetechniken. Nach meiner Erfahrung kann man, wenn es gelingt, eine verhältnismässig kleine Fliege neben dem Auge des Fischs platzieren, um den noch in Ansätzen vorhandenen Beissreflex auszulösen. Ich konnte das einmal bei klarem, sichtigem Wasser selbst beobachten. Diese überaus attraktive Fliegenfischerei stellt auch bei grossen Runs eine echte Herausforderung dar.

Dazu kommt, dass sich infolge des Hochwassers im Mai dieses Jahres der Fluss stark verändert hat und ehemals fängige Stellen verschwunden sind. Wer nun stur wie gewohnt an den alten Stellen fischt, fängt trotz der riesigen Runs wenig bis nichts und man sieht ungläubige, enttäuschte Gesichter. Es gibt nichts anderes, als neue funktionierende Stellen zu suchen. Das aber macht diese Fischerei zusätzlich spannend! 

 Mit kleiner Fliege vor dem Auge angeboten, kann man den Sockeye zum Biss provozieren.

Mit kleiner Fliege vor dem Auge angeboten, kann man den Sockeye zum Biss provozieren.


Königslachs und Steelhead

Beim Blick auf die Aufstiegszahlen der anderen Lachsarten neben dem Sockeye ist man etwas ernüchtert. Der Königslachs, der wie in den letzten Jahren auch 2022 ganzjährig geschont ist, zeigt sich dieses Jahr zwar erfreulicherweise ebenfalls erholt, wenn auch nicht so spektakulär wie der Sockeye (147 000 Kings gegenüber 76 000 letztes Jahr). Weiterhin Sorgen bereitet der Steelhead, mit 37 000 immer noch auf sehr tiefem Niveau. Soweit ich sehe, kann niemand erklären, weshalb es diesem traditionell geschützten Fisch nach dem gewaltigen Einbruch im letzten Jahr nach wie vor schlecht geht.

 

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