Drucken|Newsletter|Abobestellung|Kontakt & Impressum|Werbung

Fischen Schweiz - Fischen in Solothurn

Im Zeichen des Wandels

Wenn sich in der Schweiz die Fischerei in letzter Zeit irgendwo grundlegend verändert hat, dann im Kanton Solothurn. «Petri-Heil» war deshalb in der schönen Kantonshauptstadt und hat nicht nur erfahren, wie sich die Umstellung auf das Patentsystem bisher ausgewirkt hat, sondern auch die bekannte Stadtstrecke unter die Petri-Lupe genommen.

Das Fischen auf der Solothurner Aare ist inmitten der Altstadt geradezu ein kulturelles Erlebnis. In den tiefen, schnellen Zügen zwischen den Stadtmauern gibt es noch einige gute Forellen- und Äschenstellen. Der neue SOKFVPräsident Marco Vescovi schleppt gern in diesem Revier.

Peter Kaiser mit 60er-Aarefario: Noch werden jede Saison grosse Forellen in der Solothurner Aare gefangen, aber der Fluss entwickelt sich nicht zu ihrem Vorteil.

Der Wels erobert die Solothurner Aare im Sturm. Auch grosse Fische sind in den meisten Strecken allgegenwärtig. Die Aarefischer und –fischerinnen stellen sich mehr und mehr darauf ein und lernen auch das feine Welsfleisch schätzen. Im Bild Anita Dubach aus Zuchwil mit geschätztem 50-Pfünder.

Jagd- und Fischereiverwalter Marcel Tschan ist zufrieden mit dem Systemwechsel: «Das Fischen in unserem Kanton ist dadurch auch für Gäste viel attraktiver geworden!»

18.12.09 | Es war ein grossflächiges Freiluftexperiment, was die Solothurner Fischereiverwaltung zusammen mit den Fischereivereinen an Aare, Emme, Dünnern, Lüssel und Lützel gewagt und seit dem 1. Januar 2009 konsequent umgesetzt hat. Das ehemals kleinräumige Pachtmosaik wurde von einem grosszügigen Patentsystem abgelöst – ohne Übergangsfristen oder Sonderprivilegien. Als Jagd- und Fischereiverwalter Marcel Tschan zum ersten Mal mit dieser Idee an Fischerversammlungen vorstellig wurde, erntete er vor allem Stirnrunzeln und Bedenken. Der Widerstand war zunächst heftig.

 

Die Vereine fürchteten einen massiven Mitgliederverlust, denn im Kanton Solothurn waren die interessanten Patente nur für jene erhältlich, die Mitglied in einem Verein waren. Dieser Zwang machte die Solothurner Fischerclubs zu den mitgliederstärksten der Schweiz. Das so genannte Freiangelrecht war nämlich nur auf die Uferfischerei an der Aare beschränkt, aber ohne Boot sind hier viele Strecken kaum Erfolg versprechend zu befischen. Ebenfalls sehr restriktiv waren die Bedingungen für die Jungfischer: «richtig» fischen konnte man erst ab 16 Jahren.

 

Auch hier hat der «Relaunch» der Solothurner Fischerei radikal Abhilfe geschaffen. «Heute könnte sogar ein Säugling bei uns fischen», schmunzelt Marcel Tschan in seinem gemütlichen, kleinen Büro im Herzen der Altstadt. Hier bin ich Gast zusammen mit Marco Vescovi, dem frisch gekürten Solothurner Verbandspräsidenten. Nach dem neuen Solothurner Gesetz darf jeder Patentinhaber zwei Jungfischer von 0 bis 14 Jahren mitfischen lassen, wenn er das hinkriegt…  Vescovi schätzt diese Neuerungen als Vater eines fischbegeisterten Achtjährigen sehr und hat auch sonst nur Lob für die «Revolution» in seinem Kanton.

 

Im Zug der Neuerungen hat man auch die Fischereivorschriften von Grund auf erneuert und alle unnötigen Einschränkungen und Spezialregeln weggelassen. Die neuen Paragrafen haben auf zwei Seiten Platz und sie bauen auf die Selbstverantwortung jedes einzelnen Fischers. Grundsätzlich sind alle Techniken, Montagen und Köder erlaubt. Das Widerhaken-Verbot des Bundes hat man dort durchbrochen, wo es möglich war, nämlich beim Schleppen und Hegenenfischen. Das Verbot des lebenden Köderfischs war im Fliessgewässerkanton sowieso schon seit längerer Zeit eingeführt und die Solothurner Petrijünger haben sich damit seit damals geschickt arrangiert. 2049 Jahrespatente, 28 Wochenkarten und 237 Tageskarten hat die Verwaltung 2009 herausgegeben, vor dem Wechsel waren es rund 3000 Jahreskarten und bis zu 800 Freianglerkarten.

 

Allerdings gab es zig Solothurner Fischer, die in mehreren Vereinen Mitglied waren und auch mehrere Jahreskarten zahlten, um ihr kleinlich zerstückeltes Revier etwas auszudehnen. Er glaube, dass netto mehr Fischer ein Solothurner Patent erworben haben, sagt Marcel Tschan, «nur schon aus reinem Gwunder». An den übersichtlichen Bächen wie Lützel, Lüssel und Emme habe man am Anfang der Saison zeitweise tatsächlich viele neue Gesichter gesehen. Das habe aber rasch abgenommen – so einfach war das «Forellenpflücken» in den bisherigen Pachten dann wohl doch nicht…

 

Um die Auswirkungen der Liberalisierung mit potentiell Hunderten neuer Fischer auf die kleineren Fliessgewässer abzuschätzen, hat Marcel Tschan schon vor Beginn der Umstellung ein Überwachungsprogramm gestartet und die bisherige Population noch vor der Änderung des Befischungs-Regimes mit minutiösen Abfischungen festgehalten. Falls die Auswirkungen der erwarteten intensivierten Befischung zu heftig sein sollten, hat sich der Kanton ein Eingreifen vorbehalten. Aber Tschan ist zuversichtlich: «Allzuviel hat sich nach meiner Einschätzung nicht verändert.»

 

Unisono antworten Tschan und Vescovi, dass die Umstellung von den engagierten Solothurner Fischern vorwiegend positiv beurteilt wird. Erwartungsgemäss haben viele ehemalige Vereinsmitglieder gekündigt, aber dafür sind in den Vereinen jetzt noch jene dabei, die tatsächlich am Vereinsleben teilnehmen. Vorher war das in vielen Fällen eine «erzwungene» Mitgliedschaft.

 

Der Kanton hat auch sein Versprechen wahr gemacht den Verband und die Vereine für ihre Arbeit zu entlöhnen. Mit einem vertraglich abgesicherten Leistungsauftrag werden die engagierten Solothurner Fischer entlöhnt für Aufsicht, Ausbildung, Bewirtschaftung und die Auswertung der Fischereistatistiken.

 

Rund 100 000 Franken erhält der SOKFV jährlich für die Erfüllung dieser Pflichten. Bislang ist Tschan zufrieden mit der gebotenen Leistung des Verbands und der elf Vereine. Der neue Verbandspräsident und sein Vorstand haben spannende Aufgaben vor sich: Noch nie gab es im Kanton so viele Wasserbauprojekte und Renaturierungen. Die bevorstehenden Neukonzessionen der Kraftwerke Gösgen und Aarau sind gewaltige «Baustellen» mit vielen Einflussmöglichkeiten.

 

Das Revier Solothurn

 

Als Besucher interessiert mich natürlich auch das fischereiliche Potential der Solothurner Aarestrecke und Marco Vescovi nimmt mich mit auf eine abwechslungsreiche Schlepptour zwischen den barocken Stadtmauern und den von alten Bäumen gesäumten Ufern der kanalisierten Aare. Vielerorts stösst man auf die Spuren von Bibern, mannsdicke Weiden liegen durchgenagt am Boden.

 

Marcel Tschan beklagt, dass mit Ausnahme einiger weniger Kilometer (bei Wolfwil) der Grossteil der 70 Kilometer Solothurner Aare durch grosse Flusskraftwerke gestaut und ökologisch degradiert sind. Was einst aus heutiger Sicht unfassbar produktive Äschen- und Forellenreviere waren, sind heute verschlammte, fast jeden Sommer kritisch erwärmte Barbenstrecken. Für Marcel Tschan ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Äschen und Forellen aus der Solothurner Aare bis auf ein paar Reste verschwinden: «Wir haben teilweise Spitzenwerte von 26 Grad, das macht den Bestand auf die Dauer kaputt. Neuerdings leiden auch die jungen Äschen massiv unter PKD.». Dafür gehts einer anderen Tierart ausgezeichnet.

 

Der Bestand des aus Nordamerika eingeschleppten Signalkrebses ist in den letzten Jahren geradezu explodiert in der Aare. Versuchsreusen der Fischereiverwaltung quollen über mit Hunderten der Einwanderer. Die Folge: Einheimische Krebsarten wie Edel- und Dohlenkrebs sind verschwunden, aber Raubfische mit Flair für Krustentiere profitieren. Gemäss Marco Vescovi nimmt die Zahl grosser Egli seit einigen Jahren deutlich zu. Auch ein weiterer Krebsliebhaber wird spürbar häufiger. «Wenn du im Sommer mit Wurm oder Köderfisch auf Grund fischst, wirst du ziemlich sicher einen oder mehrere Welse fangen», erzählt Vescovi.

 

Die meisten seien 50 bis 80 cm lang. Spezialisten fangen gezielt Exemplare bis gegen zwei Meter, und Aare-Taucher begegnen den grossen Räubern häufig. Mit dem üppigen und proteinreichen Krebsbestand der Aare lässt sich die aktuelle Welsschwemme mühelos erklären. Gleichzeitig ist der Aal praktisch verschwunden, er gehört zur Lieblingsbeute der Welse. Was Verwaltung und Fischer hingegen nicht verstehen, ist das Fehlen des Zanders. Egli, Felchen, Welse und nicht zuletzt etliche prächtige Seeforellen schaffen den Weg vom Bielersee in die Solothurner Aare, aber Zander fängt man hier so gut wie nie. Im heutigen Fluss gedeihen Karpfen und Schleien, Alet und Barben.

 

Schwärme kleiner Weissfische säumen den Fluss in dichten Wolken. Der Fischreichtum ist enorm. Die Zeichen sind deutlich: Die Aarefischer werden sich von Salmoniden auf Raubfische und Karpfenartige umstellen müssen, ein Trend, der überall im Schweizer Mittelland zu beobachten ist. Erwärmung und Kraftwerksnutzung fordern ihren Tribut.

 

Autor: dal

 

Fischen in der Solothurner Aare

 

Saison ist dank dem Mischbestand das ganze Jahr. Die Äschensaison dauert vom 16. Mai bis 31. Dezember, die Forelle ist vom 16. März bis am 30. September offen. Im Winter wird auch erfolgreich auf Hecht und Egli gefischt.

 

Folgende Gewässer gehören neben der Aare und ihren Kanäle neu zum Kantonspatent: Emme und Emmekanal, Dünnern, von der Mündung des Augstbaches abwärts, Lüssel, Lützel, Chastelbach und die Birs bei Dornach.

 

Tages- und Wochenkarten sind erhältlich an diversen Ausgabestellen wie Restaurants, Kioske und Fischereiartikelgeschäfte (z.B. Peter Kaiser in Gerlafingen). 

 

Eine Übersicht ist erhältlich beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei, Abteilung Jagd + Fischerei, Barfüssergasse 14, 4509 Solothurn, Tel. 032/627 23 47 oder unter www.so.ch in der Rubrik Jagd und Fischerei.

 

Preise: Jungfischer von 12 bis 18 Jahren zahlen für die Wochenkarte 30 und für die Tageskarte 15 Franken. Für Erwachsene beträgt der Tarif 80 bzw. 20 Franken. Für Kinder unter 14 besteht ein Mitangelrecht. Damit gehört Solothurn zu den jungfischerfreundlichsten Kantonen. Nur für die Jahreskarte 140 bzw. 80 Franken ist ein SaNa-Ausweis nötig. Kurse und Erfolgskontrollen bieten diverse Vereine an.

Jetzt bookmarken:facebook.comTwitterdigg.comgoogle.comMister WongTechnorati


1 KOMMENTARE


Dominic Kremmel
  Wär froh wenns in Vorarlberg nur annähernd solche Veränderungen gäbe !!

TOD DEM KLEINKRAFTWERK !!!!!!!
 

KOMMENTAR SCHREIBEN


Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen.


Name  
E-Mail  
Verbleibende Zeichen:

News für Fischer

  30.08.2010: Anforderungen an eine Wasserstrategie

  30.08.2010: Fängige Salami-Taktik

  25.08.2010: Schweizer Fischkonsum auf Rekordniveau

  24.08.2010: Der Wohlensee verlandet

  24.08.2010: Wieder Gülle-Alarm in Luzern

  24.08.2010: Vom Parade- zum Problemgewässer

 
Tucanare, Peacockbass, Agua Boa Lodge, Amazonas
 

 
 
 

Ausgabe September 2010

 

Inhalt

 

Abo bestellen

 

Heft kaufen

 

Werbung

 

Archiv


 

 

Kapitaler Fang

Kleine-Saane-Äsche
4,3 Pfund, 54 cm

 

 

Umfrage

Welche dieser Rubriken im Petri-Heil gefällt dir am besten?

Fotoreportage
Petri Heil am Wasser
Fokus
Angeltechnik Fliegenfischen
Angeltechnik Salmoniden
Angeltechnik Raubfisch
Angeltechnik Friedfische
Kapitale Fänge
Gaumenfreuden
Aktuell
Fischerhüsli
Verbandsteil
Sportfischer unterwegs
Einsteiger
Fischkunde
Persönlich


 
 WERBUNG
© Petri-Heil 2008 Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
 
 
MAGAZIN |FISCHERSTUBE |SERVICE |FISCHER-INFO-CENTER |SPORTFISCHER BREVET |ONLINE SHOP |Weitersagen |Kormoran |Fischerhotellogin |Petition |HOME |ANGLERNEWS |FISCHEN SCHWEIZ |ANGELTECHNIK |DISKUSSION |REISEN |VIDEOS |BLOG |KORMORAN |AKTUELLE AUSGABE |Newsletter |Kontakt & Impressum |Werbung |Dossier: Kormoran & Gansesäger |Minibanner |FISCHERSTUBE |FORUM |KAPITALER FANG |LESERBRIEFE |QUIZ |UMFRAGE |KLEINMARKT |DOWNLOADS |AGENDA |MARKT & HANDEL |FACHHANDEL |RSS |Fischerhotels |Abobestellung |Probenummer |Heft kaufen |KANTONALE VERWALTUNG & VEREINE |VERBÄNDE & BUNDESBEHÖRDEN |FISCHEREIGESETZGEBUNG |AKTUELL |INFO |GESCHICHTE |HÄUFIGE FRAGEN |TERMINE |ONLINE-TRAINING
ANZEIGE