08.07.09 | In der Schweiz gibt es 1200 Wasserkraftwerke. 700 sind Kleinstwasserkraftwerke mit einer Leistung von je unter 300 kW. Von den 4485 schweizerischen Fliessgewässern, bei denen Energiegewinnung überhaupt möglich ist, werden 90% (!) bereits genutzt.
Eine Flut von Projekten
Der Bund will in den nächsten Jahren die Wasserkraft als erneuerbare Energie zur Stromversorgung ausbauen. Innerhalb eines Jahres gingen bei der Swissgrid über 600 Projektanmeldungen für Kleinwasserkraftwerke (KWKW) ein, davon zwei Drittel Neuanlagen. Gegen 400 Projekte mit einer Gesamtleistung von 222 MW und einer jährlichen Produktionserwartung von 983 GWh sollen gemäss dem Schweizerischen Fischerei-Verband bekannten Informationen bereits einen positiven Bescheid erhalten haben, wobei Wallis mit 93 und Bern mit 92 die klaren Spitzenreiter sind (siehe Tabelle).
Gefährliche Goldgräberstimmung
Der Grund für die plötzliche Flut von Gesuchen liegt bei der „Kostendeckenden Einspeisevergütung“ (KEV). Mit diesem Instrument fördert der Bund erneuerbare Energien, indem Netzbetreiber verpflichtet werden, Elektrizität aus Sonnenenergie, Geothermie, Windenergie, Wasserkraft und Biomasse abzunehmen und zu vergüten. Für die aus Wasserkraft erzeugte Elektrizität soll die KEV bis 35 Rappen pro kWh betragen.
Mit der Aussicht auf eine KEV, die wie eine «Subvention» wirkt, werden Projekte interessant, welche sonst nicht rentabel wären und nicht realisiert würden. Das hat dazu geführt, dass sich auch grosse Unternehmen wie BKW, CKW und NOK mit der Planung von Kleinwasserkraftwerken befassen.
Tödlich für die Fische
Kleinwasserkraftwerke wirken – auf den ersten Blick – romantisch. Zu leicht wird dabei übersehen, dass ihr Anteil an der Energieproduktion unbedeutend ist. Die vermeintliche Romantik von Kleinkraftwerken hört aber spätestens dort auf, wo sie tödlich für die Fische und verheerend für den Lebensraum Gewässer wird. Laichplätze, Fressgründe und Wintereinstände vieler Fischarten liegen teilweise weit voneinander entfernt. Kraftwerke be- oder verhindern die für das Überleben und die Fortpflanzung der Fische unabdingbare Wanderung. Weil Stauhaltungen das natürliche Wasserregime umkehren und zu Hochwasser im Winter, beziehungsweise Niederwasser im Sommer führen, wird das Überleben der Fische zusätzlich erschwert.
Forderungen der Fischerei
„Wir müssen diesen Wildwuchs an Kleinwasserwerken stoppen und die verheerenden Folgen dieser ökologische Romantik aufzeigen“, sagte Roland Seiler als Zentralpräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbandes vor den Medien in Bern.
Konkret verlangt der Fischerei-Verband die Einführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung durch den Bund, die Publikation der eingereichten und bewilligten Gesuche durch das Bundesamt für Energie und die frühstmögliche Kontaktaufnahme von Planern und Investoren mit den lokalen Fischereiorganisationen.
Widerstand in den Kantonen
Der Fischerei-Verband wird durch seine Kantonsverbände regionalen Widerstand leisten. Die Kantonalverbände werden von den Behörden Richtplanungen verlangen, die aufzeigen, ob und allenfalls wo der Bau neuer Kleinkraftwerke noch zu verantworten wäre. Im Zweifellsfall werden die Kantonalverbände Einsprachen erheben. So oder so verlangen die Fischereiorganisationen Ausgleichszahlungen von 2 Rappen pro m3 entnommenes Wasser.
Autor: Roland Seiler, Schweizerischer Fischerei-Verband
Positionspapier des SFV-FSP (PDF Download)
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