22.11.11 | Die 35 Kilometer lange Sense gehört zu den letzten weitgehend natürlichen Alpenflüssen. In einer internationalen Studie des WWF Deutschland hat sie ökologische Bestnoten erhalten.
Die Sensefischer wird das kaum überraschen. Den meisten ist schmerzhaft bewusst, dass es so wilde und ursprüngliche Gewässer in Mitteleuropa fast nirgends mehr gibt.
Die Studie bewertete 15 mittelgrosse Alpenflüsse in Deutschland, Österreich und der Schweiz bezüglich Wasserqualität, Durchgängigkeit, Struktur- und Lebensraumvielfalt.
Das düstere Fazit: Knapp 10 Prozent der Gewässerstrecken sind noch als natürlich zu bezeichnen. Bei der Sense hingegen wurden rund 95 Prozent als natürlich eingestuft, womit sie unter den untersuchten Flüssen am besten abschnitt. Die beiden anderen untersuchten Schweizer Flüsse Reuss und Thur landeten im Mittelfeld.
Die Sense im Visier
Doch intakte Ökologie und Schönheit versprechen zu wenig Rendite. Die Berner Kraftwerke (BKW) planen an der Sense ungerührt ein 5-Millionen-Kraftwerk. Der WWF Schweiz bekämpft das Projekt seit seiner Bekanntgabe zusammen mit Berner und Freiburger Fischern («Petri-Heil» berichtete).
Mit dem willkommenen Rückenwind durch die viel beachtete Studie wird man die zaudernden Freiburger Behörden hoffentlich überzeugen können das unersetzliche Naturerbe endlich vor wirtschaftlichen Begehrlichkeiten zu schützen. Der Kanton Bern hat die Sense auf seinem Hoheitsgebiet bereits kategorisch von künftigen Nutzungen ausgeschlossen.
Die Medien reagieren
«Es gibt in der Schweiz genügend andere Standorte und Alternativen für Wasserkraftwerke, dafür müssen wir nicht unseren wertvollsten Alpenfluss zerstören», argumentiert Andreas Knutti, zur Zeit noch Gewässerexperte beim WWF Schweiz und bald neuer Abteilungsleiter Fischerei im BAFU. Seine Aussage wurde in zahlreichen Schweizer Medien zitiert.
In der Folge nutzte er auch im Schweizer Fernsehen SF1 die Gelegenheit gemeinsam mit Michel Roggo die Einzigartigkeit der Sense zu erklären.Beide forderten den kompromisslosen Schutz der letzten intakt gebliebenen Fliessgewässer.
Auch Vertreter der Kraftwerks-Seite kamen zu Wort und stilisierten Kleinwasser-kraftwerke zum unverzichtbaren Ersatz für die in Ungnade gefallene Atomenergie.
Zum Sense-Beitrag aus der Sendung «Schweiz aktuell» vom 21. November gehts hier.
Autor: dal
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