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Reisen - Italien

Wilde Italiener

An der Küste der Toskana lebt eine Fischart, die an Wildheit kaum zu überbieten ist: Die Leccia oder Palometta. Dieser silberglänzende Meeresräuber greift den Köder so aggressiv an, dass einem fast das Herz stehenbleibt. Antonio Varcasia und Mauro Sanna kennen den wilden Gesellen gut.

Explosiv und kampfstark. Leerfische sind Räuber der Extraklasse.

Erfolgsköder Nummer 1 ist der Popper. In trübem Wasser sollte man Modelle in auffälligen Farben fischen.

Die toskanische Küste ist ein Top-Revier für die grossen Stachelmakrelen.

25.02.10 | Nach einem heissen und sonnigen Tag versinkt die glutrote Sonne am Horizont. Unser kleines Boot driftet der Küste entlang. Wir befinden uns im Mündungsgebiet eines Flusses. Seine trüben Fluten mischen sich hier mit dem kristallklaren Wasser des Ligurischen Meers. Eigentlich eine Top-Stelle, an der man immer mit einem guten Biss rechnen kann.

 

Aber heute scheint das Gebiet wie ausgestorben: Kein Fisch zeigt sich an der Wasseroberfläche. Auf unsere Spinnköder hatten wir bis jetzt keine Attacke zu verzeichnen. Aber plötzlich zeigt das Echolot einen grossen Fischschwarm an: Meeräschen. Unsere Stimmung wird schlagartig besser, denn Meeräschen sind begehrte Futterfische. Jetzt dürften auch die Raubfische nicht fern sein.

 

Und tatsächlich. Wenig später tauchen hinter meinem Popper eindrückliche Bugwellen auf. Nicht einer oder zwei, sondern gleich vier Räuber verfolgen meinen Köder. Ich stoppe kurz, und beschleunige den Popper dann wieder. Es spritzt an der Oberfläche, und der Köder ist verschwunden.

 

Sekundenbruchteile später lärmt die Bremse meiner Multirolle. Der Fisch lässt sich bei seiner ersten Flucht nicht stoppen und reisst sicher 50 Meter Schnur von der Rolle. Langsam bekomme ich meinen Kontrahenten in den Griff und kann Schnur zurückgewinnen.

 

Als ich ihn schliesslich am Boot habe, explodiert er noch einmal an der Wasseroberfläche. Aber die geflochtene Schnur hält, und nach kurzer Zeit kann mein Freund Mauro den Fisch landen. Mit strahlendem Lächeln halte ich meine Beute in die Kamera: eine knapp 40 Pfund schwere Leccia. Nach einem Bild wird der prächtige Fisch wieder zurückgesetzt.

 

Die Leccia oder Palometta (Lichia amia) gehört zur Familie der Stachelmakrelen. Sie kommt im östlichen Atlantik, im Westen des Indischen Ozeans und im Mittelmeer vor.

 

Die toskanische Küste zwischen Viareggio und Marina di Pisa gehört zu den besten Regionen des Mittelmeers für das gezielte Fischen auf diesen rasanten Raubfisch. Besonders in den Mündungsgebieten der Flüsse Arno, Serchio und Morto tauchen die stromlinienförmigen Räuber regelmässig auf.

 

Diese grossen Stachelmakrelen können bis zu zwei Meter lang und über 100 Pfund schwer werden, die meisten Exemplare wiegen zwischen 15 und 40 Pfund. Die Saison an der toskanischen Küste beginnt im April, wenn sich die Fische zum Laichen versammeln und dauert bis in den November hinein. Wo sich Schwärme von Meeräschen und anderen Kleinfischen aufhalten, sind diese gierigen Räuber nie fern. Sie jagen nie alleine, sondern in Gruppen von fünf bis 50 Fischen. Bei ihren wuchtigen Beutezügen stossen sie mit hohem Tempo in die Schwärme hinein, sodass die Futterfische in Panik aus dem Wasser springen.

 

Palomettas sind am zuverlässigsten in der Nähe von Flussmündungen und in grossen Häfen zu finden. Angelockt werden sie durch riesige Meeräschen- und Hornhechtschwärme, denen sie hartnäckig folgen. Hat man also erst einmal einen Futterfisch-Schwarm «mit Begleitung» gefunden, darf man sich Hoffnungen auf mehrere Fänge machen.

 

So fängt man sie Die erfolgreichste Technik auf diese sehr mobilen Fische ist das Spinnfischen. Weil auch grössere Köder zum Einsatz kommen, und die erste Flucht einer grossen Leccia rasant und kraftvoll ausfällt, sollte die Rute ein robustes Rückgrat und ein Wurfgewicht um die 100 Gramm besitzen.

 

Die Rute wird bestückt mit einer mittelgrossen Multirolle (z.B. Abu 7000) oder einer hochwertigen Meeres-Stationär-Rolle der Grösse 8000, wie sie heute für das Speed-Jigging angeboten werden. Auf die Rolle kommen mindestens 200 Meter geflochtene Schnur der 50 lb-Klasse. Als Vorfach verwende ich ein Stück 0,50er- oder 0,60er-Fluorocarbon.

 

Die Leccia ist ein aggressiver Räuber, die mit Vorliebe an der Wasseroberfläche jagt. Aus diesem Grund benötigt man vor allem flach laufende Köder. Ich verwende am liebsten Popper. Ist das Wasser klar, sollte man sich bei der Farbwahl nach den Beutefischen richten, also Köder in hellen Silberdesigns mit Blau und Grün. Im trüben Wasser der Flussmündungen sind auffällige Farben wie fluoreszierendes Gelb, Grün oder Pink besser. Fangentscheidend ist oft, dass man den Köder mit grosser Geschwindigkeit einholt. Das erzeugt starke Reize und erweckt Aufmerksamkeit.

 

Oft verfolgen die Stachelmakrelen den Köder über eine längere Strecke, bevor sie ihn attackieren. Manche unserer Kollegen schwören gerade dann auf die «Stop and Go»-Technik und führen den Köder mit regelmässigen Pausen. Welche Methode gerade am fängigsten ist, muss man ausprobieren!

 

Auch bei längeren Phasen ohne Biss sollte man nicht aufgeben. Fischt man am richtigen Platz, kommt mit der Zeit fast zwangsläufig ein Trupp raublustiger Palomettas vorbei. Und wenn Ihr Popper in einem wilden Schwall verschwindet, dürfen Sie sich auf einen Drill freuen, für den man normalerweise viel weiter reisen müsste.

 

Autor: Antonio Varcasia/Mauro Sanna


Information

Der englisch und italienisch sprechende Angelführer Maurizio Pastacaldi weiss immer genau, wo sich die Räuber aufhalten, und auf welche Köder es am besten beisst. 

 

Mehr Info und Buchung: Kapitän Maurizio Pastacaldi, Tel. 0039/335 334 285, E-Mail: maurizio.pastacaldi@ fastwebnet.it, Internet: www.mauriziopastacaldi.com

 

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Ausgabe September 2010

 

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