25.02.10 | Seit dem 17. Dezember 2009 müssen Besucherinnen und Besucher des Naturmuseums Solothurn am Eingang tief Luft holen. Der Tauchgang ins Untergeschoss könnte länger dauern, weil es in der neuen Sonderausstellung FISCHE fast sämtliche Fischarten der faszinierenden Schweizer Unterwasserwelt zu sehen gibt. Im Untergeschoss empfangen wird man aber von einem Fisch, den es in keinem Bestimmungsbuch der Welt zu entdecken gibt: dem Wuhubari. Der schillernde Märchenfisch kommt aus den Tiefen des Aeschisees und lädt Klein und Gross in sein Inneres ein, wo es Fischmärchen und Sagen aus aller Welt zu hören gibt.
Fast wie in freier Wildbahn
Mit gurgelnden Wassergeräuschen im Ohr können sich Besucherinnen und Besucher, die Fisch vor allem vom Teller her kennen, nun einen ersten Überblick über die unterschiedlichen Gewässerregionen der Schweiz und ihre Bewohner verschaffen. Welche Fischarten bevorzugen fliessende Gewässer mit viel Sauerstoff und wer geniesst lieber die ruhigen Tiefen der Schweizer Seen? Wer braucht zum Überleben stark strukturierte Lebensräume und welche Fische sind da weniger anspruchsvoll? Nach Lebensraum gruppiert, werden die verschiedenen Fischarten in den einzelnen Schaukästen fast wie draussen in der Natur präsentiert.
Bachforelle, Elritze und das eher unbekannte Bachneunauge tummeln sich gemeinsam in der Bergbach-Vitrine. In einem anderen Schaukasten verstecken sich Hecht, Rotfeder und Blicke im Schilf, um je nach Lebensart vor ihren Räubern geschützt zu sein oder auf einen vorbeischwimmenden Leckerbissen zu warten. Etwas schwerfälliger wirken hingegen die auf dem Seegrund lebenden unauffällig gefärbten Fischarten wie Wels Trüsche und Brachsen. Aber auch der farbenfrohe Goldfisch hat seinen Platz in der Ausstellung. Er teilt sich mit seinen exotischen Freunden wie dem Sonnenbarsch die Vitrine „Aus fernen Ländern“. Obwohl ursprünglich nicht in der Schweiz vorkommend, bevölkern diese Fische mittlerweile einen beträchtlichen Teil der Schweizer Gewässer und werden - wie zum Beispiel der Zander - schon fast als einheimisch wahrgenommen.
Beim Blick in die unterschiedlichen Lebensraum-Vitrinen wähnen sich die Besucherinnen und Besucher manchmal vor einem Aquarium mit echten Fischen. Dies liegt einerseits an der naturgetreuen Gestaltung der Schaukästen mit hinterleuchteten Lebensraumbildern, in denen die Fische dank transparenter Plexistreifen zu schwimmen scheinen. Andererseits tragen aber die äusserst naturnahen Fischpräparate von Matthias Fahrni und Rudy Auf der Maur beträchtlich zu diesem Eindruck bei.
Prämierte Fischpräparate
Fische zählen nicht zu den begehrtesten Tieren – weder beim Publikum noch bei Museumsbetreibern. Ihr fehlendes Fell erzeugt beim Betrachter nicht den sympathischen Knuddel-Effekt und für den Präparator sind Fische eher ein Albtraum, da man sie nicht „ausstopfen“ kann. So wurden Fische lange Zeit stiefmütterlich behandelt und fristeten ihr Dasein in Alkohol eingelegt hinter den Museumskulissen oder als künstlicher Abguss in einer abgelegenen Vitrine. Mit der Sonderausstellung FISCHE ist es dem Naturmuseum Solothurn nun aber gelungen, neue Wege zu gehen.
Aus der Überzeugung, dass ein Museum immer von den Originalen und nicht von künstlichen Abbildern lebt, wurden geeignete Fischpräparatoren gesucht. Mit Matthias Fahrni und Rudy auf der Maur wurde man fündig. Dank einer sehr aufwändigen Methode der Plastifizierung wirken die präparierten Fische fast, als wären sie lebendig. Entsprechend gewannen zwei der ausgestellten Präparate von Matthias Fahrni an der Weltmeisterschaft der Präparatoren eine Auszeichnung: im Eingangsbereich finden Besucher den 2001 mit der Silbermedaille ausgezeichneten Schneider und im Untergeschoss schwimmt die 2008 in Salzburg mit Gold prämierte Groppe.
Den Stimmen der Fische lauschen
Eine Auszeichnung hätte auch der aufwändig gestaltete Märchenfisch Wuhubari verdient, der jeweils bereits in den ersten Minuten zum Publikumsliebling von Klein und Gross wird. Aber auch zahlreiche andere spielerische Elemente werden in der Ausstellung geboten. So kann man beim Lachs-Wanderspiel in die Haut eines Lachses schlüpfen. Mit viel Fingerspitzengefühl muss die Kugel um die zahlreichen Hindernissen wie Stauwehre, verschmutzte Gewässer und Fischernetze gelotst werden, bis endlich die Lachs-Laichgründe erreicht sind. Neben dem Lachs kommen bei den Spielstationen in der Ausstellung aber auch andere Fische zu Wort, denn Fische sind keinesfalls stumm.
Am Fischstimmenkasten lässt sich dem Quieken, Brüllen, Pfeifen und Trommeln der Unterwassertiere lauschen und beim Fischpuzzle gilt es, den passenden Fischumriss ausfindig zu machen. Wer sein Fischwissen am Ende des Museumsbesuchs nochmals unter Beweis stellen möchte, versucht sich am Quiz „Alles Fisch oder was?“, denn nicht alles was „Fisch“ heisst, ist wirklich ein Fisch.
Aufgetischt und abserviert
Neben den unterhaltsamen Spielstationen kommen in der Ausstellung aber auch die ernsten Aspekte zum Thema „Fisch“ zur Sprache. So beschäftigen sich die Vitrine „Aufgetischt und abserviert“ und der dazugehörige Kurzfilm „Der Weg des Fischstäbchens“ mit den Folgen der industriellen Fischerei, zu denen auch der ansteigende Fischverzehr in der Schweiz seinen Teil beiträgt. Ebenfalls werden der starke Gewässerverbau und die Stromgewinnung aus Schweizer Wasserkraft im Naturmuseum unter die Lupe genommen und mit mehreren Kurzfilmen vor Augen geführt.
Noch mehr Fische
Wer nach dem Besuch der Ausstellung den Schweizer Fischen noch mehr auf den Grund gehen möchte, findet im Museumsshop eine Fischbroschüre (CHF 16.-) mit weitergehenden Informationen und Spielen zum Thema. Für Lehrpersonen und ihre Schulklassen ist der begleitende Fischkoffer ausleihbar, der für verschiedene Altersstufen Spiele, Texte und Anschauungsmaterial zum Museumsbesuch bereithält.
Die Sonderausstellung FisCHe dauert vom 17. Dezember 2009 bis 24. Oktober 2010: Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14 - 17 Uhr, Sonntag 10 - 17 Uhr,
Schulen und Gruppen auch vormittags von Dienstag bis Freitag nach Voranmeldung (Anmeldung und Reservation Fischkoffer: Naturmuseum Solothurn, Tel. 032 622 70 21).
Naturmuseum Solothurn, Klosterplatz 2, 4500 Solothurn
032 622 70 21, info(at)naturmuseum-so.ch