23.11.09 | Die Amerikaner sind begeistert von Barschfischen. Für Schwarzbarsch und Walleye (amerikanischer Zander) werden jedes Jahr unzählige Wettkämpfe veranstaltet und teilweise knacken die Preisgelder die Millionengrenze. Die erfolgreichsten Profifischer sind so bekannt wie bei uns gute Fussballspieler.
Und der positive Nebeneffekt: Sobald es um viel Geld geht, werden die Leute erfinderisch. Nicht zuletzt aus diesem Grund werden die meisten Kunstköder-Methoden in den USA herausgetüftelt. Haben sie sich bewährt, dauert es erfahrungsgemäss seine Zeit, bis sich auch die Europäer auf die neue Technik einlassen. So war es beim Drop-Shotting, das mittlerweile auch bei uns viele Anhänger gewonnen hat. Und auch beim Texas- und Carolina-Rig, das ich Ihnen in diesem Artikel vorstellen möchte, wird es wohl nicht anders sein.
Obwohl die beiden in diesem Artikel vorgestellten Montagen nach unterschiedlichen amerikanischen Bundesstaaten benannt sind, ist ihr Aufbau ähnlich: Auf dem Vorfach gleitet ein patronenförmiges Blei, in den USA «Bullet Weight» genannt, darauf folgt eine Glasperle und hintendrein der Haken mit einem Kunstköder. In den meisten Fällen werden Gummiwürmer oder Weichplastikfischchen verwendet. Wer den Unterschied zwischen Texas- und Carolina-Rig erkennen will, muss zuerst genau hinschauen, denn es ist ein Detail: Beim Texas-Rig können Blei und Perle bis zum Haken gleiten, beim Carolina-Rig werden sie durch einen Wirbel, der sich ein Stück vor dem Haken befindet, vorher abgebremst. Aber genau diese Nuance kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Reizvolle Geräusche
Warum sind die beiden Montagen so fängig? Das liegt an der schon erwähnten Perle und dem Blei. Zupft man den Köder durchs Mittelwasser oder am Grund, rutschen Blei und Perle bis zum Haken (Texas-Rig) bzw. bis zum Wirbel (Carolina-Rig) und schlagen jeweils aneinander.
Dadurch entstehen klickende Geräusche, die die Räuber gut wahrnehmen. Selbst Fische, die eigentlich gar keinen Hunger haben, werden aufmerksam und packen unter Umständen zu. Die Perle bietet auch optisch einen zusätzlichen Reiz. Spezielle Bleie fürs Carolina- oder Texas-Rig gibt es in länglicher oder gedrungener Form und in unterschiedlichen Gewichten. Beim Fischen mit dem Texas-Rig kommen in den meisten Fällen leichte Bleie zum Einsatz.
Sie ermöglichen eine sensible Köderführung, und man kann sehr gut auch in flacherem Wasser fischen, weil die Montage nur langsam absinkt. Will man in grössere Tiefen vordringen, wird das Blei etwas schwerer gewählt. Der Widerstand, den ein Raubfisch beim Ansaugen des Köders am Texas-Rig spüren könnte, ist minim. Beim Carolina-Rig geht er sogar gegen null, weil sich das Gewicht immer ein gutes Stück vor dem Haken befindet. Der Köder schwebt nahezu schwerelos im Wasser. Das verringert nicht nur die Anzahl der Fehlbisse, sondern ermöglicht eine noch bessere Köderführung.
Am Carolina-Rig kann man bedenkenlos schwerere Bleie verwenden und an steinigen Stellen fischen. Das Blei hüpft über den Grund, und die Gefahr, dass der Köder zwischen den Steinen hängen bleibt, ist gering.
Für schwieriges Terrain
Zwischen versunkenen Bäumen sind unsere Fangchancen besonders gut. Da muss der Köder eigentlich hin. Präsentiert man allerdings den Köder auf herkömmliche Weise, geht er ziemlich wahrscheinlich nach kurzer Zeit verloren oder er fängt Kraut, Laub oder Äste statt Fische. Für dieses Problem haben die US-Profis eine Lösung gefunden. Sie ködern den Gummifisch oder -wurm «weedless » (dt: krautfrei) an.
Dafür braucht man einen so genannten Offset-Haken (siehe Bild), auf dem der Köder so befestigt wird, dass die Hakenspitze in der Aussenhaut verborgen liegt. So setzt sich der Köder an kaum einem Hindernis fest. Bei einem Biss wird die Hakenspitze nach oben gedrückt und fasst sicher im Maul des Fischs. Hat man trotzdem Fehlbisse zu verzeichnen, sollte man den Gummiköder seitlich am Haken anbringen. Mit dieser Präsentation ist fast jeder Biss ein Treffer.
Meine Vorfächer fürs Texas- und Carolina-Rig bestehen aus Fluorocarbon. Dieses Material hat den Vorteil, dass es für die Fische praktisch unsichtbar ist. Den Haken befestige ich mit einer Rapala-Schlaufe am Vorfach (siehe Grafik). Das gibt dem Köder zusätzliche Bewegungsfreiheit. Besteht die Möglichkeit, dass sich ein Hecht auf den Köder stürzt, sollte man ohne Wenn und Aber ein Stahlvorfach verwenden.
Die optimale Rute für Texas- und Carolina-Rigs muss mehrere Bedingungen erfüllen: Sie sollte möglichst leicht und gut ausbalanciert sein, damit man mit ihr auch über einen längeren Zeitraum ermüdungsfrei fischen kann. Bei der Rutenaktion muss man einen Kompromiss finden: Ist die Aktion zu weich, kommt der Anhieb nicht richtig durch. Ist sie zu hart, wird eine sensible Köderführung erschwert. Wenn ich gezielt auf Egli fische, verwende ich eher weichere Ruten, weil der Haken auch ohne viel Druck im weichen Barschmaul greift.
Habe ich es aber auf Zander abgesehen, ist eine relativ harte Rute fängiger. Die Länge der Rute ist abhängig von der Entfernung, in der man fischt. Die Faustregel lautet: Je grösser der Abstand vom Ufer, desto länger muss die Rute sein. Allerdings sollte sie nicht über eine Länge von 3,30 Meter hinausgehen. Sonst verliert man das Gefühl für die Köderführung. Die beiden Methoden funktionieren nach meiner Erfahrung auch in unseren Gewässern ausgezeichnet, probieren Sie es selber!
Autor: Lutz Hülsse
2 KOMMENTARE
Glasperlen habe ich bei einem Online Bastelladen gekauft (verschiedene, muss noch schauen, welche passen).
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