18.12.09 | In den letzten Jahren hat sich das Spinnfischen rasant weiterentwickelt. Besonders beim Fischen mit Wobblern haben neue Modelle mit speziellen Eigenschaften zu einer Vielfalt von fängigen Techniken geführt, mit denen man Raubfische von der Oberfläche bis zum Grund überlisten kann. Wobbler ist längst nicht mehr einfach Wobbler, aber das ist eigentlich nur zu unserem Vorteil!
Grundsätzlich lassen sich die meisten der heute angebotenen Modelle unterscheiden in Crankbaits, Jerkbaits, Twitchbaits und Stickbaits. In diesem Artikel erfahren Sie, worin sich die verschiedenen Ködertypen unterscheiden und wie man sie einsetzen kann.
Crankbaits
Als Crankbaits bezeichnet man Wobbler, die ohne Bewegungen der Rutenspitze eingekurbelt werden (to crank bedeutet kurbeln). Der Crankbait ist jener Typ, der dem ursprünglichen Wobbler am meisten entspricht. Ein Crankbait erzeugt beim Einkurbeln starke Druckwellen. Einige Modelle sind zusätzlich mit Geräuschkugeln ausgerüstet, die die Räuber anlocken sollen.
Die heute angebotene Palette an Crankbaits ist gross: Es gibt einteilige, mehrteilige, schwimmende und sinkende Modelle. Das Fischen mit Crankbaits ist ziemlich einfach: Man wirft den Wobbler an die gewünschte Stelle und kurbelt ihn ein. Die Tauchschaufel sorgt für den Tiefgang und das Köderspiel.
Crankbaits schaukeln verführerisch durchs Wasser. Diese Aktion, die man in der Rute deutlich spüren kann, erzeugt unter Wasser attraktive Druckwellen und optische Reize. Crankbaits sind deshalb gut geeignet, um eine grosse Wasserfläche nach aktiven Raubfischen abzusuchen. Es gibt übrigens auch Crankbaits ohne Schaufel, die so genannten Lipless Cranks (lipless bedeutet «ohne Lippe») wie den Clackin Rap von Rapala oder den TN 60 von Illex.
Diese Crankbaits sind an den Seiten abgeflacht, die Öse zur Befestigung der Schnur befindet sich auf dem Rücken. Da sie konstruktionsbedingt sinken, lassen sie sich in unterschiedlichen Wassertiefen anbieten.
Twitchbaits
Twitchbaits fallen prinzipiell in die Kategorie Jerkbaits (siehe Seite 33), weil auch diese Köder erst durch Bewegungen der Rute so richtig fängig laufen. Allerdings fallen beim Twitchen diese Bewegungen im Gegensatz zum Fischen mit Jerkbaits deutlich sanfter aus. To twitch bedeutet übersetzt nämlich zupfen. Twitchbaits besitzen meistens eine schlanke Form und sind mit einer relativ kleinen Tauchschaufel ausgestattet. Die meisten Modelle sind Suspender (sie schweben im Wasser). Es gibt aber auch schwimmende und sinkende Twitchbaits.
Nach dem Auswerfen wird ein Twitchbait mit unterschiedlich starken Zupfern eingeholt. Die sanften Schläge müssen allerdings nicht wie beim Jerken an gestraffter Schnur erfolgen, man kann auch mit lockerer Schnur twitchen. Dabei bricht der Köder seitlich aus.
Beim Führungsstil sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Die kleine Fischimitation lässt sich langsam oder schnell, träge oder panisch bewegen. Der überraschende Lauf ist die Stärke des Twitchbaits (siehe Zeichnung).
Wie schnell man den Köder einholt und wie stark man twitcht, kann, nein muss variiert werden und hängt von den Bedingungen wie Wassertemperatur, Wassertrübung und Aggresivität der Fische ab. So sollte man im Winter deutlich langsamer twitchen als in der warmen Jahreszeit, wenn der Stoffwechsel der Räuber deutlich höher ist.
Übrigens eignen sich nicht nur die speziell designten Twitchbaits von Illex, Lucky Craft oder Rapala für diese Technik. Mit den meisten herkömmlichen schlanken Wobblern kann man hervorragend twitchen. Viele erfolgreiche Wobblerfischer haben das schon getan, als es dafür noch keinen englischen Spezialbegriff gab. Statt monotonem Einkurbeln haucht man dem Köder mit Zupfbewegungen Leben ein. Am besten probiert man jeden Köder erst einmal vor den Füssen aus und lässt ihn mit Bewegungen aus dem Handgelenk spielen. So erkennt man rasch, wie das jeweilige Modell reagiert.
Stickbaits
Auch die so genannten Stickbaits gehören streng genommen zu den Jerkbaits. Und sie haben mit den grossen Hechtködern noch mehr gemeinsam. Sie besitzen keine Tauchschaufel, und man muss ihnen zwingend mit Hilfe der Rute Leben einhauchen, sonst schwimmen sie wie ein Strich durchs Wasser. Ihre Form erinnert an einen Stab oder eine Zigarre (Stick = Stab). Es gibt sie hauptsächlich in schwimmender oder langsam sinkender Ausführung.
Daher werden Stickbaits vor allem beim Fischen an oder knapp unter der Wasseroberfläche eingesetzt. Man führt Stickbaits mit kleinen Schlägen der Rute. Das lässt den Stickbait im Zick-Zack-Kurs durchs Wasser schiessen, wie ein panischer, flüchtender Beutefisch (siehe Zeichnung). Einige Stickbaits wie etwa der Water Monitor von Illex bleiben, wenn man eine Pause einlegt, stehen und flattern verführerisch. Das macht besonders Forellen so richtig heiss!
Im Fluss kann man mit diesem Ködertypus erfolgreich auf Rapfen fischen, weil er sich schnell an der Oberfläche führen lässt. An der Küste eignet er sich wegen seiner guten Flugeigenschaften für die Angelei auf Meerforellen, auch für die Seeforellenfischerei vom Ufer müsste er funktionieren.
Jerkbaits
Beim Wort Jerkbait denken regelmässige «Petri-Heil»-Leser an die grossen farbigen Holzfische ohne Tauchschaufel, die man seit ein paar Jahren auf vielen Hechtbildern sieht. Das ist streng genommen falsch, denn die Bezeichnung «Jerkbait» steht im Englischen eigentlich für alle Wobbler, die mit ruckartigen Schlägen durchs Wasser geführt werden (engl. to jerk = rucken). Das können also auch Weichplastikköder sein. Bei uns werden unter diesem Namen aber hauptsächlich grössere Wobbler ohne Tauchschaufel zusammengefasst, die prinzipiell keine «eingebaute» Eigenaktion besitzen.
Man unterscheidet grundsätzlich zwei Typen selbstverständlich ebenfalls in Fischerenglisch, nämlich Glider und Diver. Zeichnet man den Kurs eines Gliders im Wasser nach, würde man eine ausladende Zick-Zack-Linie erhalten (siehe Zeichnung). Ein Diver hingegen taucht bei Jerkbewegungen mit dem Kopf nach unten ab.
Seine Lauflinie erinnert von der Seite betrachtet an ein Sägeblatt. Jerkbaits sind als schwimmende, sinkende und schwebende (suspending) Version erhältlich. Um grosse Jerks mühelos werfen und attraktiv führen zu können, benötigt man eine 1,80 bis 2,10 Meter lange Rute mit kurzem Rutengriff und einer harten Aktion, die mit dem erheblichen Wasserwiderstand dieser Köder zurechtkommt. Häufig wird zum Jerken eine Multirolle verwendet, weil deren Getriebe deutlich robuster ist als das einer Stationärrolle. Jerkbaits werden mit ruckartigen Rutenschlägen zum Leben erweckt, eine erfolgreiche, aber recht anstrengende Technik.
Autor: sh
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